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Islamischer Staat : Iraker belagern IS-Kämpfer im Zentrum von Tikrit

  • Aktualisiert am

Belagerung: Schiitischer Freiwilliger am Samstag Stadtrand von Tikrit Bild: AP

Im Zentrum von Tikrit halten sich noch immer Kämpfer des Islamischen Staats mit Geiseln verschanzt. Die irakische Armee und die schiitischen Kämpfer warten auf einen günstigen Zeitpunkt zur Erstürmung – und beginnen zu streiten.

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          Die irakische Armee hat den Belagerungsring um die IS-Kämpfer geschlossen, die sich mit ihren Geiseln im Zentrum der Stadt Tikrit verschanzt haben. Das berichtete der arabische Sender Al Dschasira unter Berufung auf den irakischen Verteidigungsminister Khaled al Obeidi. Tikrit war in der vergangenen Woche weitgehend von den Irakern und den sie unterstützenden schiitischen Milizen zurückerobert worden. Die letzten IS-Kämpfer aus dem Zentrum zu vertreiben, ist aber bisher nicht gelungen.

          Um unnötige Verluste auch unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden, so Obeidi weiter, habe man bisher auf die Erstürmung verzichtet. Die Moral der Belagerten sei schlecht. „Wenn wir sehen, dass die Zeit reif ist, werden wir die Innenstadt so schnell wie möglich stürmen – ohne Widerstand und Verluste.“ Die Führung der schiitischen Kämpfer habe allerdings kritisiert, dass die Iraker im Kampf um Tikrit um Unterstützung durch Luftschläge der alliierten Koalition gebeten hätten, heißt es in dem Bericht weiter.

          IS greift Militärflughafen bei Homs an

          In der Provinz Homs griffen IS-Kämpfer derweil einen Militärflughafen der Regierungstruppen an. Zuvor sei es zu Kämpfen weiter westlich in Hama gekommen, teilte die Syrische Beobachtungsgruppe für Menschenrechte am Montag mit. Sie stützt sich auf ein Netz von Informanten im Land. Nach ihrer Einschätzung hat der IS die Offensive gestartet, um die Moral seiner Kämpfer nach der Niederlage gegen die Kurden in der Schlacht um Kobane im Nordosten Syriens zu stärken.

          Für die Regierungstruppen von Präsident Baschar al Assad stellt die Offensive eine Herausforderung dar. In den vergangenen Monaten machten sie gegen die deutlich schwächeren Rebellengruppen im Westen Boden gut und konnten große Gebiete bis zur Küste unter ihre Kontrolle bringen.

          HRW: Schwere Vorwürfe gegen Opposition

          Gleichzeitig erhob die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) schwere Vorwürfe gegen die bewaffneten Oppositionsgruppen in Syrien.  Diese attackierten und töteten wahllos Zivilisten. In einem Bericht, den die Organisation am Montag veröffentlichte, werden dutzende Angriffe auf Zivilisten dokumentiert, die von Dschihadistengruppen wie dem IS und der Al-Nusra-Front, aber auch von Kämpfern der vom Westen unterstützten Freien Syrischen Armee begangen wurden. Syrien befinde sich in einer „Abwärtsspirale“, und die Opposition verhalte sich dabei genauso rücksichtslos wie die Regierungstruppen, erklärte der Nahost-Experte von Human Rights Watch, Nadim Houry.

          Human Rights Watch dokumentiert in dem Bericht Anschläge und Angriffe in Gebieten unter der Kontrolle der syrischen Regierungstruppen zwischen Januar 2012 und April 2014. In den Provinzen Damaskus und Homs habe es in dieser Zeit dutzende Bombenanschläge in Gebieten gegeben, in den gar keine militärischen Ziele lagen. Oft seien von religiösen Minderheiten bewohnte Gebiete angegriffen worden. Einer der schlimmsten Anschläge war demnach ein Attentat auf eine Schule in Homs im Oktober, bei dem mehr als 45 Kinder getötet worden waren.

          Angriffe auf Zivilisten als „Vergeltung“

          Kritisiert wird in dem Bericht auch der wahllose Beschuss von Wohnvierteln in Damaskus und Homs durch Oppositionskämpfer. Die Behauptung der Aufständischen, dass es sich um „legitime Vergeltungsmaßnahmen“ für Verbrechen der Regierungstruppen handele, sei durch das Kriegsrecht nicht gedeckt, kritisierte Human Rights Watch. Sämtliche Konfliktparteien müssten „alle vorsätzlichen, willkürlichen und unverhältnismäßigen Angriffe auf Zivilisten beenden“.

          Der syrische Bürgerkrieg dauert bereits vier Jahre. Begonnen hatte der Konflikt mit regierungskritischen Protesten im März 2011, die sich schnell zu bewaffneten Kämpfen ausweiteten. Seitdem wurden schätzungsweise mehr als 215.000 Personen getötet. Mehrere Millionen Syrer wurden zu Flüchtlingen im In- und Ausland. Auch der Armee von Präsident Assad werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, darunter Luftangriffe mit Fassbomben, Folter und der Einsatz von Chemiewaffen.

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