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Islamisten auf dem Vormarsch : Terrorstaat Irak

Im Irak stehen mehr Dschihadisten unter Waffen, als je in Afghanistan gekämpft haben. Unter ihnen sind mehrere tausend Terroristen aus Europa - die eines Tages dorthin zurückkehren. Eine Analyse.

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          Wer geglaubt haben sollte, der Krieg in Syrien sei nur von lokaler Bedeutung, den belehrt die Erstürmung von Mossul und weiterer Städte im Norden des Iraks durch Terroristen des „Islamischen Staats“ eines Besseren. Was Bin Laden mit Al Qaida nicht erreicht hat, gelingt dem Iraker Abu Bakr al Baghdadi: einen Terrorstaat zu schaffen, der auch unsere Sicherheit gefährdet. Dort stehen bereits mehr Dschihadisten unter Waffen, als je in Afghanistan gekämpft haben. Neu ist, dass unter ihnen mehrere tausend Terroristen aus Europa sind, die eines Tages dorthin zurückkehren.

          Neu ist auch, dass der „Islamische Staat“ die Grenzen zwischen Staaten aufhebt. Dass er seine Expansion auch durch Schutzgelderpressung in Mossul finanziert, war bekannt. Nichts hat die Regierung des Ministerpräsidenten Maliki dagegen unternommen, und die irakische Armee hat es nicht vermocht, die Dschihadisten aus Falludscha zu vertreiben, das sie zu Jahresbeginn erobert hatten. Soldaten sind sogar zu den Dschihadisten übergelaufen: von stabilen Institutionen im Irak keine Spur.

          Mossuls strategische Lage eröffnet den „Gotteskriegern“ erschreckende Möglichkeiten. Der Emir des „Islamischen Staats“ kann nun mit seinen Krieger, die den Tod nicht fürchten, von Falludscha im Westen und Mossul im Norden zum Sturm auf Bagdad ansetzen; schließlich beruft er sich mit seinem Kampfnamen „al Baghdadi“ auf die irakische Hauptstadt. Mit dem eroberten Mossul konsolidiert er sein Herrschaftsgebiet im Norden Syriens und Norden des Iraks; von Mossul aus kann er das Wasser des Tigris kontrollieren und die Ölleitungen, die in die Türkei führen.

          Solange der „Islamische Staat“ nicht auf Gegenwehr stößt, wird er sein mörderisches Treiben fortsetzen. Die irakische Armee kann die Dschihadisten nicht zurückschlagen, auch nicht die syrische Armee. Iran würde indes nicht zögern, die Regierung in Bagdad ebenso zu schützen, wie sie in Damaskus ihrem Verbündeten zur Seite steht. Im Irak könnten, wie zuvor in Syrien, vor allem kurdische Truppen sich den Dschihadisten entgegenstellen.

          Der Westen aber muss sich fragen, weshalb er so lange zugesehen hat, als Verbündete Waffen (und Geld) nach Syrien lieferten, die dann in die Hände von Extremisten gelangten. Er muss endlich erkennen, was in Syrien auf dem Spiel steht, und seine Politik ändern.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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