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Syrischer Bürgerkrieg : Es bleibt nur die Flucht oder der Tod

Warten auf Einlass: Syrische Flüchtlinge nahe der türkischen Grenze Bild: AFP

Im russischen Bombenhagel geraten die Rebellen in Aleppo zunehmend in Bedrängnis. Die syrische Opposition fühlt sich alleine gelassen - und die Wut auf das zaudernde Amerika wächst.

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          Noch zeigen sich die Rebellen kämpferisch. „Wir bereiten die Verteidigung Aleppos vor“, sagt Muhammad Yasser al Youssef am Telefon. Er gehört zum Politbüro der Bewegung Nour al din al Zenki, die zu den großen Gruppen der Assad-Gegner in der zerstörten Stadt gehört. Details könne er natürlich nicht preisgeben, sagt er. Nur so viel: „Wir glauben zu wissen, wo das Regime angreifen will, wir heben Tunnel und Schützengräben aus und legen Sprengfallen.“ Oppositionsaktivisten forderten am Sonntag, im Angesicht des vorrückenden Feindes sollten sich die verschiedenen Rebellengruppen innerhalb der nächsten drei Tage zur „Armee von Aleppo“ zusammenschließen. Die internationalen Umstände und die Gebietsverlusten an verschiedenen Fronten machten es notwendig, dass die Führer der wichtigen Brigaden jetzt die Reihen schlössen, hieß es in einer im Internet verbreiteten Erklärung. Wer dem Aufruf nicht folge, sei ein Verräter.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Dorf für Dorf nehmen die Truppen des Regimes in den ländlichen Regionen im Norden der früheren Wirtschaftsmetropole ein. So schneidet die Regierungsarmee Aleppo vom Nachschub aus der Türkei ab. Nach Angaben von Kommandeuren der oppositionellen Freien Syrischen Armee erhält das Militär massive Unterstützung schiitischer Milizionäre und Kämpfer der libanesischen Hizbullah. Kriegsentscheidend ist aber die russische Luftwaffe, die nach den Schilderungen von Aktivisten in Verbänden von fünf, sechs Kampfflugzeugen Angriff auf Angriff fliegt und den Rebellen keine Atempause lässt.

          Regime profitiert von den fortgesetzten Kampfhandlungen

          Als der Gewaltherrscher Baschar al Assad im vergangenen Herbst an mehreren Fronten Gegenoffensiven startete, hatten die Aufständischen noch standhalten und Assads Armee mit ihren Panzerabwehrwaffen herbe Verluste beibringen können. Doch dem Dauerbombardement der Russen sind sie schutzlos ausgeliefert. Die Piloten können ihre ungelenkten Bomben aus niedriger Höhe abwerfen, weil die Rebellen nicht im Besitz schultergestützter Flugabwehrwaffen sind. Ihnen bleibt nur die Flucht oder der sichere Tod.

          „Das Regime zerbombt jegliches ziviles Leben, Wladimir Putin macht, was er will, schießt Assad den Weg frei – und Europa bekommt die Flüchtlinge ab“, hatte ein frustriertes Mitglied des oppositionellen Verhandlungsteams in Genf nach dem Aussetzen der Syriengespräche gesagt. Jeder Tag ohne Waffenstillstand ist zurzeit ein guter Tag für das Damaszener Regime und seine Waffenbrüder. Der russische Machthaber und der syrische Diktator sind offensichtlich entschlossen, die Opposition aus den für das Regime bedeutenden Teilen Syriens mit militärischen Mitteln herauszudrängen oder sie dort zu vernichten. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich der Ring um den von Rebellen gehaltenen Osten Aleppos schließt. Dort leben Hunderttausende Menschen – ihnen droht eine lange Belagerung. Es ist kaum davon auszugehen, dass Assad seine ausgezehrte Armee in einen verlustreichen Häuserkampf zur Rückeroberung der Stadt führt, die einen immensen symbolischen und strategischen Wert hat. Er dürfte vielmehr auf die üblichen und erprobten Instrumente aus seinem Werkzeugkasten zurückgreifen: Einkesseln und Aushungern, Fassbomben auf Wohnviertel. Bis die Opposition aufgibt und im Rahmen eines Waffenstillstandes abzieht. „Es wäre ein humanitäres Desaster, sollte Aleppo belagert werden“, sagt auch Oppositionsfunktionär Muhammad Yasser al Youssef. „Was wir dann noch tun könnten, wäre zu versuchen, Schlupflöcher in den Belagerungsring zu reißen.“

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