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IS-Terror in Bagdad : Zahl der Toten bei Anschlag steigt auf 213

  • Aktualisiert am

Der schlimmste Anschlag seit Jahren erschüttert Bagdad Bild: dpa

In der irakischen Hauptstadt Bagdad gehören Anschläge zum Alltag. Doch die jüngste IS-Terrorattacke war eine der schwersten seit Jahren. Noch immer finden Helfer in den Trümmern Leichen.

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          Die Zahl der Todesopfer bei dem verheerenden Anschlag in einem beliebten Einkaufsviertel Bagdads ist auf mindestens 213 gestiegen. Es war einer der schwersten Terrorakte im Irak seit dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer, wie es am Montag aus dem Gesundheitsministerium hieß. Das amerikanische Außenministerium sprach von einem „Massenmord“ an Unschuldigen und sagte der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen unnachgiebigen Kampf an.

          Bei dem Anschlag war am Sonntagmorgen kurz vor dem Ende des Fastenmonats Ramadan in dem Stadtteil Karada ein Autobombe explodiert. Unter den Opfern waren auch viele Frauen und Kinder. Die Detonation und ein anschließendes Feuer zerstörten mehrere Gebäude fast vollständig. Der IS bekannte sich in einer Erklärung zu dem Attentat und sprach von einem Selbstmordanschlag.

          Die Zahl der Todesopfer könnte noch weiter steigen, da auch am Montag viele Leichen noch nicht identifiziert waren. Rettungshelfer erklärten, noch immer würden Leichenteile unter den Trümmern gefunden. Vor den Krankenhäusern in Bagdad warteten zahlreiche Iraker, um Informationen über vermisste Angehörige zu bekommen.

          Der Anschlag folgte nur wenige Tage auf die Attacke radikaler Islamisten in Bangladesch mit 22 Todesopfern und dem Angriff auf den Flughafen in Istanbul, der ebenfalls dem IS zugeschrieben wird.

          Die sunnitischen Extremisten verüben im Irak regelmäßig Anschläge, mit denen sie vor allem Schiiten ins Visier nehmen. Der IS betrachtet diese als Abtrünnige und will die Spannungen im Irak zwischen den beiden großen Strömungen des Islams weiter verschärfen. Mit dem Anschlag reagierte der IS auch auf den Verlust seiner westirakischen Hochburg Falludscha, die von der Armee im Juni erobert worden war.

          Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi verkündete nach dem Anschlag eine dreitägige Staatstrauer. Er ordnete zudem neue Sicherheitsmaßnahmen an. So befahl er dem Innenministerium, Fahrzeuge an den Straßen in die irakische Hauptstadt schärfer zu kontrollieren.

          Verhinderte IS-Anschläge in Kuweit und Saudi-Arabien

          Das Außenministerium in Washington erklärte, die Vereinigten Staaten setzten weiter alles daran, „die Welt im Kampf gegen das Böse zu vereinen“, den Terroristen die Zufluchtsorte in Syrien und im Irak zu nehmen und ihre globalen Netzwerke zu zerstören. Eine von Amerika geführte internationale Koalition fliegt seit rund zwei Jahren in beiden Ländern Luftangriffe gegen die Extremisten.

          Im benachbarten Golfemirat Kuwait verhinderten Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben mehrere IS-Anschläge. Mehrere Verdächtige seien festgenommen worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Kuna. Ziele der geplanten Terrorangriffe seien eine schiitische Moschee und eine Einrichtung des Innenministeriums gewesen.

          In der saudischen Hafenstadt Dschidda sprengte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Parkplatz in der Nähe des amerikanischen Konsulats in die Luft. Dabei seien zwei Sicherheitskräfte leicht verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SPA. Es war zunächst unklar, ob der IS in Verbindung mit dem Attentäter stand. Die Miliz ist auch in dem islamisch-konservativen Königreich aktiv.

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