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Kriegsschaulustige in Israel : „Kino Sderot“ sorgt für Empörung

Blick Richtung Gazastreifen: Junge Israelis auf einem Hügel am Rande Sderot - aufgenommen vor einer Woche Bild: AP

Auch wenn zurzeit Feuerpause ist: Bilder von Israelis, die auf einem Hügel nahe der Stadt Sderot ihre Gartenstühle aufstellen, um zuzuschauen, wie der Gazastreifen bombardiert wird, sorgen für Empörung - und eine Debatte auch im eigenen Land.

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          Es war nur ein Schnappschuss mit dem Iphone. Aber das Bild, das der dänische Journalist Allan Sorensen vor wenigen Tagen in Sderot aufgenommen hatte, verbreitete sich in Windeseile über den Kurznachrichtendienst Twitter. Es zeigt Israelis, die auf einem Hügel am Rand der Stadt Sderot ihre Gartenstühle aufgestellt haben und beobachten, wie der Gazastreifen bombardiert wird. Auf die Explosionen auf der palästinensischen Seite hätten sie mit Applaus reagiert, schrieb der Korrespondent der Zeitung „Kristeligt Dagblad“ unter das Foto, das er mit der Überschrift „Sderot Kino“ versah. Seitdem leiteten mehr als 11.000 Twitter-Nutzer die Aufnahme weiter. 

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Dieser Anblick ist offenbar kein Einzelfall. Auch der Auslandssender „Deutsche Welle“ berichtete an einem anderen Abend von einer Gruppe Bewohner der südisraelischen Stadt, die auf Klappstühlen die Angriffe auf Gaza beklatschten und dazu ihre Wasserpfeifen rauchten.

          Inzwischen griff auch die Zeitung „New York Times“ das Thema aus der südisraelischen Stadt auf, die wie keine andere unter den aus Gaza abgefeuerten Raketen und Granaten zu leiden hat. Mehr als 8600 Raketen und Granaten gingen im vergangenen Jahrzehnt dort nieder. Den 25.000 Bewohnern bleiben beim Raketenalarm nur 15 Sekunden, um sich in ihre Schutzräume zu flüchten, wie jetzt wieder unzählige Male seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive. Der Konflikt hat in der Stadt große Verbitterung hervorgerufen. „Wer uns töten will, den müssen wir zerstören“, fordert etwa Bürgermeister Alon Davidi.

          Wie er denken viele in Sderot. Dennoch rief die Aufnahme des dänischen Reporters in Israel Empörung und eine Debatte hervor, die seit Tagen im Internet und im Fernsehen andauert. Manche konnten sich schlicht nicht vorstellen, dass Israelis so etwas tun. Einige vermuteten zunächst, das Bild sei manipuliert, um Israel in dem Konflikt in ein schlechtes Licht zu rücken. Andere hielten es für einseitig, weil Palästinenser im Gazastreifen und Westjordanland unerwähnt bleiben, die in der Vergangenheit nach Terroranschlägen immer wieder den Tod von Israelis bejubelten.

          Nicht nur Allan Sorensen hatte als Korrespondent früher darüber berichtet. Die Fotos aus Sderot, wo es auch bei früheren Gaza-Konflikten zu ähnlichen Szenen gekommen, werfen jedoch auch ein Schlaglicht auf die aufgeheizte Atmosphäre in Israel. Auslöser war der Mord an drei jüdischen Religionsstudenten, die im Westjordanland entführt worden waren; die Regierung bezichtigt die Hamas-Organisation, hinter der Tat zu stecken.

          Nach dem Fund ihrer Leichen forderten im Internet mehrere Zehntausend Israelis, ihren Tod mit harter Hand zu sühnen. „Das Volk Israel verlangt Rache“ lautet der Slogan einer Facebook-Gruppe. Viele machten dabei auch aus ihrem Hass auf Araber kein Geheimnis.

          Trügerische Idylle: Blick auf das Bombardement auf den Gazastreifen Bilderstrecke

          Am Tag der Beerdigung der Studenten kam es in Jerusalem während einer Demonstration mit Slogans wie „Tod den Arabern“ zu Übergriffen auf Palästinenser. Am nächsten Morgen wurde in Ostjerusalem ein junger Palästinenser entführt und grausam ermordet. Die drei Täter gestanden mittlerweile, dass sie mit dem Mord den Tod der drei Studenten rächen wollten. Nächtelang lieferten sich aufgebrachte arabische Demonstranten Straßenschlachten mit der israelischen Polizei, die erst abnahmen, als der bewaffnete Konflikt in Gaza begann.

          Militante Palästinenser haben unterdessen am Donnerstag eine befristete Waffenruhe mit Israel gebrochen. Drei aus dem Gazastreifen abgefeuerte Mörsergranaten seien im israelischen Grenzgebiet eingeschlagen, bestätigte eine Armeesprecherin in Tel Aviv entsprechende Medienberichte. Es habe weder Opfer noch Schäden gegeben.

          Israel und die Hamas hatten zuvor einer fünfstündigen Waffenruhe zugestimmt. Die Vereinten Nationen hatten diese aus humanitären Gründen vorgeschlagen. Israel hatte gedroht, es werde im Fall von Angriffen aus dem Gazastreifen während der Feuerpause hart zurückschlagen.

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