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Jerusalem : Unruhe am heiligen Ort

Einsatz vor der Al-Aqsa-Moschee am Montag in Jerusalem Bild: dpa

Steine, Straßenkämpfe, Verhaftungen: Vor der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem ist es wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Palästinensern gekommen.

          In Jerusalem kehrt keine Ruhe ein. Zum zweiten Mal seit dem Beginn des jüdischen Neujahresfestes am Sonntag kam es an der Al-Aqsa-Moschee zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Laut Presseberichten bewarfen die Jugendlichen Polizisten mit Steinen und versuchten, Juden am Betreten des Vorplatzes der Moschee zu hindern. Nach palästinensischen Angaben drangen die Sicherheitskräfte in die Al-Aqsa-Moschee ein, wohin sich schon am Sonntag vermummte Palästinenser zurückgezogen hatten. Es gab zwei Verletzte und neun Festnahmen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zudem untersucht die Polizei einen tödlichen Autounfall in Westjerusalem. Ein Israeli hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, nachdem es möglicherweise von Palästinensern mit Steinen beworfen worden war. Solche Angriffe mit Steinen hatte es in Jerusalem und im Westjordanland in den vergangenen Monaten wieder häufiger gegeben.

          Palästinenser beunruhigt

          Zuletzt war es an der Al-Aqsa-Moschee Ende Juli zu ähnlich heftigen gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Damals begingen Juden den „Tischa-Be-Av“-Feiertag, an dem sie der Zerstörung der ersten beiden Tempel gedenken. Traditionell besuchen vieleJuden an diesem Tag wie jetzt auch am Neujahresfest die Klagemauer und den Tempelberg. Juden nennen das Plateau Tempelberg, Muslime „Haram al Scharif“, das „erhabene Heiligtum“.

          Bisher weiteten sich die Unruhen rund um die Al-Aqsa-Moschee nicht aus. Doch haben sie schon große Beunruhigung unter Palästinensern und in der arabischen Welt hervorgerufen. Palästinensische Muslime befürchten, dass die israelische Regierung die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom unter jüdische Kontrolle bringen will. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sprach von einem „Angriff“ auf die Al-Aqsa-Moschee, den man nicht tatenlos hinnehmen werde.

          Netanjahu: Status bleibt unverändert

          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versuchte jedoch zu beruhigen. Er bekräftigte, dass sich am derzeitigen Status quo nichts ändern solle. Dieser sieht vor, dass Nicht-Muslime das Areal nur morgens und mittags nach einer strengen Sicherheitskontrolle für wenige Stunden besuchen dürfen. Juden ist es verboten an dem Ort zu beten, wo nach der Überlieferung einst der Tempel stand.

          Im vergangenen Jahr hatte eine ähnliche Eskalation an der Al-Aqsa-Moschee auch andere Teile der Stadt erfasst. Bei einer Serie von Terroranschlägen gab es mehrere Tote. Zeitweise war der Ausbruch einer dritten Intifada befürchtet worden. Die zweite Intifada hatte begonnen, nachdem der damalige Oppositionsführer Ariel Scharon im September 2000 den Tempelberg besucht hatte.

          Ringen um jede Festnahme: Palästinenser und Polizisten am Montag in Jerusalem

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