https://www.faz.net/-gq5-80mmw

Kampf gegen IS : Schützenhilfe aus Teheran

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Bei der Offensive zur Rückeroberung der vom IS besetzten Stadt Tikrit setzt die irakische Regierung massiv auf die Unterstützung Irans. Washington ist darüber nicht unglücklich.

          4 Min.

          Der wichtigste Mann bei den Kämpfen zur Rückeroberung Tikrits hat keinen irakischen, sondern einen iranischen Pass: Generalmajor Qassem Suleimani ist Kommandeur der Quds-Einheit, einer Division der mächtigen Revolutionsgarden, die Spezialeinsätze außerhalb Irans durchführt. Nach Jahren im Hintergrund tritt der einst als „Schattenkommandeur“ bezeichnete Militärführer seit vergangenem Sommer vermehrt öffentlich auf. Auch in den vergangenen Tagen war er bei der Offensive auf die Geburtsstadt des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ kontrolliert wird, direkt an der Front präsent.

          Damit hat die Regierung in Bagdad das Schicksal der Bewohner Tikrits zumindest indirekt in die Hände Teherans gegeben - und seine militärischen Kräfte der von Iran geführten „Achse des Widerstands“ untergeordnet. Dieser gehört neben Syriens Präsident Baschar al Assad auch die libanesische Hizbullah an. Dass die irakische Führung bereits zwei Tage nach dem Fall Mossuls und Tikrits an den „Islamischen Staat“ im Juni vergangenen Jahres mit iranischen Waffen und Munition ausgestattet wurde, hat der irakische Ministerpräsident Haider al Abadi wiederholt bestätigt - Wochen bevor Amerikas Präsident Barack Obama mit der Entsendung einiger Dutzend Militärberater auf die Krise reagierte. Die von amerikanischen Offizieren ausgebildete irakische Armee ist seit der Eroberung Tikrits durch Einheiten der sunnitischen Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) mehrmals daran gescheitert, die Hauptstadt der Provinz Salaheddin zurückzuerobern.

          Inzwischen mehrere hundert iranische Militärberater im Irak

          Sollte es den irakischen Kräften in den kommenden Wochen gelingen, die 220 Kilometer südlich von Mossul gelegene Stadt wieder unter Regierungskontrolle zu stellen, wäre das nicht zuletzt Suleimanis Verdienst. Der iranische Militärführer ist seit mehr als einem Jahr verstärkt im Irak im Einsatz. Dort koordiniert er die Zusammenarbeit schiitischer Milizen mit Offizieren der Revolutionsgarden, um die IS-Einheiten zurückzudrängen. Zuvor hatte der Chef der Quds-Einheit bereits dem syrischen Regime beim Aufbau paramilitärischer Einheiten gegen die bewaffnete Opposition geholfen.

          Unmittelbar nach dem Fall Mossuls war Suleimani im Irak aktiv geworden, um die Verteidigung gegen die in der Provinz Diyala bis auf wenige Kilometer an die iranische Grenze vorgerückten sunnitischen Dschihadisten zu koordinieren. Schneller als 2006, als mit dem Anschlag auf den Askari-Schrein in Samarra der sunnitisch-schiitische Bürgerkrieg begann, vereinte Suleimani innerhalb einer Woche die seit Jahren von Teheran finanzierten und ausgebildeten schiitischen Kräfte - und erhöhte die Zahl der iranischen Militärberater im Land auf mehrere hundert.

          Diesem raschen Eingreifen verdankt die Regierung in Bagdad wohl, dass die Vorstöße des IS auf die Städte Samarra und Arbil im Juni und August 2014 abgewehrt werden konnten. Auch bei der Rückeroberung der nur zwanzig Kilometer nördlich von Tikrit gelegenen Raffineriestadt Baidschi im vergangenen Monat spielten von Iran ausgebildete Milizen eine zentrale Rolle. An der Tikrit-Offensive sind auch das Volksmobilisierungskomitee (Hashid Shaabi) und die Badr-Brigaden beteiligt, deren Kommandeure auf Suleimanis Befehle hören. Die schnelle Mobilisierung gegen den IS ist auch darauf zurückzuführen, dass Tausende schiitische Kämpfer seit 2012 in Syrien zum Schutz schiitischer Heiligtümer abgestellt waren.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.