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Wüstenstadt Timbuktu : Angeklagter Islamist gesteht Zerstörung von Kulturgut

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Der angeklagte Islamist Ahmad al-Faqi al-Mahdi vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag Bild: Reuters

Der Internationale Strafgerichtshof hat am Montag das erste Verfahren wegen der Zerstörung von Kulturerbe eröffnet. Auf der Anklagebank sitzt ein Islamist, der mit seinem Verhalten viele überrascht hat.

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          Mit Spitzhacken, Stahlstangen und Vorschlaghämmern zogen sie durch Timbuktu. Sie begannen, auf die Grabstätten einzuhacken und die Mauern niederzuschlagen. Am Ende blieben nicht viel mehr als Steinhaufen übrig. In weniger als zwei Wochen waren zehn der bedeutendsten Gebäude der Wüstenstadt im Zentrum von Mali zerstört.

          Seit Montag steht der mutmaßliche Täter in Den Haag vor Gericht: Ahmad al-Faqi al-Mahdi, ein schlanker Araber mit dicken, schwarzen Locken, muss sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen der Zerstörung von Kulturgut verantworten - ein Kriegsverbrechen. Er ist der erste Islamist in Den Haag, der erste Angeklagte aus Mali - und der erste, der sich vor dem Gericht schuldig bekennt.

          Anfang 2012 kämpften sich bewaffnete Rebellen durch die Wüste im Norden des Landes und übernahmen die Kontrolle über die Stadt Timbuktu. Im 15. und 16. Jahrhundert war die Oase ein intellektuelles Zentrum, von dem aus sich der Islam in Afrika verbreitete. Als die Islamisten der Milizen Ansar Dine und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM) in Timbuktu an die Macht kamen, entschieden sie, die Stätten dieser alten islamischen Glaubensrichtung zu vernichten.

          Bei fünf Gebäuden eigenhändig geholfen

          Al-Mahdi, ein Lehrer und Intellektueller aus der Region, stieß in dieser Zeit zu Ansar Dine. Er wurde zum Chef der örtlichen Moralpolizei ernannt und beriet die neuen Machthaber bei religiösen Fragen. Schließlich soll er laut den Anklägern in Den Haag auch einen Plan zur Zerstörung von Mausoleen und Moscheen mitentwickelt haben. Al-Mahdi organisierte Werkzeuge und schrieb eine Predigt, die beim Freitagsgebet vor den Angriffen verlesen wurde.

          Neun Mausoleen und das Tor zur großen Sidi Yahia-Moschee haben al-Mahdi und die „Beamten“ seiner Moralpolizei angegriffen. Neun Stätten davon gehörten zum Weltkulturerbe der Unesco. Jedes Mal war al-Mahdi dabei, heißt es in der Anklageschrift des Strafgerichtshofs. Bei fünf Gebäuden hat er eigenhändig geholfen.

          Den Menschen psychischen und seelischen Schaden zugefügt

          All das treffe zu, räumte der Angeklagte ein. Gleich zum Prozess-Auftakt am Montag in Den Haag plädierte al-Mahdi auf schuldig und las eine Erklärung vor. Er bedaure, was er der Bevölkerung Timbuktus, dem malischen Volk und der Weltgemeinschaft allgemein angetan habe, sagte er. „Dies war das erste und letzte Verbrechen, das ich begangen habe.“ Man solle ihn als verlorenen Sohn betrachten, der vom Weg abgekommen sei, sagte al-Mahdi.

          Die Ankläger in Den Haag sehen in seinen Taten ein schweres Verbrechen. Chefanklägerin Fatou Bensouda betonte: „Sie sind ein scharfer Angriff auf die Identität einer Gemeinschaft und deren Zukunft.“ Al-Mahdi habe mit seinen Taten das Erbe Afrikas und der ganzen Welt verletzt. Die Gebäude hätten einen wichtigen Teil der Identität Timbuktus definiert, heißt es in der Anklageschrift. Die Bewohner hielten sie instand, für Generationen von Gläubigen waren es heilige Orte. Bei den Angriffen kam niemand zu Schaden, doch die Islamisten hätten damit den Menschen psychischen und seelischen Schaden zugefügt, argumentieren die Ankläger.

          Zerstörung von Kulturgütern als Propaganda-Mittel missbraucht

          „Die Zerstörung einer Moschee oder einer Kirche ist etwas anderes als die Zerstörung eines Wohnhauses“, sagt Colin Kaiser, ein früherer Mitarbeiter der Unesco, der während der Jugoslawien-Kriege in den 1990er Jahren selbst Zeuge wurde, wie Kulturerbe zerstört wurde. Ein Gotteshaus, das schon Generationen bestehe, schaffe Identität, symbolisiere Stabilität und könne Hoffnung stiften, erklärt er. Zudem würde ein Teil des Erbes der Menschheit zerstört.

          Der Prozess in Den Haag hat Symbolik. Im Irak, in Syrien und in Libyen zerstört der „Islamische Staat“ bedeutende Kulturgüter. „Gerade in der heutigen Zeit, in der Bilder innerhalb von wenigen Minuten online gestellt werden und so in der ganzen Welt verbreitet werden können, wird die Zerstörung von Kulturgütern vermehrt als Propaganda-Mittel missbraucht“, sagt die Juristin Caroline Ehlert, eine Expertin für die Strafverfolgung der Zerstörung von Kulturgut. Sie hofft, dass der Fall al-Mahdi dieses Kriegsverbrechen stärker ins Licht der Öffentlichkeit rückt.

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