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Im Gespräch: Ägyptens Tourismusminister : „Der Westen soll sich raushalten“

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Ägyptens Tourismusminister Monir Fakhri Abdel Nour : „Aus den schmerzvollen Erfahrungen im Irak lernen” Bild: Andreas Pein; F.A.Z.

Den Gegnern der Revolution werde es nicht gelingen, Chaos herbeizuführen, sagt Ägyptens Tourismusminister, Monir Fakhri Abdel Nour, ein koptischer Christ. Der Generalsekretär der Wafd-Partei spricht gegen ein militärisches Eingreifen des Westens in Libyen aus.

          Herr Minister, in Kairo ist es wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Haben die Kräfte des alten Regimes noch nicht aufgegeben?

          Ich glaube nicht. Es ist eine kleine Minderheit, die will, dass die Revolution scheitert. Aber sie werden keinen Erfolg haben. Schon in der vergangenen Woche wurde versucht, eine Kirche in einem Dorf anzuzünden. Das führte zu Ausschreitungen. Aber die Lage hat sich schnell beruhigt. Die Demokratiebewegung hat sich schon am Freitag wieder auf dem Tahrir-Platz versammelt, um ihre Ziele zu verteidigen.

          Sie trauen also dem Obersten Militärrat, der sagt, er wolle dem demokratischen Wandel den Weg bereiten?

          Auf jeden Fall. Ich habe nicht den Hauch eines Zweifels. Sie wollen so schnell wie möglich die Macht an eine frei gewählte Regierung übergeben.

          Es gab zeitweilig Klagen, die zugesagten Reformen kämen nicht schnell genug. So sollen etwa immer noch viele politische Gefangene in den Gefängnissen sitzen.

          Das sehe ich nicht. Der Verfassungsprozess kommt schnell voran. Es wurde ein Verfassungskomitee eingerichtet, das Verfassungsänderungen vorgeschlagen hat, die faire und freie Wahlen garantieren sollen. Über die Vorschläge soll am 19. März ein Referendum abgehalten werden. Das ist die Voraussetzung für Wahlen. Diskutiert wird nur noch, ob es zunächst eine Präsidentenwahl gibt und dann Parlamentswahlen oder umgekehrt. Im Moment sieht es so aus, als würde zunächst ein neues Parlament gewählt.

          Wäre es andersherum nicht sinnvoller? So gäbe es mehr Zeit, neue politische Parteien auf die Beine zu stellen.

          Das sehe ich auch so. Ich glaube, das letzte Wort darüber ist noch nicht gesprochen. Wir wollen verhindern, dass jene Kräfte im Vorteil sind, die schon über Strukturen verfügen.

          . . . wie Ihre Wafd-Partei oder aber die Muslimbrüderschaft. . .

          Ja, das stimmt. Wir sind die älteste politische Partei in Ägypten und in der arabischen Welt. Es wäre also ein Nachteil für die anderen.

          Zu den Präsidentenwahlen: Amr Musa gilt als erfolgversprechender Kandidat. Er befindet sich aber als Generalsekretär der Arabischen Liga in einer Doppelrolle. Ist das ein Problem?

          Nein, das denke ich nicht. Seine Amtszeit endet im Mai. Er wollte schon auf dem Gipfel der Arabischen Liga in Bagdad vergangenen Monat sein Amt niederlegen, dann fiel das Treffen aber aus. Er ist ein erfolgversprechender Kandidat, doch es gibt auch andere.

          Wer ist Ihr Favorit?

          Ach, die sind alle sehr gut.

          Aha. Musa ist momentan stark mit Libyen befasst. Sollte der Westen eine Flugverbotszone durchsetzen?

          Der Westen sollte sich überhaupt nicht einmischen. Er hat zuletzt sehr schmerzvolle Erfahrungen im Irak gemacht. Daraus sollte der Westen lernen.

          Was sollte Ihrer Meinung nach denn geschehen?

          Die Arabische Liga oder auch die Afrikanische Union sollten zwischen den Bürgerkriegsparteien in Libyen vermitteln.

          Aber der Westen hat doch schon entschieden, dass der libysche Diktator Gaddafi abtreten muss. Was gibt es da zu vermitteln?

          Es wird darum gehen, unter welchen Bedingungen er abzutreten bereit ist.

          Bedeutet die Libyen-Krise einen Rückschlag für die arabische Demokratiebewegung? Können andere autoritäre Regime jetzt die Lehre ziehen: Der Westen interveniert nicht und Repression funktioniert?

          Funktioniert Repression? Das glaube ich nicht. Auch nicht, dass Libyen einen Rückschlag bedeutet. Es geht doch weiter: Marokko ändert seine Verfassung, Jemen folgt – Demokratisierung setzt keinen Abtritt der Machthaber voraus.

          Sie sind nach Berlin gekommen, um auf der ITB für den Tourismus Ihres Landes zu werben. Machen die Leute wieder Urlaub in Ägypten?

          Schon seit Ende Februar erholt sich die Lage in den klassischen Urlaubsorten. Auch in Kairo ist die Polizei wieder auf den Straßen und gewährleistet Sicherheit. Das ist für uns sehr wichtig. Jeder siebte Arbeitsplatz hängt bei uns vom Tourismus ab. Ich habe deshalb meine deutschen Gesprächspartner gebeten, den Steuerzuschlag für den Luftverkehr zumindest zu reduzieren. Ich hoffe auf eine positive Antwort.

          Die Fragen stellte Majid Sattar.

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