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Iran droht Israel : „Keine akute Gefahr“

Dieses Bild der staatlichen syrischen Nachrichten-Agentur Sana zeigt Präsident Assad mit dem Chef des iranischen Sicherheitsrats, Said Dschalili (dritter von links) in Damaskus Bild: dpa

Nach der mutmaßlichen Militäraktion in Syrien reagiert Israel betont gelassen auf die jüngsten Drohungen aus Damaskus und Teheran. Berichte über Attacken syrischer Hacker auf das Mobilfunknetz zeigen aber, wie groß die Anspannung ist.

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          Das israelische Militär gibt sich gelassen. Vierzehn Stunden lang waren Verteidigungsminister Ehud Barak und Generalstabschef Benny Ganz gleichzeitig im Ausland. Gewöhnlich vermeidet die israelische Militärführung solche Abwesenheiten, aber am Sonntag war Barak auf der Sicherheitskonferenz in München, während sich sein Generalstabschef auf dem Weg nach Washington machte. Dabei war immer noch nicht klar, ob und wie das Regime in Damaskus und die Hizbullah-Miliz auf den jüngsten Luftangriff in Syrien reagieren würden.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der scheidende Verteidigungsminister ging sogar noch einen Schritt weiter: Seine Äußerungen auf der Münchener Sicherheitskonferenz wurden auch in Israel von vielen so verstanden, als habe er damit indirekt bestätigt, dass die israelische Luftwaffe in der vergangenen Woche Ziele in Syrien bombardierte.

          Noch während sich Barak in München aufhielt, warf der syrische Präsident Baschar al Assad Israel vor, es wolle mit der jüngsten Militäraktion Syrien destabilisieren. Die syrische Armee sei jedoch in der Lage, jede Attacke abzuwehren, sagte er nach einem Treffen mit dem Sekretär des iranischen Sicherheitsrats Said Dschalili. Dschalili drohte in Damaskus am Montag damit, Israel werde den Angriff auf Syrien bereuen, wie es auch früherer Kriege bereut habe.

          Anspannung gestiegen

          In der israelischen Öffentlichkeit ist man solche iranischen Drohungen gewohnt. Dennoch ist die Anspannung gestiegen: Als am Sonntagabend eines der großen Mobilfunknetze zusammenbrach und mehrere Stunden lang nicht erreichbar war, gab es wilde Spekulationen, dass syrische Hacker dahinter steckten.

          Am Montag beharrte der Chef der Firma Pelephone darauf, dass Sabotage nicht die Ursache war. Zuvor waren mehrere israelische Internetseiten angegriffen worden; mutmaßliche syrische Computerpiraten verschafften sich auch Zugang zur Redaktion der Zeitung „Haaretz“.

          Der frühere Chef des israelischen Militärgeheimdienstes Amos Jadlin erwartet, dass aus Syrien auch weiterhin keine akute Gefahr droht. Er schließt eine Vergeltungsaktion nicht völlig aus. Aber dazu könne es auch zu einem späteren Zeitpunkt an einem anderen Ort kommen, sagte Jadlin, der mittlerweile das „Institut für Nationale Sicherheitsstudien“ (INSS) leitet am Montag in Tel Aviv; möglicherweise könnten auch Gruppen aktiv werden, die mit Syrien, Iran und der Hizbullah zusammenarbeiten.

          „Aufrüstung der Hizbullah“

          „Was in der vergangenen Woche geschah, hat nichts mit Chemiewaffen zu tun, sondern mit der Aufrüstung der Hizbullah, die seit dem Libanon-Krieg im Jahr 2006 andauert“, sagte der pensionierte Generalmajor. Schon die israelische Regierung unter Ehud Olmert habe dafür klare Grenzen für ein mögliches israelisches Eingreifen definiert. Dazu gehörte die Lieferung von moderner Raketentechnologie an die schiitische Miliz.

          Die amerikanische Zeitung „New York Times“ hatte zuvor gemeldet, dass der Angriff am vergangenen Mittwoch das wichtigste syrische Forschungszentrum für biologische und chemische Waffen getroffen habe. Dort habe es größere Schäden gegeben, als ein Fahrzeug explodiert sei, das angeblich mit Flugabwehrraketen beladen war. Westliche Medien hatten von einem Angriff auf einen Konvoi mit Raketen berichtet, die für die Hizbullah bestimmt waren. Die Regierung in Damaskus bestätigte später nur, israelische Kampfflugzeuge hätten ein militärisches Forschungszentrum in der Nähe der Hauptstadt beschossen.

          Trotz des großen syrischen Chemiewaffenarsenals zeigen sich Jadlin und die Mitarbeiter seines renommierten Forschungs- und Beratungsinstituts relativ zuversichtlich. Am Montag äußerten sie während der Vorstellung ihres jährlichen Strategie-Berichts die Erwartung, dass Syrien auch nach dem Ende des Assad-Regimes auf längere Sicht mit sich selbst beschäftigt sein werde.

          Von der mit modernen Waffen ausgerüsteten syrischen Armee werde fürs erste keine Kriegsgefahr mehr ausgehen. „Trotz aller Risiken ist das eine positive Entwicklung für Israel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die geschwächte syrische Armee eine größere militärische Auseinandersetzung mit Israel suchen wird“, sagt Amos Jadlin voraus – und nicht nur das: auch die mit Syrien verbündete Hizbullah-Miliz werde durch diese Entwicklung geschwächt.

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