https://www.faz.net/-gq5-75u8w

In Mursis Palast : Der Präsident und das Protokoll

  • -Aktualisiert am

Senator im Gespräch mit dem Präsidenten: John McCain (l.) und Muhammad Mursi Bild: REUTERS

Wie läuft ein Besuch im ägyptischen Präsidentenpalast ab? Für amerikanische Senatoren zumindest als Geduldsprobe. Man sammelt sich im großen Empfangszimmer zwischen Empire-Möbeln und osmanischen Gemälden. Auch John McCain musste warten.

          2 Min.

          Auch John McCain musste warten. Im großen Empfangszimmer des Präsidentenpalastes Ittihadija, zwischen Empire-Möbeln und Gemälden mit Motiven aus osmanischer Zeit, stand der frühere amerikanische Präsidentschaftskandidat gemeinsam mit fünf weiteren Senatoren, ehe sie zum ägyptischen Staatsoberhaupt geführt wurden. Wenige Stunden zuvor hatte die amerikanische Regierung Äußerungen Muhammad Mursis als „zutiefst beleidigend“ kritisiert, in denen er 2010 Israelis als „Nachkommen von Affen und Schweinen“, „Kriegstreiber“ und „Blutsauger, die Palästinenser angreifen“, bezeichnet hatte. Für die ägyptische Jugend verlangte Mursi - damals als Führungsmitglied der islamistischen Muslimbruderschaft - eine Erziehung „zum Hass auf die Juden und Zionisten“. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington sagte, McCain werde Mursi über die amerikanische Sichtweise unterrichten.

          Wechsel zur englischen Sprache

          Der Präsident wolle keine Fragen zu den Äußerungen aus der Zeit vor seiner Wahl im Juni 2012 beantworten, ehe er nicht mit McCain zusammengekommen sei, teilte Präsidentensprecher Jasser Ali dieser Zeitung vor Beginn des Interviews mit, das unmittelbar vor dem Treffen Mursis mit dem amerikanischen Senator stattfand. Fragen könnten aber schriftlich nachgereicht werden. Vergangene Woche hatte schon die Zeitung „New York Times“ mehrere Anläufe unternommen, eine Stellungnahme des Präsidialamtes zu erlangen - vergeblich. Nach der Zusammenkunft der beiden Politiker sagte Mursis Sprecher, die Zitate von 2010 seien „aus dem Zusammenhang gerissen“ worden. Sie hätten unter dem Eindruck des Gaza-Krieges 2009 gestanden, bei dem mehr als 1300 Palästinenser und 13 Israelis getötet wurden.

          Im Gespräch mit dieser Zeitung, das von einem Kamerateam des Präsidialamtes gefilmt wurde, bekräftigte Mursi seine schon am Abend seines Wahlsieges getroffene Versicherung, den Friedensvertrag mit Israel einzuhalten. Als der Sprecher des sich offen und herzlich gebenden Präsidenten schon signalisiert hatte, dass das Gespräch vorbei sei, ließ Mursi von sich aus zwei weitere Fragen zu - „um Ihr Gespräch zu vervollständigen, wenn Sie das wünschen“, sagte er auf Englisch und wechselte bis zum Schluss nicht mehr zurück ins Arabische, welches das Protokoll eigentlich für Interviews des ägyptischen Staatsoberhauptes vorsieht.

          Mehrere Jahre hat der Anfang der 1980er Jahre an der Universität von Kalifornien promovierte Präsident in den Vereinigten Staaten gelebt; vor seiner Reise nach Berlin Ende Januar betonte er, Deutschland von früheren Besuchen her zu kennen. Mit der Leichtigkeit freilich, mit der sich der aus einfachen Verhältnissen stammende Mursi damals bewegen konnte, ist es mit dem Amtsantritt vorbei. Vor mehreren Eingängen des Präsidentenpalastes, in dem bis zu seinem Sturz vor zwei Jahren Husni Mubarak residierte, stehen Polizisten aufgereiht. Um den Amtssitz zu schützen, wo es Ende 2012 zu gewaltsamen Protesten gekommen war, sind die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Auch eine Fahrt ohne Eskorte von seinem Wohnsitz im Norden Kairos zur Arbeitsstätte ist nicht mehr denkbar. Direkt nach seiner Wahl vergangenen Sommer hatte Mursi das noch vorgehabt.

          Topmeldungen

          Vater und Kind auf einem Spielplatz (Archivbild)

          Gesetzeslücke : Das Geschäft mit den Scheinvaterschaften

          Wenn ein Sozialhilfeempfänger angibt, er sei der Vater des Kindes einer ausländischen Frau, bekommt sie ein Aufenthaltsrecht und Sozialleistungen. Daran verdienen auch Notare mit.

          Zukunft des Bayern-Trainers : Geheimnisvolle Gespräche von Flick

          Der FC Bayern und sein scheidender Trainer stehen vor dem Gewinn des Titels in der Bundesliga. Zuvor bekommt Hansi Flick viel Post – und spricht über Julian Nagelsmann sowie seine eigene Zukunft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.