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Konversionskurse in Israel : Alles eine Frage des religiösen Status

Gut eine Million Menschen sind seit den neunziger Jahren aus den früheren Sowjetrepubliken in Israel eingewandert, um sich bald als Bürger zweiter Klasse zu fühlen. Sie haben einen israelischen Pass und dürfen wählen. Trotzdem vermerken die Behörden bei rund einem Drittel der russischen Einwanderer und ihrer Kinder in der Rubrik für die Religionszugehörigkeit nicht jüdisch, sondern „andere“. Um das zu ändern, müssen sie erst orthodox konvertieren.

Viele von ihnen versuchten es und machten ähnlich ernüchternde Erfahrungen wie Noam Cohen aus dem Kibbuz in Nordisrael. Anders als die junge Soldatin gaben sie auf - und wanderten aus. Vor zwei Jahren verließen mehr als 5000 dieser Neubürger Israel wieder, teilt besorgt die offizielle Einwanderungsorganisation Jewish Agency mit. „Die meisten von ihnen fühlen sich hier nicht wohl und leben wie unter einem großen Fragezeichen“, beobachtet Rabbiner Schaul Farber. „Aber Israel gehört auch ihnen. Wir müssen für alle Menschen eine Lösung finden, die sich als Juden fühlen“, fordert der aus Amerika stammende Farber. Er war einer der Vorkämpfer für die jüngste Reform. Sie sei „nicht perfekt“, aber mache das Judentum zugänglicher, meint Farber, der vor zwölf Jahren die Organisation Itim gründete. Ihr Motto lautet: „Das Recht, jüdisch zu leben.“ Doch das ist in Israel oft nicht einfach. Itim steht Juden bei, die im Dickicht der israelischen Religionsbürokratie Hilfe brauchen.

Männer müssen sich noch beschneiden lassen

Für Konversionskandidaten ist oft schon der Stoff, den sie bewältigen müssen, Herausforderung genug. Sie müssen die 613 Gebote und die zahllosen anderen religiösen Rituale kennen. 400 Unterrichtsstunden sieht der Kurs vor, dessen Besuch die orthodoxen Rabbiner zur Voraussetzung für einen Übertritt machen. Das dauert mindestens zehn Monate, weil die meisten nebenher ihren Beruf ausüben. Wenn die Rabbiner von dem Kandidaten nicht überzeugt sind, kann sich das Verfahren auch über Jahre hinziehen. Denn es geht nicht nur um Kenntnisse von Tora und Talmud, sondern genauso um einen religiösen Lebensstil: wie man zu Hause Milchiges von Fleisch trennt, was man am Schabbat alles nicht tun darf und wie man sich richtig kleidet. So sollen Frauen Schultern und Knie bedecken und am besten langärmlige Blusen und Röcke tragen. Männer sollen eine Kippa auf dem Kopf tragen und an ihrem Hemd vier Fransen, die Zizit. Oft wird den Konvertiten eine jüdische Familie zur Seite gestellt, in der sie den Alltag kennenlernen sollen. Vor der letzten Prüfung erkundigen sich dann die Rabbiner oft noch in der Synagogengemeinde und bei Gewährsleuten nach ihrem Verhalten.

Das Judentum mache es einem nicht leicht, gibt Judith Wainstain-Gros zu, die sich in der Itim-Organisation um Konversionen kümmert. „Der Übertritt bedeutet, ein aktives religiöses Leben zu führen. Man muss sich an die Traditionen halten und gehört gleichzeitig einem Volk an“, sagt Judith Wainstain-Gros. Das lerne man nicht in ein paar Monaten. Haben die Kandidaten die Prüfung vor dem Rabbinatsgericht bestanden, folgt für Männer wie Frauen ein Besuch in der Mikwe, dem jüdischen Tauchbad. Männer müssen sich zur Besiegelung des neuen Bundes noch beschneiden lassen. Für Erwachsene ist das eine schmerzhafte und langwierige Angelegenheit.

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