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Irans Außenminister im Interview : Zarif: Extremismus aus Syrien wird sich in Europa entladen

  • Aktualisiert am

Mohammad Dschawad Zarif Bild: dpa

Der iranische Außenminister Zarif warnt in der F.A.Z. vor wachsendem Extremismus in Syrien. Dieser bringe nicht nur die Region in Gefahr: „Er wird sich auch in den Straßen Europas entladen.“

          Herr Minister, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat die Situation in Syrien als humanitäre Katastrophe bezeichnet. Was kann Iran tun, um die Situation zu verbessern? Sie haben Einfluss auf Assad?

          Ja, es ist eine humanitäre Katastrophe. Es ist ein Desaster, das die Sicherheit der gesamten Region bedroht. Diese Katastrophe ist die Folge von trügerischen Illusionen, die von verschiedenen Entscheidungsträgern im Ausland und der syrischen Opposition befeuert wurden. Alle müssen daran arbeiten, dass wieder Realismus einkehrt. Es braucht Waffenstillstände – ohne Vorbedingungen. Ob es nun einen generellen Waffenstillstand gibt oder lokale Waffenstillstände, ist gleichgültig. Das Blutvergießen muss ein Ende haben. Es braucht humanitäre Hilfe für alle Regionen und alle Gruppen des Landes. Alle Syrer verdienen das. Und wir müssen ihnen helfen, eine politische Lösung für den Konflikt zu finden. Es muss ein syrischer Prozess sein, keiner, für den andere Bedingungen stellen. Wir im Ausland können die Konfliktparteien nur ermutigen, einen Kompromiss zu finden.

          Wie bewerten Sie die Tatsache, dass Sie von der Genfer Konferenz wieder ausgeladen wurden? Hätten Sie das Ziel einer Übergangsregierung doch akzeptieren sollen?

          Solche Bedingungen führen zu nichts. Wir waren von Beginn an überzeugt, dass für unsere Teilnahme keine Bedingungen gestellt werden dürfen. Und wir haben es auch nicht so verstanden, dass uns Bedingungen gestellt wurden. Später wurde dann Druck ausgeübt, so dass der UN-Generalsekretär seine Einladung zurückziehen musste. Man sollte sich nicht vor den Karren von Gruppen spannen lassen, die keinen Rückhalt in Syrien haben.

          Die Amerikaner setzen darauf, dass sich innerhalb der syrischen Führung Kräfte von Assad absetzen. Wäre ein Kompromisskandidat aus diesem Kreis für Iran akzeptabel?

          Es wäre realitätsvergessen, darüber überhaupt zu sprechen. Es ist nicht an den Amerikanern, über so etwas zu entscheiden und auch nicht an uns. Die Syrer müssen darüber entscheiden. Wir im Ausland sollten uns nicht in Sackgassen begeben – wie sich die Amerikaner in eine hineinmanövriert haben, aus der sie nun einen Ausweg suchen. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um einen Waffenstillstand zu erreichen – nicht um darüber zu sprechen, wer über Syrien herrschen soll. Ich sage nicht, dass es gleich Wahlen geben kann, aber wir sollten den Weg für freie Wahlen bereiten, anstatt uns auf eine Person zu fokussieren.

          Es ist unbestritten, dass Iran Assad unterstützt und es ist ebenso unbestritten, dass er Blut an den Händen hat. Wie glaubwürdig kann er sein? Und ist er nicht ein schwieriger Partner für ein Iran, das gerade dabei ist, seinen Weg zurück in die internationale Gemeinschaft zu finden?

          Wir reden hier von einer Menge Leuten, die Blut an den Händen haben, von Geld und Waffen, die aus dem Ausland kommen. Niemand kann sich da über den anderen erheben. Die Illusion, man könne an Assad vorbei eine Lösung finden, muss endlich begraben werden. Sie hat das Leid verlängert. Diejenigen, die diese Gedanken immer noch verbreiten, muss man für das Blutvergießen in Syrien zur Rechenschaft ziehen.

          Der sunnitisch-schiitische Gegensatz rückt immer stärker in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen in Syrien.

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