https://www.faz.net/-gq5-75u8y

Im Gespräch: Muhammad Mursi : „Wir wollen keinen Gottesstaat“

  • Aktualisiert am

Mit der neuen Verfassung sind wir Ägypter alle gleich. Vom Staatspräsidenten bis zum kleinsten Bürger. Die Zeit der Diktatur ist vorbei. Wir haben nur noch einen weiteren wichtigen Schritt vor uns, die Wahl des neuen Parlaments, und der wird in wenigen Monaten erfolgen. Die Verfassungserklärung war zwingend notwendig, um die Errungenschaften der Revolution zu wahren. Niemand hat Schaden genommen, weder Personen noch Institutionen. Einige Artikel in der Erklärung wurden falsch interpretiert und falsch verstanden. Ich habe von meinen legislativen Befugnissen keinerlei Gebrauch gemacht, nicht gegen Personen oder gegen irgendeine Institution.

Und doch ist das Klima so aufgeheizt, dass es heftige Straßenschlachten gibt.

Nach Verabschiedung der Verfassung ist wieder Normalität eingekehrt. Meinen Sie wirklich, dass es nach der Revolution vom 25. Januar möglich sein kann, dass eine neue Diktatur entsteht? Ich respektiere die Meinung von anderen und arbeite daran, dass Meinungsfreiheit herrscht. Meine Arbeit besteht darin, die Interessen aller Ägypter zu wahren.

Sie haben einen „tiefen Staat“ aus Kreisen der Sicherheitskräfte und der Justiz für konterrevolutionäre Umtriebe verantwortlich gemacht. Wie stark sind diese Kräfte noch?

Die Korruption wucherte nicht nur in der Diktatur, sondern hat auch heute noch Möglichkeiten, den Weg der Freiheit und der Demokratie mit allen Mitteln zu verhindern. Aber diese Korruption nimmt mit der Zeit ab. Die Diktatur und die Bürokratie, die über Jahrzehnte geherrscht haben, bekämpfe ich im Rahmen der Verfassung mit dem Gesetz und der Justiz. Ich gehe diesen Weg mit aller Stärke, aber nicht durch Sondermaßnahmen.

Ende Januar werden Sie nach Berlin reisen. Was erwarten Sie von diesem Besuch?

Deutschland hat viel zu bieten, was wir nutzen können: Wissenschaft, Technologie, eine stabile Wirtschaft. Andererseits hat auch Ägypten viel anzubieten, was Deutschland nutzen kann: etwa als Standort für Investitionen. Ägypten ist das wichtigste Tor nach Afrika. Ich wünsche, dass die deutsche Rolle in Ägypten und im Nahen Osten größer wird - wirtschaftlich und politisch, um zu Stabilität und zu Frieden in der Region beizutragen. Wir bewegen uns auf starke Beziehungen mit Deutschland zu, insbesondere beim Transfer von Technologie, vor allem bei Entwicklung und Forschung.

Was wollen Sie tun, um Arbeitsplätze in Ägypten zu schaffen?

Investitionen sind der Schlüssel. Viele ägyptische und ausländische Firmen wollen in Ägypten investieren, dafür müssen wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen. Ägypten hat ein großes Potential im Vergleich zu anderen Ländern, und das ist auch den Investoren bewusst, die nach Ägypten kommen wollen und hier Arbeitsplätze schaffen. Wirtschaftlich haben wir noch eine weite Strecke zurückzulegen, nachdem wir schon viele Erfolge erzielt haben auf dem Weg der Demokratisierung und der politischen Stabilisierung des Landes.

Nicht nur der Konflikt zwischen Israel und Palästina lässt den Nahen Osten nicht zur Ruhe kommen
Nicht nur der Konflikt zwischen Israel und Palästina lässt den Nahen Osten nicht zur Ruhe kommen : Bild: REUTERS

 Wird Ägypten weiter ein Partner des Westens sein oder eine Politik der Unabhängigkeit verfolgen?

Gibt es einen Widerspruch zwischen Unabhängigkeit und Partnerschaft?

Topmeldungen

Traute Runde (von links): Heinz Göldner, Helmut Thümmel, Elisabet Thümmel, Dieter (Dietrich) Klos, Ursula Pischmann und Brigitta Lehmann-John.

Serie „Besuch beim Wähler“ (5) : Hart am Wasser

Die Senioren des Dresdner Kanusportvereins haben ihre Leidenschaft über die Zeitenwende gerettet – über Politik reden sie lieber nicht, denn da fliegen schnell die Fetzen.
Rain Man: Robert Habeck gibt im Wahlkampf alles

Fraktur : Und ewig währt das Kämpfen

Das Leben ist ein ewiger Kampf, ob um Olympiagold gekämpft wird oder gegen den inneren Schweinehund. Robert Habeck kämpft sogar im durchnässten Outfit.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.