https://www.faz.net/-gq5-7w5wx

Bagdad Briefing : Rätsel um den Luftangriff auf Al Bagdadi

  • -Aktualisiert am

Abu Bakr al Bagdadi Bild: dpa

Die Liquidierung des Terrorführers Abu Bakr al Bagdadi wäre ein Erfolg für Obama. Aber dass die Meldungen zutreffen, ist so unwahrscheinlich wie schon vor fünf Wochen.

          Wie zuletzt Anfang September, als die irakische Armee die Tötung Abu Bakr al Bagdadis verkündete, ist die Nachrichtenlage verwirrend: Der Führer der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ sei am Wochenende bei einem amerikanischen Luftangriff verletzt worden, meldeten am Sonntag irakische Medien. In der sunnitischen Unruheprovinz Anbar habe die Attacke stattgefunden, berichteten Regierungsquellen; auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter bezeichneten dem „Islamischen Staat“ nahe stehende Accounts die Berichte als falsch.

          Dass die Meldungen zutreffen, ist tatsächlich so unwahrscheinlich wie vor fünf Wochen: Nur einmal seit dem kometenhaften Aufstieg der sunnitischen Extremistenorganisation zur mächtigsten Miliz im Irak im Juni ist Bagdadi öffentlich aufgetreten. Das Foto des einstigen Islamgelehrten in der Großen Moschee von Mossul während des ersten Freitagsgebets im Fastenmonat Ramadan ziert seitdem sämtliche Berichte, die über eine mögliche Tötung des irakischen Terrorführers spekulieren. 2006 war Bagdadis Vorgänger Mussab al Zarqawi von einem amerikanischen Spezialkommando getötet worden.

          Zehn Millionen Dollar Kopfgeld

          Für Amerikas Präsidenten Barack Obama, der am Wochenende eine „neue Phase“ im Krieg gegen den „Islamischen Staat“ verkündete, wäre die Liquidierung Bagdadis ein Erfolg. Zehn Millionen Dollar Kopfgeld haben die Vereinigten Staaten auf ihn ausgesetzt. Seitdem er die Organisation 2010 übernahm, ist es ihm gelungen, sie zur vielleicht führenden Dschihadistengruppe weltweit umzuformen – begünstigt durch den Krieg in Syrien und die anitsunnitische Politik des im Sommer zur Seite gedrängten irakischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki.

          Doch dessen Nachfolger Haider al Abadi müht sich bislang vergeblich, sunnitische Alliierte an seine Seite zu ziehen, um die Gruppe zu besiegen. Sowohl die angeblichen Erfolge in der Tigris-Stadt Baidschi, die Armeesprecher am Wochenende verkündeten, wie in der südlich von Bagdad gelegenen Gemeinde Dschurf al Sakhr gehen auf das Konto der Armee oder sunnitischer Stämme, sondern sind dem Einsatz schiitischer Milizen zu verdanken. Die Spannungen zwischen den beiden größten islamischen Glaubensgemeinschaften werden dadurch verstärkt, nicht gemildert.

          Auch das amerikanische Zentralkommando in Florida konnte die Berichte über eine Verwundung Bagdadis nicht bestätigen. Nur so viel scheint klar: Zehn Fahrzeuge des Islamischen Staats seien in der Nähe von Mossul zerstört worden, gab ein Armeesprecher am Wochenende bekannt. Darin sollen sich IS-Führungskräfte befunden haben. Örtliche Medien ergänzten, dass der Konvoi 13 Fahrzeuge umfasst habe und im Südwesten der seit Juni in der Hand von Bagdadi und seinen Leuten befindlichen Stadt getroffen worden sei. Auch zwei Produktionsstätten für Autobomben sollen bombardiert worden sein. Über den Angriff auf die Stadt al Qaim in Anbar kein Wort – dort soll Bagdadi sich Regierungskreisen in Bagdad zufolge in einer Sitzung befunden haben, als er verletzt worden sei.

          Topmeldungen

          Angst vor Populisten und der Wunsch nach einer anderen Klimapolitik haben die Menschen in Europa an die Wahlurnen getrieben.

          Die EU hat gewählt : Europas Ängste

          Zu wenig Klimaschutz, zu viel Nationalismus: Wegen dieser Sorgen haben sich viel mehr Bürger an der Europawahl beteiligt. Nicht in allen Ländern wurden die Rechtspopulisten jedoch ausgebremst.

          Europawahl : Volksparteien verlieren Mehrheit im Parlament

          Im Europaparlament werden Christ- und Sozialdemokraten sich erstmals einen Partner suchen müssen. Die Rechte geht aus der Wahl gestärkt hervor, aber die eigentliche Überraschung liegt woanders.
          Ministerpräsident Alexis Tsipras

          Schon Ende Juni : Neuwahl in Griechenland

          Weil seine Regierungspartei Syriza bei der Europawahl schlecht abgeschnitten hat, geht Ministerpräsident Alexis Tsipras in die Offensive: Im Juni soll ein neues Parlament bestimmt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.