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Hizbullah in Ägypten : Terrorplaner nutzte Unruhen zur Flucht

  • -Aktualisiert am

Mohammed Jussuf Mansur wird nach seiner Rückkehr in Beirut gefeiert. Bild: dpa

Vor zwei Jahren plante er Anschläge auf israelische Touristen und schmuggelte Waffen an die Hamas - jetzt wird er von der Hizbullah gefeiert: Mohammed Jussuf Mansur gelang während der Unruhen die Flucht aus dem Gefängnis in Ägypten in den Libanon.

          Der bei den Unruhen in Ägypten aus dem Gefängnis geflohene Anführer einer Hizbullah-Zelle ist am Mittwochabend im Libanon öffentlich gefeiert worden. Bei einer Kundgebung im Süden Beiruts wurde Mohammed Jussuf Mansur, alias Sami Schehade, als „befreiter Gefangener“ und „Bruder in unserem Kampf“ begrüßt. Schehade war 2010 vom Obersten Staatssicherheitsgericht in Kairo wegen Planung terroristischer Anschläge zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Auch 26 andere Mitglieder der zwischen Ende 2008 und Anfang 2009 zerschlagenen Hizbullah-Zelle wurden im April vergangenen Jahres verurteilt, vier davon in Abwesenheit. Die meisten von ihnen waren Ägypter.

          Ägyptischen Angaben zufolge gelang nicht nur dem bis Ende Januar im Gefängnis von Wadi al Natrun nördlich von Kairo einsitzenden Mansur, sondern auch 21 anderen seit 2009 inhaftierten Häftlingen die Flucht. Gemeinsam mit Hamas-Kämpfern und Mitgliedern der Muslimbrüderschaft nutzten sie die Unruhen, die sich nach der ersten Massendemonstration am 25. Januar in der Hauptstadt auch auf andere Städte ausgebreitet hatten. Mansur soll nach seiner Verhaftung gestanden haben, Terroranschläge auf israelische Urlauber in den Ferienorten Taba, Dahab und Nuwweiba geplant zu haben. Den Auftrag zur Planung und Durchführung der Operation habe er von der Führung der Hizbullah im Libanon erhalten.

          Nasrallah: Mansur hat Hizbullah-Zelle geführt

          Das ohnehin seit Jahrzehnten angespannte Verhältnis der schiitischen Parteimiliz mit der sunnitischen Regionalmacht Ägypten ist seitdem erheblich gestört; nach der Verhaftung Mansurs 2009 wurde Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah von staatlichen Medien als „Kriegsverbrecher“ und „iranischer Agent“ bezeichnet. Nasrallah selbst gab seinerzeit zu, dass Mansur eine Hizbullah-Zelle geführt habe, deren Ziel freilich nie die Durchführung von Anschlägen auf ägyptischem Gebiet gewesen sein soll. „Was er an der ägyptisch-palästinensischen Grenze tat, war eine logistische Mission, um Waffen und Material in die palästinensischen Gebiete zu bringen“, sagte er im April 2009. Die ebenfalls von Iran geförderte palästinensische Hamas arbeitet spätestens seit dem Amtsantritt Mahmud Ahmadineschads als iranischer Präsident im August 2005 eng mit der Hizbullah zusammen.

          Anhänger der Hizbullah jubeln der auf einem Bildschirm übertragenen Rede Hassan Nasrallahs zu.

          Die Zerschlagung der Zelle führte deshalb auch zu einer Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Ägypten und Iran. Die Führung in Teheran lehnt Ägyptens Friedensvertrag mit Israel ab und unterstützt die im Gazastreifen allein herrschende islamistische Hamas logistisch und mit Waffen. Wie von der Investigativplattform Wikileaks veröffentliche Depeschen amerikanischer Diplomaten belegen, schlug Ägypten nach Auffliegen der Hizbullah-Zelle einen härteren Kurs gegenüber Iran ein. So sagte der damalige Geheimdienstchef Omar Suleiman dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, Michael Mullen, im April 2009, dass Ägypten „eine Konfrontation mit der Hizbullah und Iran“ begonnen habe: Man werde „Iran nicht erlauben, in Ägypten zu operieren“. Die monatlichen Geldtransfers Irans an die Hamas bezifferte Suleiman auf 25 Millionen Dollar. Zunehmend gelänge es den Sicherheitsbehörden jedoch, die über Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelten Gelder zu stoppen.

          Barak: ein neuer Krieg mit der Hizbullah ist nicht ausgeschlossen

          Bei der Kundgebung im von der Hizbullah kontrollierten Süden Beiruts wehten am Mittwochabend neben iranischen und solchen der „Partei Gottes“ auch ägyptische Fahnen. Nasrallah hatte den Sturz Präsident Husni Mubaraks zuvor als „historischen Sieg“ bezeichnet. Irans Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei stellte den ägyptischen Aufstand vergangene Woche in eine Linie mit dem Sturz des Schahs 1979 - und bezeichnete die Unruhen in der arabischen Welt als Zeichen „islamischen Erwachens“. Ein Sprecher des Außenministeriums in Kairo bezichtigte Nasrallah und Khamenei danach, „die ganze Region in Brand“ setzen zu wollen.

          Anwälte Mansurs hatten während des Prozesses eingeräumt, dass ihr Mandant tatsächlich Anschläge gegen israelische Ziele in Ägypten geplant habe - als Vergeltung für das Attentat auf Hizbullah-Militärchef Imad Mughnije am 12. Februar 2008 in Damaskus. Die Hizbullah-Führung habe ihm dafür jedoch die Zustimmung verweigert; sein Auftrag sei lediglich die logistische Unterstützung der Hamas gewesen. Bei der Kundgebung in Beirut am Mittwoch erneuerte Nasrallah seine Drohung, die gemeinhin Israel angelastete Ermordung Mughnijes zu rächen: „Den zionistischen Generälen sage ich: An welchem Ort und zu welcher Zeit auch immer ihr auf der Welt unterwegs seid, passt auf, denn das Blut Imad Mughnijes ist nicht umsonst geflossen.“ Tags zuvor hatte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak davor gewarnt, dass ein abermaliger Krieg mit der Hizbullah nicht ausgeschlossen sei. Rund um den Jahrestag des Attentats auf den früheren Hizullah-Militärchef gelten nicht nur in Israel, sondern auch in Botschaften im Ausland erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

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