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Im Norden Syriens : Zahlreiche Tote bei Luftangriff auf Flüchtlingslager

  • -Aktualisiert am

Seit vier Jahren umkämpft: Ein Straßenzug im von Rebellen kontrollierten Teil der Altstadt Aleppos am Donnerstag. Bild: Reuters

Bei der Attacke an der Grenze zur Türkei sterben mindestens 28 Menschen. Dagegen hält bislang die Feuerpause in Aleppo. Trotzdem steht die Glaubwürdigkeit von Russland und Amerika auf dem Spiel.

          Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden Syriens sind mindestens 28 Menschen getötet und etwa 50 weitere verletzt worden. Aufgrund der Anzahl von Schwerverletzten werde noch mit weiteren Todesopfern gerechnet. Dies teilten am Donnerstag Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Bei der Attacke in der Stadt Sarmada in der Provinz Idlib nahe der Grenze zur Türkei kamen demnach auch mindestens sieben Kinder ums Leben. Wer dafür verantwortlich ist, war zunächst unklar.

          Der Chef der in Aleppo ansässigen und den Rebellen nahestehenden Nachrichtenagentur Schahba, Mamun al-Chatib, machte die syrischen Streitkräfte für die Angriffe verantwortlich. Zwei Kampfjets der Luftwaffe hätten vier Raketen auf das Lager am Rande des Dorfes al-Kammuna abgefeuert, sagte al-Chatib. Zwei Raketen seien nahe dem Camp eingeschlagen und hätten eine Panik ausgelöst; zwei weitere hätten das Lager direkt getroffen, mehrere Zelte hätten Feuer gefangen. In sozialen Onlinenetzwerken verbreitete Aufnahmen zeigten Helfer bei dem Versuch, brennende Zelte zu löschen. Zehntausende Flüchtlinge leben in Lagern im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei, davon befinden sich mehrere Flüchtlingscamps in Idlib.

          Verhältnismäßig ruhiger Tag in Aleppo

          Unterdessen erlebten die Menschen im nur etwa dreißig Kilometer entfernten Aleppo nach Tagen andauernder Luftangriffe am Donnerstag einen verhältnismäßig ruhigen Tag. Am Mittwoch hatte die syrische Armeeführung erklärt, eine Feuerpause trete um ein Uhr in der Nacht in der seit fast vier Jahren umkämpften Großstadt in Kraft. Achtundvierzig Stunden soll sie halten, hieß es zunächst. Für die Hauptstadt Damaskus, ihr Umland und die Front im Norden der Küstenprovinz Latakia waren solche Feuerpausen schon vorher ausgerufen worden. Am Donnerstagnachmittag meldete der arabische Sender Al Dschazira Luftangriffe im Umland von Aleppo.

          Dass es bestenfalls eine brüchige Waffenruhe und einen Rückgang der Gewalt geben würde, war allgemein erwartet worden. Spaltpilz in den Verhandlungen war wieder die unter dem Banner von Al Qaida kämpfende Nusra-Front. Dass russische Militär warf den Dschihadisten vor, die Gespräche über eine Ausweitung der Feuerpause auf Aleppo durch Angriffe behindert zu haben. Sowohl Moskau als auch Damaskus haben in der Vergangenheit immer wieder nichtdschihadistische Rebellengruppen unter dem Vorwand angegriffen, die Nusra-Front treffen zu wollen, die in Teilen der Oppositionsgebiete mit moderaten Rebellengruppen verbündet ist.

          Am Ende konnten Amerika und Russland am Mittwoch nach Tagen diplomatischer Bemühungen einen Verhandlungserfolg verkünden, der nach dem bekannten Muster funktionieren sollte: Washington und Moskau einigen sich und wirken dann auf ihre Schützlinge ein – den syrischen Präsidenten Baschar al Assad sowie die Rebellen. Das dürfte der noch schwierigere Teil werden. Als Reaktion auf die Feuerpause waren am Donnerstag aus beiden Lagern misstrauische Töne und neue Kampfansagen zu vernehmen. Das oppositionelle Syrische Hohe Verhandlungskomitee forderte, die internationale Gemeinschaft müsse eine Feuerpause durchsetzen, die für ganz Syrien und nicht nur ausgewählte Teile gelte. Assad Nasif, ein General der Freien Syrischen Armee, der eine Brigade im Umland von Aleppo befehligt, sagte am Telefon: „Die Feuerpause ist eine Pause für das Regime, das seine Kräfte wieder sammeln und neu sortieren muss.“ Die Truppen Assads hätten in den vergangenen Wochen zweihundert Männer verloren.

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