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Konversionskurse in Israel : Alles eine Frage des religiösen Status

Dank der Reform konnte sich Noam Cohen ein Rabbinatsgericht aussuchen, das bei den religiösen Anforderungen keine Abstriche machte, aber mehr Verständnis für ihre Lebenssituation zeigte. „Sie sahen mich als Ganzes, nicht nur, dass ich im Kibbuz lebte und meine Mutter keine Jüdin war“, sagt sie. Bisher gibt es nur wenige vom Oberrabbinat eingesetzte Gerichte, die sehr streng über die Übertritte wachen. Künftig können auch die städtischen Rabbiner solche Ausschüsse einsetzen, denen jeweils drei Rabbiner angehören sollen. Wer zum Judentum übertreten will, kann wählen, wohin er gehen will. Befürworter hoffen, dass die Religion durch die Neuregelung zugänglicher wird.

„Ich kam mir manchmal wie bespitzelt vor“

Aber das orthodoxe Monopol des Oberrabbinats ist damit nicht gebrochen. Der Staat erkennt weiterhin nur Übertritte an, wenn eine Konversionsurkunde des Oberrabbinats vorliegt. Kaum fasste die Regierung ihren Reformbeschluss, drohten die beiden Oberrabbiner damit, die neuen Konversionen nicht anzuerkennen. Der aschkenasische Oberrabbiner David Lau warf den Politikern vor, sich in religiöse Fragen einzumischen und die Autorität der Rabbiner zu untergraben. Die Regierung schreibe schließlich den Ärzten auch nicht vor, welches Medikament sie ihren Patienten zu verordnen haben, sagte Lau.

Was die Oberrabbiner bisher verlangten, ging jedoch vielen Konversionskandidaten zu weit. Auch die schottische Mutter von Noam Cohen erwog den Übertritt. „Am Ende ertrug sie nicht, dass man so sehr in ihr Leben eindrang, und entschied sich dagegen“, sagt ihre Tochter, die selbst nicht will, dass es ihren eigenen Kindern eines Tages ergeht wie ihr selbst und sie in Israel nicht als Juden anerkannt werden. Sie lehnt es auch ab, im Ausland zu heiraten, wie es ihre Eltern taten. Diese Zivilehen erkennen die israelischen Behörden zwar an. Nach religiösem Recht können in Israel aber nur diejenigen eine Ehe schließen, die die orthodoxen Rabbiner als Juden akzeptiert haben. Sie müssen eine jüdische Mutter haben oder vor einem orthodoxen Rabbinatsgericht konvertiert sein.

Und dieser Übertritt kann lange dauern, wie eine Lehrerin berichtet. Sie musste fast drei Jahre warten, bis die Rabbiner sie zur Prüfung zuließen. „Zuvor wird man regelrecht gescannt, ob man den Schabbat einhält, koscher kocht. Ich kam mir manchmal wie bespitzelt vor“, erinnert sie sich.

Einige Neubürger wanderten wieder aus

Der religiöse Status hat in Israel Folgen bis zum Tod. Nur wer als jüdisch anerkannt ist, kann auf den regulären jüdischen Friedhöfen begraben werden. Alle anderen Israelis finden ihre letzte Ruhe auf gesonderten Gräberfeldern. Diese demütigende Erfahrung mussten die Angehörigen von Soldaten machen, deren Familien aus der früheren Sowjetunion nach Israel eingewandert waren. Für den Staat waren sie jüdisch genug, um israelische Staatsbürger und Soldaten zu werden. Nach dem „Rückkehrgesetz“ genügt der Nachweis, dass ein Elternteil oder auch nur Großmutter oder Großvater jüdisch ist. Auch ihre Ehepartner und Kinder durften sich in Israel niederlassen.

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