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Irak-Krise : Die Saat des Hasses

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Aufmarsch im schiitischen Kernland: Soldaten der irakischen Armee sichern Kerbela südwestlich von Bagdad Bild: REUTERS

Ministerpräsident Maliki lässt seine Armee die Sunniten Bagdads schikanieren. Das ist Wasser auf die Mühlen seiner Gegner, die sich den Terroristen angeschlossen haben. Maliki scheint langsam die Kontrolle über das Land zu verlieren.

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          Die Soldaten kamen am frühen Morgen. Doch obwohl Muhammad Dhia die bewaffneten Männer freundlich grüßte, schoben sie den Familienvater unwirsch beiseite, stürmten in sein Arbeitszimmer und rissen dort die Schranktüren auf. „Selbst in der Endphase von Saddam Husseins Regime ist so etwas nicht passiert“, sagt Dhia, der wenige Stunden nach der Hausdurchsuchung am Freitagmorgen noch immer mitgenommen wirkt vom Vorgehen der irakischen Armee. Dabei hat der Mitarbeiter einer internationalen Organisation während des sunnitisch-schiitischen Bürgerkriegs, als Todesschwadrone auf den Straßen Bagdads für Angst und Schrecken sorgten, einiges erlebt.

          Mehr als dreißig Minuten hätten die Armeesoldaten Schränke, Kisten und Schreibtischschubladen durchwühlt, sagt Dhia. Rücksicht auf seine Frau und die beiden Kinder, die gerade am Frühstückstisch saßen, nahmen sie dabei nicht. Eine Handvoll alter Messer und einen Armeesack aus seiner Wehrdienstzeit beschlagnahmten die acht Armeeangehörigen, ehe sie weiterzogen. „Nichts als Einschüchterung ist das“, sagt Dhia, der überzeugt davon ist, dass Ministerpräsident Nuri al Maliki „langsam die Kontrolle verliert“. Panik habe den Regierungschef deshalb erfasst, weil eine Allianz aus ehemaligen Mitgliedern der Baath-Partei des gestürzten Diktators Saddam Hussein und sunnitischen Stammesführern den Vormarsch der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) nutze, um mit dem seit 2006 regierenden Machthaber abzurechnen.

          Nach der Eroberung Mossuls Lage angespannt wie lange nicht mehr

          Direkt an Bagdads Regierungsdistrikt Grüne Zone grenzt das Mittelstandsviertel Hay al Kindi an, in dem Dhia wohnt. Um Angriffe auf Malikis Machtzentrum zu verhindern, schicke der schiitische Herrscher nun seine Kräfte in die umliegenden Stadtteile, sagt der sunnitische Iraker, dessen Nachname die kurdische Herkunft seiner Vorfahren verrät. Auch deshalb stehe er im Visier der Sicherheitskräfte – wie in den Tagen des Terrors gilt die „falsche“ konfessionelle Zugehörigkeit als Ausdruck mangelnder Loyalität. Schiitische Nachbarn hingegen seien in Ruhe gelassen worden, nachdem sie den Soldaten ihre Ausweise gezeigt hätten. Er könne von Glück reden, dass die bewaffneten Männer ihn nicht mitnahmen, so wie es während des sunnitisch-schiitischen Bürgerkrieges zwischen 2005 und 2007 immer wieder der Fall gewesen sei.

          Drei Tage nach der Eroberung Mossuls durch Isis-Kämpfer ist die Lage im Irak angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Die Isis-Einheiten stehen 25 Kilometer vor Bagdad. Die Armee befindet sich in Auflösung, Hunderte Soldaten sind desertiert oder haben sich sogar den Dschihadisten angeschlossen. Der schiitische Großajatollah Ali al Sistani rief Gläubige während des Freitagsgebets auf, sich zu bewaffnen, um dem Vormarsch sunnitischer Extremisten zu stoppen. Auch Malikis schiitischer Gegenspieler, der frühere Milizenführer Muqtada al Sadr, hat seine Gefolgsleute zu den Waffen gerufen.

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