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Kämpfe im Irak : Schiitische Waffenbruderschaft

  • -Aktualisiert am

Trauerfeier für einen im Irak getöteten Hizbullah-Kämpfer Bild: dpa

Maliki heißt die Angriffe der syrischen Luftwaffe gegen Isis im Irak gut. Eine weitere Konfessionalisierung des Konflikts steht bevor. Für die zögernden Amerikaner wird die Lage immer komplizierter.

          Der Irak heiße die Militärschläge der syrischen Luftwaffe gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in (Groß-)Syrien (Isis) gut, sagte Ministerpräsident Nuri al Maliki am Donnerstag – auch wenn seine Regierung nicht darum gebeten habe. Die Luftangriffe in der Nähe des irakischen Grenzorts Qaim seien schon am Dienstag geflogen worden, sagte er. Die Staatspresse in Damaskus hatte zuvor dementiert, dass syrische Kampfflugzeuge Ziele im Irak beschossen hätten. Das freundliche Eingeständnis Malikis, dass sein wichtigster arabischer Verbündeter, der syrische Machthaber Baschar al Assad, ihm im Krieg gegen die sunnitischen Extremisten militärisch zur Seite steht, macht die ohnehin schwierige Gemengelage im Irak noch komplizierter. Unmittelbar nach Beginn der Isis-Blitzoffensive vor zwei Wochen hatte der bedrängte schiitische Machthaber die Vereinigten Staaten um Luftschläge ersucht. Doch die Regierung von Präsident Barack Obama zögert weiter. Gerade einmal die Hälfte der 300 Militärberater, die Obama vor einer Woche als Unterstützung versprach, sind bislang in Bagdad eingetroffen.

          Nach der syrischen Intervention im Irak-Krieg wird es sich die Führung in Washington noch genauer überlegen, ob sie Luft- oder Drohnenangriffe auf Isis-Stellungen anordnet. Es sei „in keiner Weise vorstellbar“, mit Assad gegen Isis zu kooperieren, hat Außenminister John Kerry zuletzt gesagt. Auch Assad hatte die Isis-Einheiten lange gewähren lassen. Schließlich leisteten die Truppen von Isis-Führer Abu Bakr al Baghdadi wertvolle Schützenhilfe, indem sie die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) in einen Krieg im Krieg verwickelten. Anders als im Irak, wo der Sturz Malikis ihr Ziel ist, sehen die Isis-Kämpfer in Syrien nicht in der Assad-Diktatur, sondern in den moderaten Regimegegnern den Hauptfeind. Nur vereinzelt bombardierte Assads Luftwaffe Stellungen der Gruppe in Raqqa und Deir el Zor, zuletzt am Mittwoch nahe dem Grenzort Albu Kamal, wo sich Isis-Kämpfer mit dem lokalen Vertreter der dschihadistischen Nusra-Front nach Monaten des Bruderkriegs versöhnt hatten.

          Die „Achse des Widerstands“ steht hinter Maliki

          Assads Sorge, die mit Tonnen von erbeutetem militärischen Gerät aus dem Irak zurück über die Grenze gekehrten Isis-Dschihadisten könnten bald zum Marsch auf Damaskus blasen, dürfte auch der Grund für den syrischen Angriff auf irakischem Territorium gewesen sein. Der syrische Machthaber setzt schon seit 2012 auf Hilfe aus den Nachbarstaaten. Etwa 8.000 irakische und 5.000 libanesische Kämpfer sind in Syrien präsent. Allen voran die Milizionäre der von Hassan Nasrallah geführten libanesischen Hizbullah und die Kämpfer der irakischen Schiitenmiliz Asaib Ahl al Haq unter der Führung von Scheich Qais al Khazali gehen auf Seiten der Einheiten des Assad-Regimes gegen die sunnitischen Extremisten vor. Die Vereinigten Staaten führen beide Schiitenmilizen auf ihrer Terrorliste. Schon zu Beginn des Jahres begann die Asaib-Ahl-al-Haq-Miliz, ihre Kämpfer aus Syrien zurückzuziehen, um Malikis schwache Armee in der Unruheprovinz Anbar gegen die Isis-Kämpfer zu unterstützen.

          Auf seine schiitischen Verbündeten kann Maliki zählen. Die Mobilisierung iranischer Truppen am Donnerstag ebenso wie die syrischen Luftschläge auf Isis-Stellungen nahe der Grenze zeigen, dass die vom iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei, von Hizbullah-Generalsekretär Nasrallah und Assad vor mehr als zehn Jahren ausgerufene „Achse des Widerstands“ fest zu ihm steht. Nasrallah kündigte vergangene Woche bereits an, im Irak „fünf Mal so viele Märtyrer wie in Syrien zu opfern“, weil die heiligen Stätten zwischen Euphrat und Tigris für die Schiiten viel wichtiger seien als die syrischen. Malikis wichtigster Verbündeter hatte am Sonntag festgestellt: „Der Hauptkonflikt im Irak verläuft zwischen jenen, die sich dem Lager der Vereinigten Staaten anschließen wollen, und jenen, die einen unabhängigen Irak wollen“, sagte der iranische Revolutionsführer Chamenei.

          Doch nicht nur die Waffenbrüder des irakischen Ministerpräsidenten machen ihn zu einem schwierigen Partner für Washington. Er weigert sich weiter beharrlich, einer irakischen Einheitsregierung zuzustimmen, deren Bildung Washington für eine Lösung der Krise im Irak als notwendig erachtet. Am Donnerstag verabschiedete der irakische Regierungschef, der als Sieger aus der Parlamentswahl vom April hervorgegangen ist, ein Dekret, das die Einberufung des Parlaments Anfang Juli vorsieht – so wie von der Verfassung vorgeschrieben. Da sich sunnitische, kurdische, aber auch die beiden größten schiitischen Fraktionen angesichts von Malikis Konfrontationskurs weigern dürften, der Einladung zu folgen, steht eine weitere Konfessionalisierung des Konflikts bevor: Gemeinsam mit dem politischen Arm der Schiitenmiliz Asaib Ahl al Haq und anderen kleinen Gruppen dürfte Maliki auf eine schiitische Kriegsregierung setzen.

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