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Kampf gegen IS : Großimam der Azhar-Moschee ruft zu Bildungsreformen auf

  • -Aktualisiert am

Ahmad al Tayib, der Großimam der ägyptischen Al-Azhar-Moschee, im Januar 2011 mit dem damaligen Oberhaupt der koptischen Kirche. Bild: dpa

Ahmad al Tayib, der Großimam der ägyptischen Al-Azhar-Moschee fordert Bildungsreformen in muslimischen Ländern. Der Vorsitzende der wichtigsten Instanz des sunnitischen Islams will damit dem Erstarken extremistischer Gruppen vorbeugen.

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          Der Großimam der ägyptischen Al-Azhar-Moschee, Ahmad al Tayib, hat sich am Wochenende für Bildungsreformen in muslimischen Ländern und für eine strengere Führung bei der Interpretation der Quellen des Islams ausgesprochen. Das Erstarken extremistischer Gruppen führe er auf „Fehlinterpretation“ des Korans und der Lehren des Propheten Mohamed zurück, sagte der Großimam der wichtigsten Instanz des sunnitischen Islams am Wochenende auf einer Anti-Terror-Konferenz im saudischen Mekka. Tayib sagte weiter: „Die einzige Hoffnung für die islamische Nation, ihre Einheit wiederherzustellen, besteht darin, an den Schulen und Universitäten gegen die Tendenz anzukämpfen, andere Muslime als Nichtgläubige zu beschuldigen.“

          Auch wenn der Großimam in seiner Rede nicht ausdrücklich auf die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) einging, reagiert die Azhar damit auf das Erstarken der sunnitischen Miliz in Syrien und im Irak. Tayib sagte, „eine historische Anhäufung überzogener Trends“ habe dazu geführt, dass viele Menschen sich einer „fehlgeleiteten Form“ des Islams angeschlossen hätten. „Terroristische Gruppen“, die sich „für grausame und barbarische Vorgehensweisen“ entschieden hätten, seien für das Erstarken sektiererischer Tendenzen verantwortlich.

          Auch der saudische König Salman, dessen Rede vom Gouverneur Mekkas verlesen wurde, machte eine „extremistische Ideologie“ für das rasante Wachsen terroristischer Gruppen verantwortlich. Diese „fehlgeleiteten und irregeführten Terroristen“ hätten jenen Kräften den Boden bereitet, „die nur auf ihre Chance gewartet haben, dem Islam zu schaden und seine Anhänger zu verunglimpfen“. Mäßigung und die Fähigkeit zu vergeben seien der Weg, den der Islam selbst vorgebe, Probleme zu beheben – Schritte, die Saudi-Arabien mit der Einrichtung von Präventionszentren und Dialogveranstaltungen in den vergangenen Jahren erfolgreich ergriffen habe.

          Das hat der Popularität des IS in Saudi-Arabien aber kaum geschadet. Dutzende Männer, die die Umerziehungsprogramme des Innenministeriums in Riad durchliefen, haben sich seit Beginn des Syrien-Krieges 2011 abermals extremistischen Milizen angeschlossen. In den vergangenen Monaten wurden in dem Land verschiedene Terrorzellen entdeckt. Auch in Ägypten, wo Präsident Abd al Fattah al Sisi seit seiner Machtergreifung 2013 einen Kampf gegen gemäßigte wie bewaffnete Islamistengruppen führt, steigt die Zahl der Anschläge. Der Aufruf von Großimam Tayib zu Bildungsreformen in der muslimischen Welt ist zugleich Ausdruck der tiefen Legitimationskrise, die der konservative Islam, wie die Azhar ihn über Jahrhunderte gepredigt hat, angesichts der Ausrufung eines „Kalifats“ durch den IS durchläuft.

          Spätestens seit Dezember, als die Azhar eine Konferenz zur Bekämpfung des Extremismus und Terrorismus ausrichtete, gibt es innerhalb der wichtigsten sunnitischen Lehrinstanz vermehrt Anstrengungen, ideologisch und theologisch auf die Terrorbedrohung zu reagieren. An der Lesart, dass es sich beim IS nicht um Muslime, sondern um Extremisten handele, die den Islam nur missbrauchten, um ihre Taten zu rechtfertigen, hält die Azhar-Führung bislang jedoch fest. Auch Tayibs in Mekka wiederholte Einschätzung, dass ein „neuer globaler, mit dem Weltzionismus verbündeter Kolonialismus“ hinter dem Erstarken extremistischer Gruppen stecke, zeigt, dass der Umgang mit dem Phänomen weiter von einer Abwehrhaltung bestimmt ist.

          Hinzu kommt, dass das Regime in Kairo die Azhar-Führung politisch fest in seinen Krieg gegen Extremisten eingebunden hat. Zum Jahreswechsel forderte Sisi in einem Auftritt vor den Gelehrten der Azhar eine „Revolution“ des Islams, die in Tayibs Rede in Mekka nun ihren Niederschlag gefunden hat. Damit jedoch sind viele Azhar-Studenten nicht einverstanden. Seit Monaten lässt sich der Protest islamistischer Studenten auf dem Gelände der Azhar-Universität nur durch Polizeikräfte im Zaum halten.

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