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Gewalt in Nahost : Israelis bewaffnen sich

  • Aktualisiert am

Ganze Stadtviertel in Jerusalem sollen abgeriegelt werden. Bild: AP

Tausende Israelis beantragen derzeit einen Waffenschein, um sich gegen Messerattacken durch Palästinenser zu schützen. Das Telefonzentrum des Ministerium für Innere Sicherheit ist zusammengebrochen.

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          Angesichts einer Serie palästinensischer Messerattacken wollen sich Tausende Israelis bewaffnen. Der israelische Armeesender berichtet von einem deutlichen Anstieg der Anträge auf einen Waffenschein. Polizeiminister Gilad Erdan hatte wegen der vielen Anschläge angekündigt, er wolle den Prozess zum Erwerb eines Waffenscheins erleichtern und beschleunigen. Das zuständige Ministerium für Innere Sicherheit sei allerdings nicht in der Lage, den vielen Anträgen nachzukommen, berichtete der Sender. Das Telefonzentrum der Behörde sei zusammengebrochen, daher könnten derzeit auch keine neuen Waffenscheine ausgestellt werden.

          Seit Monatsbeginn sind acht Israelis bei Messerangriffen von Palästinensern getötet worden. Mehr als 40 Palästinenser kamen ums Leben, die Mehrheit davon Attentäter, die bei ihren Anschlägen erschossen wurden. Die Übrigen wurden bei Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften getötet.

          Wie aufgeladen die Situation ist, zeigt der Tod eines Eritreers in der südisraelischen Stadt Beerscheba. Er ist den schweren Verletzungen erlegen, die dem unbeteiligten Mann am Sonntagabend nach einem Attentat in der südisraelischen Stadt Beerscheba von einem Wachmann und wütenden Umstehenden zugefügt worden waren. Wie die Polizei mitteilte, starb der 26 Jahre alte afrikanische Migrant in einem Krankenhaus der Großstadt in der Negevwüste. Der Eritreer, der zur Verlängerung seines Arbeitsvisums nach Beerscheba gereist war, hatte sich zufällig im Busbahnhof aufgehalten, als dort der Anschlag geschah.

          Ein arabischer Israeli hatte dabei ein Messer und eine Pistole gezückt, einen 19 Jahre alten Soldaten getötet, dessen Gewehr erbeutet und dann rund zehn weitere Menschen verletzt, einige davon schwer. Der 21 Jahre alte Angreifer Muhanad al-Akabi, ein Beduine aus der Nachbarstadt Hura, wurde von Polizisten erschossen. Ein Wachmann hielt den dunkelhäutigen Eritreer fälschlicherweise für einen Komplizen und schoss ihn an.

          Videoaufnahmen lösen Bestürzung aus

          Was dann folgte, löste in Teilen der israelischen Öffentlichkeit große Bestürzung aus und ist ein Beleg für die Mischung aus Furcht und Zorn, die das Klima im Land derzeit vergiftet: Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie dutzende Passanten um den auf dem Boden liegenden Afrikaner stehen, ihn beschimpfen und mehrfach Männer dem Verletzten Fußtritte versetzen. Einmal wird er schwer am Kopf getroffen.

          Die Rettungssanitäter kümmerten sich, wie die Videos augenscheinlich belegen, zunächst um die vielen weiteren Verletzten, aber nicht um den Eritreer. Die Polizei teilte mit, sie wolle die Beteiligten an den Misshandlungen ermitteln und strafrechtlich verfolgen. „Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst und werden niemandem erlauben, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen“, hieß es in einer Pressemitteilung.

          Angesichts einer neuen Gewaltwelle will Israel arabische und jüdische Viertel im Ostteil Jerusalems mit einer Mauer trennen. Das arabische Viertel Issawijeh solle eingezäunt und damit de facto zu einer Enklave in Jerusalem werden, berichtete der israelische Rundfunk am Montag.

          Sperrung mit Betonblöcken

          Teil des Plans sei eine 1,5 Kilometer lange und neun Meter hohe Mauer, deren Baukosten auf umgerechnet 4,6 Millionen Euro geschätzt werden. Die Mauer solle verhindern, dass Palästinenser aus Issawijeh Steine und Brandflaschen auf Autos werfen, die auf einer naheliegenden Straße zwischen Jerusalem und der Siedlerstadt Maale Adumim unterwegs sind.

          Ein anderer Teil des Viertels mit rund 20.000 Einwohnern solle mit Betonblöcken abgesperrt werden. Eine ähnliche Sperre sei zwischen der israelischen Siedlung Armon Hanaziv und den arabischen Vierteln Dschabel Mukaber und Sur Baher geplant.

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