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Entsetzen über IS-Terror : Vereint im Wunsch nach Rache

Entschlossener Monarch: Der Konvoi des jordanischen Königs Abdallah bei dessen Ankunft am Mittwoch in der Hauptstadt Amman. Bild: Reuters

In Jordanien hat die Ermordung des Piloten Moaz Kasasbeh eine Welle der Empörung hervorgerufen. Das Land ist entschlossen, sich dem Terror des IS entgegenzustellen. Schon lange unterstützt eine Mehrheit das militärische Engagement ihres Landes gegen die Dschihadisten.

          Das zynische Schachern empörte die Jordanier mindestens so sehr wie der grausame Tod von Moaz Kasasbeh. Der Pilot war schon fast vier Wochen lang tot, als die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) der jordanischen Führung einen Austausch anbot. Um das Leben des 26 Jahre alten Soldaten zu retten, dessen Flugzeug am 24. Dezember über dem Nordwesten Syriens abgeschossen worden war, war Jordanien bereit die 46 Jahre alte irakische Terroristin Sadschida al Ridschawi freizulassen – obwohl sie vor knapp zehn Jahren an einer der schlimmsten Anschlagserien in der Geschichte des Landes beteiligt war. Im Morgengrauen wurde sie zusammen mit dem Al-Qaida-Führungsmitglied Ziad Karbuli in einem Gefängnis südlich von Amman gehenkt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der IS hatte am Dienstagabend einen 22 Minuten langen Videofilm verbreitet. Er zeigt offenbar, wie Kasasbeh, dessen orangefarbene Häftlingskleidung mit Brandbeschleuniger übergossen war, in einem Käfig bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Danach kannten viele Jordanier nur noch den Wunsch nach Vergeltung. Die Hinrichtung der beiden Terroristen reiche nicht aus, sagte Safi Kasasbeh, der Vater des Opfers. „Der ganze Islamische Staat muss ausgelöscht werden“, forderte er. Der Sprecher der jordanischen Armee gab eine nicht weniger martialische Erklärung ab. Das Blut des Märtyrers sei nicht umsonst geflossen, sagte er. „Unsere Rache wird das Ausmaß der Tragödie haben, die allen Jordaniern zugefügt wurde.“

          Noch am Dienstagabend kam es in Jordanien zu ersten Demonstrationen, in denen die Menschen ihrer Wut und Trauer Ausdruck verliehen. Überall waren Bilder mit dem Gesicht des jungen Piloten zu sehen. Am Mittwoch versammelten sich Tausende in den Moscheen des Landes, um während des Mittagsgebets für den Ermordeten zu beten. Zur selben Zeit flogen Kampfflugzeuge der Luftwaffe über die Hauptstadt Amman und die Heimatstadt Kasasbehs, wie die Zeitung „Jordan Times“ berichtete. In den Kirchen wurden Gottesdienste gehalten und die Glocken läuteten. Der abscheuliche Mord widerspreche den Lehren des Islam, teilte die islamistische Muslimbruderschaft und ihr politischer Arm, die Islamische Aktionsfront, mit. Die Regierung ordnete für drei Tage Staatstrauer an.

          Regierung lässt inhaftierte Islamisten hinrichten

          König Abdallah brach einen Aufenthalt in Washington ab und kehrte nach Amman zurück. Es sei jetzt die Pflicht der Bürger, Einigkeit zu zeigen, sagte er. Was geschehen sei, werde Jordanien „stärken“. In Amman wurde die Hinrichtung der beiden Terroristen als Versuch der Regierung gewertet, die Wut in der Bevölkerung in geregelte Bahnen zu lenken. Nach einem acht Jahre dauernden Moratorium waren in Jordanien erst im vergangenen Dezember wieder elf Todesurteile vollstreckt worden. Zuvor war über eine Rechtsreform diskutiert worden, die vorsah, die Todesstrafe vollständig abzuschaffen.

          Schon angesichts der Geiselnahme und der drohenden Ermordung von Moaz Kasasbeh hatten viele Jordanier gefordert, man solle Sadschida al Ridschawi hinrichten, sollte der Soldat nicht lebend nach Hause zurückkehren. Die Hoffnung darauf schwand von Tag zu Tag. Der IS hatte das von der Regierung geforderte Lebenszeichen des Piloten nie vorgelegt. Nach Erkenntnissen der Armee wurde er schon am 3. Januar ermordet. Das war gut eine Woche, nachdem er nahe der IS-Hochburg Raqqa in die Hände der Dschihadisten gefallen war. Als hätte er es geahnt, sagte Kasasbeh in einem vom IS Ende Dezember verbreiteten „Interview“ auf die Frage, ob er wisse, was man mit ihm machen werde: „Ja, sie werden mich töten.“ In der vergangenen Woche war Kasasbeh nur noch auf einem Foto zu sehen, das die japanische Geisel Kenji Goto zeigte, als er in einer Videobotschaft eine weitere Frist der Entführer übermittelte. Goto, der auch im Austausch mit der irakischen Terroristin freikommen sollte, wurde am Wochenende enthauptet.

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