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IS im Jemen : Wildern in Al Qaidas Revier

  • -Aktualisiert am

Spur der Verwüstung: In dieser Moschee in Sanaa hat ein Selbstmordattentäter des IS 88 Menschen in den Tod gerissen. Bild: dpa

Im vom Bürgerkrieg zerissenen Jemen bombte sich der IS-Ableger mit zwei verheerenden Selbstmordanschlägen ins Bewusstsein der Menschen. Auf die dortige Al-Qaida-Filiale wächst damit der Druck nachzuziehen - was ihr mit dem „Charlie Hebdo“-Massaker auf grausame Art gelang.

          Die Ankündigung der jemenitischen Terrorgruppe Ansar al Scharia, Abu Bakr al Bagdadi, „dem Kalifen der Gläubigen“, die Treue zu schwören, hatte kaum Beachtung gefunden. In der Erklärung vom Februar 2015 hatte es geheißen, man werde nicht auf die Befehle des „Scheichs, heiligen Kriegers und Gelehrten“ Ayman al Zawahiri hören, des Führers von Al Qaida also, sondern auf jene des IS-Führers – und zwar umgehend. Die Extremisten, die nur sehr lose Verbindungen zu Al Qaida hatten, teilten mit: „Wir geben die Schaffung bewaffneter Brigaden bekannt, die sich auf den Kampf gegen Abtrünnige in Sanaa und Dhamar spezialisieren.“

          Wenig später wurde aus der Drohung Wirklichkeit: Die verheerenden Selbstmordanschläge auf zwei schiitische Moscheen in Sanaa vom 20. März 2015, bei denen 142 Menschen getötet wurden, brachten die Präsenz des IS im Jemen mit einem Schlag ins Bewusstsein. Es war der erste Terroranschlag im Namen des IS im Jemen. Das Weiße Haus teilte nach den Anschlägen von Sanaa mit, es könne bislang keine Belege für eine IS-Täterschaft erkennen. In der Vergangenheit hätten unterschiedliche Gruppen das Label der Gruppe lediglich zu Propagandazwecken genutzt. Daher werde man genau prüfen, inwieweit der IS über Führungsstrukturen verfüge, die eine Koordinierung der Anschläge ermöglichten.

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          Diese Frage stellen Fachleute auch in Ägypten, wo im vergangenen November die Terrorgruppe Ansar Beit al Maqdis dem IS-Führer Bagdadi die Treue schwor und sich in Wilayat Sinai (Provinz Sinai des IS) umbenannte. Die Existenz der Organisation ist seit dem Juli 2012 bekannt. Nachdem die Terrorgruppe zunächst vor allem Sicherheitskräfte auf dem Sinai angegriffen hat, finden seit Februar auch Anschläge in Kairo und anderen Städten statt.

          Die jemenitische Al-Qaida-Filiale „Al Qaida auf der arabischen Halbinsel“ (Aqap), die 2009 durch den Zusammenschluss von Al Qaida im Jemen und in Saudi-Arabien entstand und als der gefährlichste Arm der Terrorgruppe gilt, hat sich in mehreren Provinzen des Jemens Rückzugsgebiete eingerichtet. Allerdings haben sich nicht alle jemenitischen Dschihadisten Al Qaida angeschlossen. Die Anschläge vom 20. März warfen daher die Frage auf, weshalb die Gefolgsleute Bagdadis im sicheren Rückzugsgebiet von Al Qaida wilderten. Noch ist nicht klar, ob der IS und Al Qaida im Jemen rivalisieren oder nebeneinander koexistieren. Möglicherweise deckt sich das Bekenntnis zu einer Terrorgruppe auch mit der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Stämmen. Es ist indes nicht auszuschließen, dass der Druck auf Aqap wächst, mit spektakulären Anschlägen auf sich aufmerksam zu machen und ihre Anhänger hinter sich zu scharen. Das ist der Organisation mit dem Massaker in der Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar gelungen, zu dem sich die Terrorgruppe bekannt hat.

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