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„Islamischer Staat“ : Die mächtigste Miliz der Welt

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Die Kombination aus Guerrilla-Taktiken und klassischer Kriegsführung sind der Grund für die militärische Stärke der Gruppe. Bild: REUTERS

Die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ beherrschen und terrorisieren ein Gebiet so groß wie Großbritannien. Ihre finanziellen Mittel sind schier unerschöpflich. Erfahrene Offiziere und Al-Qaida-Kämpfer geben der Gruppe ihre militärische Stärke.

          Ende Juli mussten Einheiten des „Islamischen Staats“ nach langen, harten Gefechten mit Kämpfern der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) den Rückzug aus Kobane antreten. Die Stadt an der Grenze zur Türkei ist eine der drei Überlebensadern der Kurdenmiliz im Norden Syriens. Hätten die Dschihadisten die Stadt überrannt, wäre deren riesiges Territorium weiter gewachsen – und dem „Islamischen Staat“ eine Offensive auf die südlich von Kobane gelegene Provinzhauptstadt Aleppo ein Leichtes gewesen.

          Stattdessen zogen sich die Dschihadisten zurück, formierten sich neu und schlugen wenig später mehr als 300 Kilometer weiter östlich zu, auf der anderen Seite der Grenze: Der Angriff auf die irakische Yeziden-Hochburg Sindschar Anfang August machte die mörderische Miliz mit einem Schlag weltberühmt. Dabei dauert das Schreckensregime der von Abu Bakr al Bagdadi geführten Gruppe in Syrien bereits seit anderthalb Jahren an. Im März 2013 eroberten Einheiten des irakischen Terrorführers die Provinzhauptstadt Raqqa. Seitdem gilt in der von Flüchtlingen übervölkerten Millionenmetropole am Euphrat die Scharia: Körperstrafen, willkürliche Hinrichtungen und brutale Verfolgung Andersdenkender und -gläubiger kennzeichnen hier die Herrschaft der sunnitischen Gotteskrieger. Nach dem Vorbild Raqqas setzt der unter dem Führer Al Qaidas im Irak, Abu Musab al Zarqawi, aufgestiegene Bagdadi sein Unterwerfungsmodell seit Anfang 2014 auch im Irak durch.

          „Islamischer Staat in Irak und (Groß-)Syrien“ (Isis) nannte sich die Sunnitenmiliz seinerzeit noch. Die örtliche Eingrenzung ließ Bagdadi schließlich in diesem Sommer fallen, nachdem er die irakische Provinzhauptstadt Mossul eingenommen hatte. Ein ideologisch inkohärentes, militärisch aber umso schlagfertigeres Bündnis mit entmachteten, eher säkular orientierten Offizieren der früheren Armee Saddam Husseins bereitete den Boden für den Siegeszug des „Islamischen Staats“ im Nordwesten des Landes: Kampflos ergaben sich Hunderte Soldaten, viele warfen Waffen und Uniformen in den Staub, um der Rache von Bagdadis Männern zu entgehen. Berichte von Zwangskonvertierungen, der Enteignung kirchlichen Eigentums, von Kreuzigungen, Exekutionen, Enthauptungen und Massenvertreibungen begleiten die Terroristen.

          Mossul und Raqqa sind die Zentren des transnationalen Terrorstaats, den Bagdadi im Juli zum „Kalifat“ erklärte. Über tausend Kilometer verläuft die Grenze entlang der irakisch-kurdischen Autonomiegebiete, dem wichtigsten Bollwerk gegen eine weitere Expansion. Vom Nordwesten des Landes südostwärts teilt eine Diagonale das Herrschaftsgebiet des „Islamischen Staats“ vom Restirak. Mehr als acht Millionen Menschen leben dies- und jenseits der irakisch-syrischen Grenze unter der Knute der Terroristen, auf einer Fläche so groß wie Großbritannien.

          Frühere Gefolgsleute von Hussein tragen zum Erfolg bei

          Entscheidenden Anteil an den militärischen Erfolgen der Gruppe im Irak sollen frühere Gefolgsleute Saddam Husseins haben, berichtet die Zeitung „New York Times“ unter Berufung auf Regierungsstellen in der Provinz Anbar. Dort nahm der „Islamische Staat“ bereits im Januar Falludscha ein, große Teile der Provinzhauptstadt Ramadi stehen ebenfalls unter seiner Kontrolle. Auf nahezu 100.000 Kämpfer sei die Gruppe in den vergangenen Monaten angewachsen, schreiben arabische Zeitungen: Allein 20.000 Ausländer, darunter Amerikaner, Briten, Deutsche und Franzosen, aber auch Ägypter, Tunesier, Marokkaner, Tschetschenen, Afghanen und Pakistanis hätten sich Bagdadis Terrormiliz angeschlossen. Westliche Fachleute gehen indessen von erheblich niedrigeren Zahlen aus. Hinzu kämen rund 30.000 Iraker und 25.000 Syrer.

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