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Vermisste jüdische Studenten : Israel droht Abbas mit „sehr ernsten Folgen“

Großer Einsatz: Israelische Soldaten patrouillieren in Hebron im Westjordanland Bild: AFP

Nach wie vor fehlt jede Spur von den drei mutmaßlich entführten jüdischen Studenten. Israel macht die Hamas für ihr Verschwinden verantwortlich. Noch immer gibt es kein Lebenszeichen.

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          Von den drei verschwundenen Studenten fehlt noch jede Spur. Doch für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu war schon am Sonntag alles klar: Die Hamas hat die drei jungen Jeschiva-Studenten entführt, die seit Donnerstagabend im Westjordanland vermisst werden. Für Netanjahu ist das keine Überraschung: Die islamistische Organisation habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie Israel zerstören wolle, sagte er am Sonntag. Nun muss nach seiner Ansicht auch die internationale Gemeinschaft einsehen, dass der palästinensische Präsident Mahmud Abbas einen Pakt mit Terroristen eingegangen sei, als er mit Billigung der palästinensischen Islamisten eine Übergangsregierung bildete. Netanjahu drohte Abbas mit „sehr ernsten Folgen“, obwohl sich auch die palästinensischen Sicherheitskräfte von Anfang an an der fieberhaften Suche beteiligten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Wesentlich wortkarger gaben sich Netanjahu und die israelischen Militärs, wenn es um konkrete Spuren der ersten Entführung von gleich drei israelischen Zivilisten im Westjordanland ging. In der Gegend von Hebron, wo die drei jungen Männer zuletzt an einer Bushaltestelle gesehen worden, begann eine der größten Militäraktionen seit vielen Jahren. Eine komplette Fallschirmjägerbrigade und weitere Einheiten waren am Wochenende ins südliche Westjordanland verlegt worden. Israelische Sicherheitskräfte nahmen mehr als 80 Palästinenser fest, die meisten von ihnen waren Hamas-Mitglieder und -Politiker. Zugleich riegelten die Soldaten Hebron und mehrere Dörfer praktisch von der Außenwelt ab. Am Nachmittag errichteten sie Straßensperren mit Betonblöcken. Einwohner berichteten, dass sie die Stadt nicht verlassen durften.

          Traumatische Erinnerung an Schalit-Entführung wird wach

          Die hektischen Aktivitäten in und um Hebron sind ein Hinweis darauf, dass die drei Vermissten und ihre Entführer immer noch dort vermutet werden. Am Freitag hatte die Polizei auch Kontrollpunkte an den Straßen in Richtung Süden eingerichtet. Damit wollte man verhindern, dass die Studenten in den Gazastreifen gebracht werden; unter dem israelischen Grenzzaun haben Terroristen mehrere Tunnel gegraben. Die Entführung der drei Studenten weckte in Israel traumatische Erinnerungen an den Soldaten Gilad Schalit. Er war im Jahr 2006 aus seinem Panzer heraus durch einen Tunnel unter der Grenze in den Gazastreifen verschleppt worden. Er kehrte erst mehr als fünf Jahre später im Austausch gegen mehr als tausend palästinensischen Häftlinge zurück.

          In Israel wird vermutet, dass die Entführer auch jetzt versuchen könnten, mit den drei Studenten im Alter von 16 und 19 Jahren Gefangene freizupressen; einer der Entführten besitzt auch die amerikanische Staatsangehörigkeit. Doch ein solches Tauschgeschäft könnte sich schwierig gestalten. In der vergangenen Woche beschloss das israelische Kabinett, eine Begnadigung von Terroristen durch den Präsidenten künftig unmöglich zu machen; dem Gesetzentwurf muss das Parlament noch zustimmen.

          In Israel wuchs am Sonntag die Sorge um das Leben der drei jungen Leute. Bis zum Abend gab es kein Lebenszeichen, nur mehrere Selbstbezichtigungen im Internet. In einem islamistischen Forum war behauptet worden, die Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien“ (Isis) stecke hinter der Tat. Netanjahus Festlegung auf die Hamas machte jedoch deutlich, dass der israelische Sicherheitsapparat diese Spur für wenig glaubwürdig hält. In Gaza wies ein Hamas-Sprecher die israelischen Beschuldigungen als „dumm“ zurück. Sie zeigten, dass man in Israel immer noch nicht wisse, wer die Entführer seien. Für die Hamas-Führung in Gaza und den palästinensischen Präsidenten Abbas kommt die Tat zu einem schwierigen Zeitpunkt: Sie bemühen sich um internationale Unterstützung für ihre gemeinsame Übergangsregierung, die sie erst vor zwei Wochen mit Billigung der Hamas gebildet hatten.

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