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Islamischer Staat : Entführte Christen wieder frei

  • Aktualisiert am

Ins Stocken geraten: Offensive gegen den IS nahe Tikrit Bild: Reuters

Der „Islamische Staat“ hat mehr als 50 christliche Familien freigelassen. Zwanzig Iraker hingegen, die sich der Offensive gegen den IS anschließen wollten, wurden ermordet.

          Die meisten der vor zwei Wochen von der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ im Norden Syriens entführten Christen sind wieder frei. Das hat der vatikanische Botschafter in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari, dem vatikanischen Pressedienst Asianews bestätigt. Nach Zenaris Angaben ließen die Terroristen am vergangenen Donnerstag und Freitag insgesamt 52 Familien frei. Damit befänden sich nun noch 16 verschleppte Bewohner der christlichen Dörfer in der Region Al Hasake in den Händen der IS-Kämpfer, je zur Hälfte seien es Christen und Kurden.

          Die christlichen Dörfer am Fluss Khabur nahe der türkischen Grenze waren am 23. Februar von IS-Kämpfern überfallen worden. Über die genaue Zahl der Entführten gab es keine gesicherten Angaben. Nach unterschiedlichen Berichten sollen es zwischen 262 und 373 sein, unter ihnen viele alte Leute, Frauen und Kinder. Neun Christen starben bei Verteidigungskämpfen. Nach Angaben von Asianews lebten dort vor dem Angriff 30.000 assyrische Christen. Mehr als 5000 seien in den vergangen zwei Wochen geflohen. Der vatikanische Botschafter hob hervor, das diesmal kein Lösegeld für die Freilassung der Christen bezahlt worden sei. Vor einigen Tagen war nach Angaben von Asianews für die Freilassung einer ersten Gruppe von 19 entführten Christen ein Lösegeld von umgerechnet rund 1.500 Euro pro Person gezahlt worden.

          Zwanzig Iraker gehängt

          Zwanzig Iraker hingegen, die sich dem Kampf gegen die Extremisten-Miliz hatten anschließen wollen, wurden dagegen vom IS ermordet. Die Männer seien in der Stadt Hawidscha in der irakischen Provinz Kirkuk gehängt worden, verlautete am Montag von örtlichen Behördenvertretern und aus dem Polizeigeheimdienst. Die Opfer hatten demnach paramilitärischen Einheiten beitreten wollen, die derzeit zur Vertreibung der IS-Dschihadisten aufgebaut werden. In sozialen Netzwerken im Internet tauchten Bilder von mehr als einem Dutzend Leichnamen auf. Die Männer wurden an den Füßen an Masten aufgehängt. Über ihnen prangt die schwarze IS-Flagge. In Beschriftungen der Fotos wird darauf angespielt, dass es sich bei den Toten um Schiiten handele.

          Der IS hatte im vergangenen Juni weite Teile des sunnitischen Kernlandes im Irak überrannt, auch in der nördlichen Provinz Kirkuk. Die irakischen Streitkräfte konnten mit Luftwaffenunterstützung einer amerikanisch geführten Allianz und Hilfe vor allem schiitischer Milizen mittlerweile einige Städte zurückerobern. Vor einer Woche begann das irakische Heer seine bislang größte Offensive gegen Tikrit, die aber inzwischen ins Stocken geraten ist.

          Ausländische Arbeiter in Libyen entführt

          In Libyen wurde derweil bei einem Angriff auf ein Ölfeld eine Gruppe von Ausländern von IS-Kämpfern gefangen genommen. „Es liegen nun gesicherte Informationen vor, dass sie vom IS abtransportiert worden sind“, sagte ein Sprecher des österreichischen Außenministeriums am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Unter den insgesamt neun vermissten Ölarbeitern befindet sich nach Angaben des Außenministeriums in Wien auch ein Österreicher. Die anderen Vermissten kämen aus der Tschechischen Republik, den Philippinen, Bangladesch und dem Sudan. Die Ausländer, die auf dem Ölfeld al Ghani im Landesinneren gearbeitet hatten, seien in der vergangenen Woche entführt worden. Zum Zeitpunkt des Abtransportes seien sie unverletzt gewesen, sagte der Sprecher. Über den derzeitigen Aufenthalt der Gruppe gebe es keine Informationen.

          In Libyen tobt fast vier Jahre nach dem Sturz des Diktators Muammar al Gaddafi ein Machtkampf zwischen zwei rivalisierenden Regierungen und deren Milizen. In dem Chaos fassen radikal-muslimische Gruppen wie der Islamische Staat immer stärker Fuß. Wegen des Bürgerkriegs ist auch die Förderung von Erdöl und Erdgas in dem für seinen Ölreichtum bekannten nordafrikanischen Land immer wieder unterbrochen.

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