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Kämpfe um Kobane : „Islamischer Staat“ soll Giftgas eingesetzt haben

  • -Aktualisiert am

Seit Wochen kämpfen IS und kurdische Kämpfer um die Grenzstadt Kobane Bild: Bulent Kilic/AFP

Die Kovorsitzende der Partei der Demokratischen Union (PYD) erhebt schwere Vorwürfe gegen die sunnitische Terrormiliz IS: „Eine chemische Waffe“ hätten deren Kämpfer am Dienstag nach Kobane abgefeuert.

          Berichten der in Kobane herrschenden Partei der Demokratischen Union (PYD) zufolge soll der „Islamische Staat“ Giftgas gegen die Stadt eingesetzt haben. Das habe die PYD-Kovorsitzende, Asya Abdullah, der BBC mitgeteilt, berichtet deren Korrespondent in Kobane, Guney Yildiz auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Auch die Organisation „Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit“ in Frankfurt berichtet nach einem Telefonat mit Abdullah am Dienstagabend von den Vorwürfen.

          „Sie haben eine chemische Waffe in die Stadt abgefeuert“, sagte Abdullah dem Kurdischen Zentrum zufolge. „Durch das Gas, das aus dieser Waffe entweicht, können die Menschen im Umfeld des Einschlags nicht mehr sehen, nicht mehr atmen und werden ohnmächtig“, so die kurdische Politikerin.

          Bereits im Juli soll der „Islamische Staat“ Giftgas gegen die syrische Grenzstadt zur Türkei eingesetzt haben, hatte vergangene Woche ein israelischer Think Tank berichtet. Der Gesundheitsminister Kobanes, Nisan Ahmed, habe seinerzeit eine Untersuchung angeführt, die den Tod mehrerer Verwundeter eines Angriffs am 12. Juli auf die Verwendung chemischer Waffen zurückführte. Israelischen Fachleuten zufolge, die Bilder der Opfer analysierten, sei die Verwendung von Senfgas wahrscheinlich.

          Dem Bericht nach könnte der Kampfstoff nach der Eroberung des irakischen Militärstützpunkts Muthannas in die Hände der Dschihadisten gelangt sein. Von unabhängiger Seite konnte weder ein möglicher Giftgaseinsatz in Kobane im Juli noch am Dienstag bestätigt werden.

          IS durch Luftangriffe geschwächt

          Immer wieder während des Syrien-Krieges haben Oppositionskräfte – vergeblich – versucht, mit Verweis auf Giftgasangriffe des Regimes eine ausländische Intervention zu erzwingen. Der amerikanische Präsident Barack Obama hatte das im August 2012 als „rote Linie“ für ein amerikanisches Eingreifen bezeichnet, die Gegner Baschar al Assads im August 2013 jedoch im Stich gelassen, nachdem Oppositionsviertel vor Damaskus mit Chemiewaffen angegriffen worden waren.

          Auch in Kobane dringen die syrisch-kurdischen Verteidiger der Stadt auf stärkere Unterstützung der von Amerika geführten Antiterrorallianz. Dem bewaffneten Arm der PYD, den Volksverteidigungseinheiten (YPG), war es am Wochenende erstmals gelungen, den Vormarsch des „Islamischen Staats“ zu bremsen. Die Dschihadisten hatten Mitte September mit der Belagerung der syrischen Grenzstadt begonnen und sie von drei Seiten eingeschlossen.

          Dank der Luftschläge der Vereinigten Staaten und Saudi-Arabiens konnten die IS-Einheiten in den vergangenen Tagen geschwächt werden. Das amerikanische Zentralkommando in Florida bezifferte die Anzahl der Opfer unter Kämpfern des „Islamischen Staats“ am Montag auf „Hunderte“. Zudem warf die amerikanische Luftwaffe in der Nacht auf Montag erstmals Waffen und Munition für die YPG-Einheiten im Zentrum Kobanes ab, das diese zur Verteidigung nutzen können.

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