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Irak : Nach Geiselnahme: Nato beruft Dringlichkeitssitzung ein

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Wer hält sie auf? Dschihadisten in der Provinz Nineve Bild: AFP

Die Dschihadisten erobern Iraks zweitgrößte Stadt: In Mossul stürmen sie die türkische Auslandsvertretung und nehmen mindestens 49 Menschen als Geiseln. 

          Die Dschihadisten im Irak haben auf ihrem Vormarsch nach Bagdad bis Mittwoch große Teile der Regionen Ninive, Anbar und Salah ad Din nordöstlich von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Dies berichtet der Nachrichtensender Al Dschasira. Auch in der Stadt Tikrit, rund 175 Kilometer nördlich von Bagdad, sollen sich am Nachmittag Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) Gefechte mit den Streitkräften geliefert haben. Nach anderen Angaben nahmen die Islamisten die Stadt kampflos ein.

          „Ganz Tikrit ist den Händen der Kämpfer“, sagte ein Polizeioberst in der Hauptstadt der Provinz Salaheddin. Einem Polizeimajor zufolge befreiten die Kämpfer in der Heimatstadt des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein rund 300 Gefängnisinsassen.

          Der Vormarsch der Terrorgruppe ISIS im Irak und Syrien geht weiter

          Zudem stürmte Isis nach türkischen Regierungsangaben in der Millionenstadt Mossul das Konsulat der Türkei und nahmen nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur 49 Menschen als Geiseln. Laut der Nachrichtenagentur Reuters seien es gar 80 Menschen gewesen. Ein türkischer Regierungsvertreter nannte diese Zahl am Mittwochnachmittag, nachdem die irakische Polizei zuvor von etwa zwei Dutzend Geiseln gesprochen hatte. Unter den Geiseln befindet sich nach übereinstimmenden Angaben auch der türkische Konsul.

          Inoffiziellen Informationen zufolge hat angesichts dieser Offensive der radikalen Islamisten die Nato-Mitgleider bereits eine Dringlichkeitssitzung abgehalten. Die Türkei habe das Treffen beantragt, es habe sich aber ausdrücklich nicht um ein Treffen nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrags gehandelt, der eine Bedrohung der Sicherheit eines Bündnismitglieds regelt.

          Nach der Einnahme Mossuls rückten die radikalen Islamisten Sicherheitskreisen zufolge auch in einen für die Ölversorgung des Landes wichtigen Ort ein. Isis setzte demnach in der Stadt Baidschi die Polizeistation und das Gerichtsgebäude in Brand. Die Extremisten seien am Dienstagabend in etwa 60 Fahrzeugen in die Stadt eingedrungen und hätten Gefangene befreit. Zuvor hatten sie nach Angaben eines Bewohners ihren Vorstoß bei den wichtigsten Stammesführern der Stadt angekündigt und davor gewarnt, sich ihnen entgegenzustellen. Sie forderten Polizei und Armee auf, ihre Waffen niederzulegen.

          Ein von den Amerikanern überlassenes Fahrzeug der irakischen Sicherheitskräfte nach dem Isis-Angriff

          Die Aufständischen „sind über Nacht aufmarschiert und haben das Gerichtsgebäude sowie eine Polizeiwache im Stadtzentrum in Brand gesteckt“, berichtete ein Sicherheitsmann in Baidschi dem unabhängigen Nachrichtenportal „Al-Sumaria News“. Das offizielle irakische Staatsfernsehen meldete dagegen, die Stadt unter Kontrolle zu haben. Gesicherte Angaben darüber lagen zunächst nicht vor.

          Maliki: Verschwörungen und Falschmeldungen

          Der irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki nannte Berichte über Eroberungen durch die Isis „Verschwörungen und Falschmeldungen“. Die Armee habe die Region stabilisiert. In einem im Internet kursierenden Propagandamagazin verbreitete die Isis hingegen Bilder von exekutierten irakischen Soldaten. „Al Malikis tyrannische Stärke ist unserer Frömmigkeit nicht gewachsen“, steht in dem Magazin.

          Angespannte Lage: Irakische Polizisten an einem Checkpoint in Baghdad

          Der einflussreiche Schiitenprediger Muktada al Sadr rief seine Anhänger unterdessen dazu auf, „Friedensbrigaden“ im Land zu bilden, um Schreine, Moscheen und Kirchen in Abstimmung mit der irakischen Regierung gegen die Isis-Kämpfer zu verteidigen. Die irakische Führung selbst erklärte, ihre Militärkräfte mit denen der kurdischen Regionalregierung im Nordirak verbinden zu wollen.

          Bereits am Dienstag hatte Isis mit Mossul die zweitgrößte Stadt des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Nach türkischen Medienberichten stürmten die Kämpfer dort das türkische Konsulat und nahmen bis zu 45 Mitarbeiter, darunter auch Diplomaten, als Geiseln. Die Islamisten befreiten rund 2400 Häftlinge aus Gefängnissen und besetzten Regierungsgebäude und zwei Fernsehstationen, wie Al Dschasira meldete.

          Amerikanische Hilfe

          Am Donnerstag soll das irakische Parlament über die Forderung von Ministerpräsident al Maliki beraten, den Notstand zu verhängen. Damit hätte der umstrittene schiitische Regierungschef mehr Befugnisse, um in den Konflikt mit den sunnitischen Aufständischen einzugreifen. Viele Sunniten fühlen sich benachteiligt durch die schiitisch dominierte Regierung. Nach dem Abzug der Amerikaner im Dezember 2011 hatte eine Welle der Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten den Irak erschüttert. Die Terrorgruppe Isis macht sich diesen Machtkampf zunutze.

          Nach einem Angriff der Isis: Eine Rauchsäule in der Stadt Mossul

          Eine Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums bezeichnete Isis als „Gefahr für die gesamte Region“ und sagte Washingtons Unterstützung für „eine starke, koordinierte Antwort“ zu, „um der Aggression zu begegnen“.

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