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Angriff israelischer Siedler : Was die Araber nie gewagt hätten

Einer der festgenommenen Siedler wird zum Jerusalemer Amtsgericht gebracht Bild: AFP

Mit dem Angriff extremistischer Siedler auf Soldaten ist eine Grenze überschritten worden. Seitdem reißt die Kritik in Israel nicht ab. Führende Politiker sprechen von Terrorismus.

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          Auf diesen Angriff waren die sechs Reservisten nicht vorbereitet. Seit drei Wochen hielten sie in ihrem kleinen Außenposten am Eingang der Siedlung Jitzar Wache. Ihre Aufgabe war es, die israelischen Siedler vor palästinensischen Terroristen zu schützen. Doch am Dienstagmorgen wurden sie unsanft von mehreren Dutzend Bewohnern der Siedlung in der Nähe von Nablus geweckt: Ihnen blieb gerade noch Zeit, um ihre Zelte zu verlassen, die die wütende Menge mit Diesel übergoss und in Flammen aufgehen ließ. Selbst die mobile Toilette zerstörten sie. „Sie haben uns so gedemütigt, wie es die Araber niemals gewagt hätten“, schimpfte einer der Soldaten danach. „Liebe Einwohner von Jitzar, Ihr seid eine Schande für unser Land“, schrieb ein anderer Reservist auf seiner Facebook-Seite. Künftig könnten die Siedler selbst auf sich aufpassen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Auch zwei Tage danach hat sich in Israel die Welle der Entrüstung über die extremistischen Siedler von Jitzar nicht gelegt. Sechs frühere Chefs des Inlandsgeheimdienstes Schin Beth meldeten sich empört zu Wort. Das sei ganz klar „jüdischer Terrorismus“, sagte Ami Ajalon: Alle anderen Erklärungsversuche führender Politiker, die nur von einem „Verbrechen aus Hass“ und „Verirrungen“ geredet hatten, seien Wortklauberei. Verteidigungsminister Mosche Jaalon sprach ebenfalls von einem Terrorakt. Da in Israel Männer und Frauen jahrelang Wehr- und später Reservedienst leisten, haben selbst Befürworter des Siedlungsbaus kein Verständnis für das, was am Dienstag in Jitzar geschah.

          Der Angriff - ein Racheakt

          Die Angreifer wollten sich mit ihrem Überfall auf die Soldaten für den Abriss mehrerer Bauten rächen, die auf dem Gelände der Siedlung Jitzar ohne die vorgeschriebenen Genehmigungen errichtet worden waren. Bei dem Polizeieinsatz am Montagabend hatte es mehrere Verletzte gegeben. Einige Siedlerführer wie der Vorsitzende des Regionalrats von Samaria, Gerschon Mesika, gaben den Sicherheitskräften deshalb eine Mitschuld. Sie trugen dazu bei, dass sich die ohnehin schon angespannte Lage weiter aufgeheizt habe. In den Tagen waren in Jitzar die Reifen der Geländewagen zweier Armeekommandeure aufgeschlitzt worden. Doch der Angriff auf die Reservisten bedeutet eine weitere Eskalation. Bisher war die militante „Hügeljugend“ meist nur gegen Soldaten gewalttätig geworden, die an Abrissaktionen in den Siedlungen beteiligt waren oder Palästinenser schützten. Israelische Kommentatoren befürchten, dass die jüngste Gewalt nur einen Vorgeschmack darauf gibt, was im Westjordanland geschehen wird, sollte Israel nach einem Friedensabkommen in großem Stil Siedlungen räumen.

          Dennoch zögert die Regierung Netanjahu, härter gegen militante Siedler und andere jüdische Extremisten durchzugreifen. So scheiterten schon zwei Gesetzentwürfe, die es der Polizei ermöglichen sollten, Israelis wie Terroristen zu verfolgen, die „Preisschild“-Attacken verüben. Mit diesen Attacken wollen die Täter deutlich machen, dass jeder Israeli oder Palästinenser, der es wagt, gegen die militanten Siedler und Extremisten vorzugehen, einen „Preis“ zahlen müsste. Gewöhnlich richtet sich ihr Zerstörungswerk gegen Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem; auch Christen bekommen häufig ihren Zorn zu spüren. In den meisten Fällen wird kein Täter dingfest gemacht, obwohl auch Brandanschläge dabei waren.

          Nach dem Überfall auf die Reservisten gab es mittlerweile erste Festnahmen; angeblich sind auch zwei einschlägig bekannte „Preisschild“-Aktivisten darunter. Nach Ansicht des ehemaligen Chefs des Schin Beth, Carmi Gillon, könnten die Sicherheitskräfte längst viel weiter sein. „Es gibt keine Ergebnisse, weil die Regierung bisher vom Geheimdienstdirektor bisher nicht verlangte, Ergebnisse vorzulegen“, kritisiert Gillon. Man fasse jüdische Gewalttäter immer noch mit Samthandschuhen an, statt sie mit den Methoden zum Sprechen zu bringen, die sich in der Vergangenheit in den Verhören mit Hamas-Terroristen bewährt hätten.

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