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+ + + Bagdad Briefing + + + : Iraks zaudernde Sunniten

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Sunnitische Kämpfer im Februar in Falludscha: Nur wenige irakische Sunniten haben sich bisher dem Kampf gegen den „IS“ angeschlossen. Bild: Reuters

Anders als in Syrien haben sich die irakischen Sunniten nicht dem Kampf gegen den Islamischen Staat angeschlossen. Die Allianz gegen die Terrorgruppe sehen sie als proschiitisches Bündnis.

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          Der massive Angriff auf Kommandozentralen, Waffendepots und Militärstellungen des sogenannten Islamischen Staats im Osten Syriens könnte der sunnitischen Opposition gegen die Diktatur Baschar al Assads neuen Auftrieb geben. Innerhalb von nur einer Nacht ist in den seit Monaten festgefahrenen Frontenkrieg Bewegung beraten – dank des massiven Engagements der wichtigsten sunnitischen Staaten auf der arabischen Halbinsel, allen voran Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate, aber auch Qatars und Bahreins.

          Im Nachbarland Irak gestaltet sich die Situation vollkommen anders: Weil die Regierung in Bagdad von einem schiitischen Ministerpräsidenten geführt wird und die Islamische Republik Iran seit der amerikanischen Intervention 2003 zur wichtigsten ausländischen Macht im Zweistromland aufgestiegen ist, wagen die sunnitischen Monarchien hier nicht die Konfrontation mit Teheran, das sich seit Jahren einen Zweikampf mit Riad um die Hegemonie von Persischem Golf bis Levante liefert.

          Maliki verspielte Vertrauen der Sunniten

          Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bereitschaft lokaler irakischer Stämme, sich dem Bündnis gegen den „Islamischen Staat“ anzuschließen. Anders als 2007, als die von den amerikanischen Besatzungstruppen zum Kampf gegen den IS-Vorgänger Al Qaida im Irak ausgerüsteten Sahwa-Verbände Seite an Seite mit den Vereinigten Staaten vorgingen, haben sich die Sunniten bislang nicht zu einem solchen Schritt durchgerungen. Mehr als ein Vierteljahr nach der Einnahme der Millionenstadt Mossul kontrolliert der „Islamische Staat“ noch immer ein Viertel des Landes – die Terrorgruppe zurückzudrängen ist bislang nur kurdischen Peschmerga-Einheiten und von Teheran ausgebildeten schiitischen Milizen gelungen.

          Nördlich von Bagdad : Irakische Kleinstadt bietet IS-Dschihadisten die Stirn

          In der Sunnitenprovinz Anbar hingegen marschieren die Dschihadisten weiter vor: Am Montag nahmen sie Sichar ein; Hunderte irakische Soldaten in der Nähe der Stadt sollen getötet worden sein. Nach Jahren der Marginalisierung durch den schiitischen Regierungschef Nuri al Maliki fehlt den Vertretern der sunnitischen Minderheit schlicht das Vertrauen, das der von Amerika und Iran installierte neue Ministerpräsident Haider al Abadi das Blatt wenden werde. Mohamed al Bajjari, ein Sprecher der Koalition der Stämme sagte der New York Times: „Diese Regierung muss sich zu einem Technokratenkabinett wandeln, in dem nonkonfessionelle Figuren vertreten sind, sonst werden die Kämpfe und der Wut der sunnitischen Bevölkerung anhalten.“

          Arabischen Medien nach soll Abadi intensiv an einem Plan arbeiten, Tausende Sunniten in eine neu zu gründende Nationalgarde aufzunehmen. Die „Armee der irakischen Sunniten“, wie die kuweitische Zeitung „Al Jarida“ schreibt, sei Teil des Pakets, das ihm die sunnitischen Mitglieder seines Mitte September vorgestellten Kabinetts abgetrotzt hätten, um ein gemeinsames Vorgehen gegen den „Islamischen Staat“ zu ermöglichen.

          Das freilich könnte den ohnehin vor dem Zerfall stehenden irakischen Staat weiter auseinanderreißen. Schon heute ist die von den amerikanischen Besatzern mit Milliarden aufgebaute Armee die schwächste Militäreinheit – und kurdische Peschmerga sowie schiitische Milizen sind die stärksten Formationen in ihren Territorien.

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