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Entsetzen über IS-Terror : Vereint im Wunsch nach Rache

Die Extremistin Sadschida al Ridschawi, die der IS freipressen wollte, war schon 2006 zum Tode verurteilt worden. Die Frau aus der irakischen Unruheprovinz Anbar gehörte zu einer Gruppe von Selbstmordattentätern, die im November 2005 in Amman bei einer Serie von Anschlägen in mehreren Hotels 57 Menschen getötet hatten. Sie überlebte damals, weil ihr Sprengstoffgürtel nicht funktionierte. Auch der 2007 zum Tode verurteilte Ziad Karbuli stammte aus dem Irak. Er war ein Vertrauter des aus Jordanien stammenden Al-Qaida-Führers Abu Musab al Zarqawi. Ihm wurde vorgeworfen, die Anschlagsserie auf die Hotels in Amman geplant zu haben. Später soll er zudem gestanden haben, im Irak mehrere Menschen getötet zu haben, unter ihnen einen Jordanier.

Die jordanische Reaktion fiel auch deshalb so harsch und zügig aus, weil Moaz Kasasbeh einem einflussreichen Stamm aus der Gegend von Kerak angehörte. Sein Vater war Generalmajor in der Armee, in der die alten jordanischen Stämme traditionell eine wichtige Rolle spielen. Sie dominieren den Sicherheits- und Staatsapparat. Die Monarchie gründet auf der Loyalität der Stämme, deren Mitglieder schon vor der Staatsgründung östlich des Jordan lebten, bevor nach 1948 die palästinensischen Flüchtlinge kamen. Die Jordanier palästinensischer Herkunft stellen heute die Mehrheit in der Bevölkerung. Am Mittwoch bedurfte es jedoch nicht des Appells des Königs an die nationale Einheit. Das ganze Land war schockiert und empört zugleich.

Beim Gebet im jordanischen Karak: Saif al-Kasaesbeh (Mitte), der Vater des von der Terrormiliz IS getöteten Piloten, beim Gebet mit Angehörigen seines Familien-Clans

Am Kampf gegen IS beteiligt

In Abdallahs Aufruf klang jedoch auch die Sorge an, dass es in Jordanien Streit über die militärische Beteiligung an der internationalen Koalition gegen den IS geben könnte. Nach der Verschleppung des Piloten waren in Jordanien häufiger Stimmen zu hören, die fragten, was eigentlich die eigene Armee an der Seite Amerikas in den arabischen Nachbarländern Syrien und Irak verloren habe. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben nach Informationen der Zeitung „New York Times“ ihre Luftangriffe ausgesetzt. Die Luftwaffe will sich demnach erst wieder beteiligen, nachdem bessere Vorkehrungen getroffen wurden, abgeschossene oder abgestürzte Piloten aus vom IS kontrollierten Gebieten zu retten.

Vor der Geiselnahme Kasasbehs unterstützte eine Mehrheit der Jordanier das militärische Engagement ihres Landes gegen die Dschihadisten. In einer im November 2014 veröffentlichten Umfrage des Forschungs- und Beratungsinstituts „Arab Center for Research and Policy Studies“ in Doha sprachen sich 59 Prozent der befragten Jordanier dafür aus – ähnlich hoch war der Anteil auch in anderen arabischen Staaten. Nur Salafisten und die Muslimbrüder hatten im vergangenen Herbst den jordanischen Beitritt zu der internationalen Koalition offen kritisiert. Noch höher fiel die Ablehnung des IS durch die Jordanier aus: Nur neun Prozent bezeichneten die Aktivitäten der Terrororganisation als „positiv“, 83 Prozent als „negativ“. Diese Zahlen belegen allerdings auch, dass die radikalen Islamisten in Jordanien weiterhin Sympathisanten und Unterstützer haben. Offizielle Angaben gibt es darüber nicht. Aber die jordanische Presse meldet regelmäßig Festnahmen und Verurteilungen.

Vor allem im ärmeren Süden wehten immer wieder die schwarzen Flaggen des IS. Fachleute schätzen, dass sich gut 2000 Jordanier im syrischen Bürgerkrieg dem IS und dem syrischen Al-Qaida-Ableger, der Nusra-Front, angeschlossen haben. Viele von ihnen kommen aus der Stadt Zarqa im Norden, aus der auch Abu Musab al Zarqawi stammte, wie sein Name deutlich macht. Er wurde im Jahr 2006 von den Amerikanern getötet, war der Anführer von „Al Qaida im Irak“. Vergeblich hatte der jordanische Dschihadistenführer versucht, mit der Hilfe der beiden am Mittwoch hingerichteten Iraker den Terror in sein Heimatland zu tragen. Jordanien hat stets befürchtet, dass Schläferzellen des IS oder militante Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak einen neuen Anlauf unternehmen könnten. Das erste Opfer der Dschihadisten hat nun aber jenseits der eigenen Grenzen einen grausamen Tod erlitten.

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