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Kampf gegen IS-Terror : Immer mehr Länder liefern Waffen an Kurden

  • Aktualisiert am

Kurdische Peschmerga im Kampf gegen IS-Truppen Bild: AFP

Die Bundesregierung will bis zum Wochenende über Waffenlieferungen an Iraks Kurden entscheiden. Andere Länder haben bereits reagiert.

          3 Min.

          Angesichts der wachsenden Bedrohung durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) unterstützen immer mehr Länder die Kurden im Nordirak mit Waffen. Nach Angaben des amerikanischen Verteidigungsministeriums liefern nun auch Kanada, Dänemark, Kroatien und Albanien Kriegsgerät. Die Lieferungen, die auch militärische Ausrüstung enthielten, hätten bereits begonnen, teilte Verteidigungsminister Chuck Hagel am Dienstag (Ortszeit) mit. Sie sollten in den kommenden Tagen noch ausgeweitet werden und auch die Unterstützung weiterer Länder beinhalten, hieß es.

          Die Bundesregierung wird nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel spätestens am Wochenende über Waffenlieferungen in den Irak entscheiden. „Wir werden im Laufe dieser Woche, einschließlich Sonntag, sag ich mal, also noch vor der Bundestagssitzung, unsere abschließenden Entscheidungen fällen“, sagte Merkel dem Sender „MDR Info“. Die Kanzlerin betonte, der Bundestag könne dann über das Thema debattieren, es werde aber keine formale Entscheidung des Parlaments geben.

          Italien, Frankreich und Großbritannien, denen Hagel ebenfalls für ihre Mitarbeit dankte, hatten zuvor bereits Rüstungslieferungen für den Kampf gegen die IS-Miliz in Aussicht gestellt. Die Terrorgruppe will ein länderübergreifendes Kalifat mit Irak und Syrien errichten und hat dabei bereits zahlreiche Greueltaten gegen Zivilisten verübt.

          Das amerikanische Militär begann unterdessen mit Aufklärungsflügen über Syrien als Vorbereitung für mögliche Luftangriffe gegen die in Teilen des Landes herrschende Terrormiliz. Das berichtete der Sender NBC. Bombardements von IS-Stellungen in Syrien seien jedoch noch nicht beschlossen worden. Eine Entscheidung könne Ende der Woche fallen.

          Das Weiße Haus in Washington bestätigte die Berichte nicht. Allerdings sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur: „Wir schränken unsere Optionen nicht durch geografische Grenzen ein, wenn es um unsere zentrale Mission geht, unsere Bürger zu beschützen.“ Nach amerikanischen Medienberichten hatte Präsident Barack Obama Drohnenflüge bereits am Wochenende genehmigt. Eine Zustimmung der syrischen Regierung solle dafür nicht eingeholt werden, hieß es weiter.

          Irak : Auf der Flucht vor IS-Milizen

          Die Extremisten beherrschen im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Zudem gibt es Berichte, dass sie weiter starken Zulauf von neuen Kämpfern erhalten. Insgesamt soll die Terrorgruppe in Syrien etwa 50.000 Mann in ihren Reihen zählen.

          Syriens Außenminister warnt Amerika

          Bislang greifen amerikanische Kampfjets regelmäßig nur IS-Stellungen im Nachbarland Irak an. Dort unterstützen die Vereinigten Staaten kurdische Einheiten und die irakische Armee im Kampf gegen die Dschihadisten, die große Regionen im Norden und Westens des Iraks beherrschen. Syrien dient den Extremisten dabei als sicherer Rückzugsraum. Kämpfer und Waffen können die Grenzen der beiden Länder praktisch ungehindert passieren.

          Syriens Außenminister Walid al Muallim hatte Amerika am Montag vor einem eigenmächtigen Eingreifen in Syrien gewarnt. Angriffe auf syrischen Boden ohne Absprache mit der Regierung würden als Aggression angesehen, sagte er bei einer Pressekonferenz in Damaskus. Zugleich bot er dem Westen eine Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus an. Diese sei jedoch nur möglich, wenn die internationale Gemeinschaft „die Führung und Unabhängigkeit“ Syriens respektiere. Bislang sind die Vereinigten Staaten und andere westliche Länder scharfe Gegner der Regierung in Damaskus.

          Kampf in Syrien

          Der Druck auf das Regime von Präsident Baschar al Assad ist gestiegen, nachdem IS-Milizen am Wochenende nach tagelangen heftigen Kämpfen den strategisch wichtigen Militärflughafen Al Tabqa im Nordosten des Landes eingenommen hatten. Das Gelände war die letzte Bastion des Regimes in der Provinz Al Raqqa, einer IS-Hochburg.

          Syrische Kampfjets flogen am Dienstag neue Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Al Raqqa und der Nachbarprovinz Dair as Saur, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Beide Provinzen stehen fast vollständig unter Kontrolle der Dschihadisten.

          Gemäßigtere Rebellen fügten den IS-Extremisten im Norden Syriens gleichzeitig eine Niederlage zu. Die Freie Syrische Armee (FSA) und islamistische Milizen kontrollierten vier Dörfer nördlich der Stadt Aleppo, berichtete die oppositionsnahe Nachrichtenseite Smart News. Zuvor habe es heftige Kämpfe gegeben, bei denen Dutzende IS-Kämpfer getötet worden seien. Angaben zu Opfern aufseiten der Gegner der Extremisten gab es nicht.

          Die Terrorgruppe war in den vergangenen Wochen von Nordosten her auf Aleppo vorgerückt. Teile der Stadt stehen unter Kontrolle gemäßigterer Regimegegner. Diese werden zugleich von Soldaten der syrischen Armee attackiert, die südlich und östlich von Aleppo Stellungen hält. Von Aleppo aus führt eine wichtige Versorgungsroute der gemäßigteren Oppositionellen zur türkischen Grenze im Norden.

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