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Irak : Zweifrontenkrieg gegen die Islamisten

Kein Friede in Sicht: Milizionäre in Falludscha Bild: AP

Während die Terroristen im Irak gegen die Armee kämpfen, werden sie in Syrien von Rebellen angegriffen – und geraten in die Defensive. Die irakischen Sicherheitskräfte erlitten derweil die schwerste Niederlage seit dem Abzug der Amerikaner.

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          Der Vormarsch der Krieger des „Islamischen Staats Irak und (Groß-)Syrien“ (Isis) ist vorläufig gestoppt. Binnen weniger Tage hatten die mit dem Terrornetz Al Qaida verbündeten Dschihadisten ihre Stellungen im Norden Syriens ausgebaut und waren zugleich im Nachbarland Irak in die Städte Ramadi und Falludscha vorgerückt, wo sie den irakischen Sicherheitskräften die schwerste Niederlage seit dem Abzug der amerikanischen Soldaten vor zwei Jahren zugefügt hatten. Dabei hatten sie sich der irakischen Hauptstadt Bagdad auf etwa 160 Kilometer genähert.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.
          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Viele Einwohner haben die Städte aus Furcht vor den Dschihadisten verlassen. Die Lebensmittel werden für jene knapp, die weiter in der Kampfzone ausharren. Alle öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen. Viele sunnitische Stämme der westirakischen Provinz Anbar wollen wegen ihres tiefen Misstrauens gegen die Regierung des schiitischen Ministerpräsident Nuri al Maliki nicht gemeinsam mit der Armee gegen den „Islamischen Staat“ vorgehen. Einige Stämme haben aber selbständig den Kampf gegen die Dschihadisten aufgenommen.

          In Nordsyrien haben sich in den vergangenen Tagen islamistische Brigaden, die nicht unter dem Banner von Al Qaida kämpfen, zusammengeschlossen und dem „Islamischen Staat“ als „Armee der Mudschahedin“ und „Front der syrischen Revolutionäre“ den Krieg erklärt. Sie stellten die Dschihadisten vor die Wahl, sich entweder in die bestehenden militärischen Strukturen einzufügen oder das Land zu verlassen. In Raqqa, einer der Hochburgen des „Islamischen Staats“, stürmten rivalisierende Kämpfer das lokale Isis-Hauptquartier und befreiten 50 Personen aus dem Gefängnis. Heftige Gefechte zwischen den Dschihadisten und den Rebellen wurden auch aus der ländlichen Umgebung von Aleppo gemeldet. In einer Audiobotschaft hat der „Islamische Staat“ nun damit gedroht, seine Kämpfer von der Front gegen die Truppen des syrischen Regimes abzuziehen. Dann würde Aleppo wieder den Truppen von Machthaber Baschar al Assad in die Hände fallen. Von einem „Dolchstoß“ in den Rücken und einer Verschwörung war die Rede, weil Rebellenkommandeure den Einfluss der Dschihadisten eingrenzen wollten, bevor in Genf über eine mögliche Lösung des Syrien-Konflikts verhandelt werde. Aus den Reihen der Opposition werden die Isis-Dschihadisten schon als Agenten des Damaszener Regimes bezeichnet, die versuchten, die Revolution zu untergraben.

          Demonstration mit Koran: Bürger von Aleppo fordern ein Ende der Kämpfe zwischen „Islamischem Staat“ und Rebellen.
          Demonstration mit Koran: Bürger von Aleppo fordern ein Ende der Kämpfe zwischen „Islamischem Staat“ und Rebellen. : Bild: AFP

          Isis-Kämpfer hatten in den vergangenen Wochen entlang der Grenze zur Türkei zahlreiche Städte von den Rebellen erobert. Am 15. Dezember töteten sie den Chef des oppositionellen Militärrats der Stadt Hama. Begonnen hatte die Offensive der Rebellen gegen den „Islamischen Staat“ aber erst, nachdem die Dschihadisten den Kommandanten der Rebellenbrigade „Ahrar al Scham“, den Arzt Hussein al Sulaiman, der seit dem 7. Dezember für den strategisch wichtigen Grenzposten Bab al Hawa verantwortlich gewesen war, entführten, umbrachten und seinen Körper verstümmelten. Die „Ahrar al Scham“-Kämpfer hatten daraufhin in der Provinz die Offensive gegen die Dschihadisten angeführt.

          In der langen Liste von Vorwürfen ist auch der zu finden, dass der „Islamische Staat“, dem viele ausländische Kämpfer angehören, eigene Kleinkalifate errichtet habe, anstatt den Streit über die Gestalt des zukünftigen Syriens auf die Zeit nach dem Krieg gegen Assad zu vertagen und das eroberte Terrain der Autorität der Schariagerichte zu unterstellen, welche die anderen islamistischen Rebellengruppen gemeinsam unterhalten. Und dort, wo der „Islamische Staat“ herrscht, werden Kritiker und Andersgläubige brutal verfolgt, Gefangene in geheimen Folterkellern malträtiert.
          Doch inzwischen sind die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ erstmals in der Defensive – sowohl im Irak als auch in Syrien. In Falludscha und Ramadi geht die irakischen Streitkräfte mit Luftangriffen gegen sie vor. In Syrien macht ihnen die Offensive der Rebellen zu schaffen. Zuvor war es ihnen gelungen, ihren „Islamischen Staat“ grenzübergreifend zu konsolidieren. Das Einflussgebiet dschihadistischer Gruppen in der Region erstreckt sich von Falludscha und Ramadi im Osten über den Euphrat bis nördlich von Aleppo bis in den Libanon.

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