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„Islamischer Dschihad“ : Israel greift syrische Stellungen auf dem Golan an

Rauch über den Golanhöhen Bild: AFP

Vier Raketen wurden am Donnerstag von der syrischen Seite der Golanhöhen auf Israel abgefeuert - mutmaßlich von islamistischen Terroristen. Die israelische Armee reagierte so heftig wie selten zuvor.

          Die israelische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und war so heftig wie selten zuvor. Die vier Raketen, die am Donnerstag von der syrischen Seite der Golanhöhen abgefeuert worden waren, hatten in Israel keine größeren Schäden angerichtet. Doch die israelische Armee bombardierte daraufhin in der Nacht zum Freitag 14 syrische Militärstellungen, ehe die Luftwaffe am Morgen fünfzehn Kilometer hinter der israelisch-syrischen Waffenstillstandslinie ein Auto angriff und mehrere Männer tötete. Israel werde jedem einen schmerzhaften Schlag versetzen, der es wage, das Land anzugreifen, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zum ersten Mal seit dem Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 waren zwei Raketen direkt auf israelischem Staatsgebiet eingeschlagen - in Galiläa und nicht wie bisher unweit des Grenzzauns oder auf den von Israel annektierten Golanhöhen. Ein Armeesprecher bezeichnete die prompte Vergeltungsaktion als „deutliche Botschaft“ an die Angreifer, die für die israelische Regierung schon feststanden, kurz nachdem die Raketen auf der israelischen Seite der Golanhöhen und im Norden Galiläas eingeschlagen waren: Iran hat demnach die Zelle der Terrororganisation „Islamischer Dschihad“ finanziert und mit Waffen ausgestattet, die für den Beschuss verantwortlich gemacht wird. Ihre Mitglieder hätten die Geschosse von einem Gebiet unter Kontrolle der Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al Assad abgefeuert. Deshalb wurden zunächst Stellungen des Regimes in Damaskus angegriffen, das mit Iran sowie Terrorgruppen wie dem „Islamischen Dschihad“ und der libanesischen Hizbullah zusammenarbeitet. Der israelische Angriff am Freitag galt Angaben der syrischen Exilopposition zufolge den eigentlichen Tätern, die in einem Fahrzeug der syrischen Armee unterwegs gewesen sein sollen.

          Presseberichten zufolge wurden dabei vier oder fünf Mitglieder der Terrorzelle getötet. Sie seien nur aktiv geworden, nachdem der Leiter der Palästina-Abteilung der iranischen Quds-Brigaden, Said Izadi, das gebilligt habe, hieß es seitens israelischer Militärs. Die Staaten, die nach der Unterzeichnung des Atomabkommens mit Iran nach Teheran eilten, sollten nicht vergessen, „dass ein iranischer Kommandeur die Terrorzelle anleitete und unterstützte, die Israel beschoss“, sagte Netanjahu am Freitag. Ein Sprecher des „Islamischen Dschihads“ in Gaza wies die Vorwürfe zurück, wonach die Gruppe Israel mit Raketen beschossen habe.

          Die syrische Grenze sei zu einer neuen Front im Konflikt zwischen Iran und Israel geworden, schrieb am Freitag die Zeitung „Jediot Ahronot“: Die Raketenangriffe hätten Israel zu einer Reaktion gezwungen, die letztlich dazu führen werde, dass das Land im „syrischen Sumpf versinken“ werde. Israelische Armee- und Regierungsvertreter bekräftigten jedoch, dass das Militär nur die Nordgrenze verteidige und sich nicht in den syrischen Bürgerkrieg hineinziehen lassen werde.

          Die jüngste Eskalation war die verlustreichste Konfrontation seit Jahresbeginn. Im Januar waren auf dem syrischen Teil der Golanhöhen in der Nähe von Quneitra bei einem Luftangriff sechs Libanesen und sechs Iraner getötet worden; unter ihnen waren ein General der iranischen Revolutionsgarden und zwei Hizbullah-Kommandeure. Bei einer Vergeltungsaktion der libanesischen Parteimiliz wurden später zwei israelische Soldaten getötet.

          Die israelische Armee rüstet sich seit Monaten für eine mögliche Konfrontation in diesem Gebiet. An der Grenze zum Libanon und zu Syrien wurden die Sicherheitsvorkehrungen deshalb einmal verstärkt. Gräben, Wälle und Straßensperren wurden errichtet, um Eindringlinge aufzuhalten. Die israelischen Orte in der Nähe der Grenze sollen im Ernstfall geräumt werden, wie es heißt. Man befürchtet, dass zum Beispiel Terroristen des „Islamischen Staats“ oder der Nusra-Front dorthin vordringen und Israelis als Geiseln nehmen könnten.

          In diesem Zusammenhang erregten Berichte Aufsehen, nach denen die Soldaten auch für den Fall trainierten, über die Golanhöhen nach Syrien vorzustoßen. Armeevertreter wiesen darauf hin, dass man sich schon längere Zeit für alle Fälle vorbereite. Besonders die mit Iran und Syrien verbündete Hizbullah haben sie dabei im Blick, da diese ihre Aktivitäten mittlerweile auch auf die syrische Seite der Golanhöhen ausgedehnt habe.

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