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Metrojet-Absturz : Hinweise auf Explosion an Bord verdichten sich

Nach dem Unglück: Ägyptische Soldaten bergen die Gepäckstücke der Opfer. Bild: AFP

Fachleute hielten es bislang für unwahrscheinlich, dass IS-Kämpfer ein russisches Flugzeug über dem Sinai abgeschossen haben. Nun spekulieren amerikanische Medien über Lichtblitze, und russische Agenturen wollen von ungewöhnlichen Geräuschen an Bord wissen.

          Im Fall des am Samstagmorgen über dem Sinai abgestürzten russischen Airbus 321 sind zwischen den Trümmern angeblich „Elemente“ gefunden worden, „die nicht zur Konstruktion des Flugzeugs gehören“. Sie würden nun untersucht, zitierte die russische Staatsnachrichtenagentur Tass am Dienstag eine „informierte Quelle in Kairo“. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf eine ebensolche Quelle von der Untersuchung der Flugschreiber, die mittlerweile in Kairo begonnen hat, es seien „Geräusche“ zu hören, die „nicht charakteristisch für den planmäßigen Flug“ seien. Welcher Art diese Geräusche seien, wurde nicht mitgeteilt. Das letzte Gespräch der Piloten mit den Flugdienstberatern, den sogenannten Dispatchern, sei vier Minuten erfolgt, bevor das Flugzeug von den Radarschirmen verschwand. Weiter hieß es, von einer „technischen Störung“ an Bord sei nichts mitgeteilt worden.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Laut russischen Ermittlern brach der Airbus in der Luft auseinander. Eine Version zum Hergang sieht ein technisches Problem als Ursache. Nach der Interfax-Meldung zu urteilen, wurden die Piloten jedoch von dem fatalen Ereignis überrascht. Diese Vermutung hatte schon am Montag Alexander Smirnow geäußert, der stellvertretende Vorsitzende des Unternehmens Kogalymavia, dem das abgestürzte Flugzeug gehörte. Smirnow hatte sowohl einen Defekt als auch einen Pilotenfehler ausgeschlossen. „Offensichtlich verlor die Besatzung im Moment des Beginns der Entwicklung der Katastrophensituation vollständig ihre Arbeitsfähigkeit“, sagte Smirnow. Er führte den Absturz auf eine „mechanische Einwirkung auf das Flugzeug“ zurück und legte nahe, dass die 224 Menschen an Bord – 219 Russen, vier Ukrainer, ein Weißrusse – Opfer eines Anschlag wurden.

          Die Flugschreiber wurden schon geborgen, sie werden in Ägypten ausgewertet.

          Spekulationen über eine Explosion

          Dschihadisten, die auf dem Sinai gegen ägyptische Sicherheitskräfte kämpfen und sich mittlerweile zur „Sinai-Provinz“ der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) erklärt haben, hatten sich am Samstag damit gebrüstet, das Flugzeug „zum Fallen gebracht“ zu haben, als Vergeltung für Russlands Luftschläge zugunsten des Assad-Regimes im syrischen Bürgerkrieg. Fachleute hielten es am Dienstag weiterhin für unwahrscheinlich, dass die Kämpfer auf dem Sinai über Boden-Luft-Raketen verfügen, die nötig wären, um das Flugzeug aus rund zehn Kilometern Höhe abzuschießen. Doch wurde die Hypothese einer Explosion an Bord mittlerweile durch Berichte der amerikanischen Fernsehsender NBC und ABC genährt. Unter Berufung auf das amerikanische Verteidigungsministerium hieß es, Infrarotsensoren eines Satelliten, die dazu dienten, Raketenabschüsse festzustellen, hätten über dem Sinai zu der Zeit, in der das Flugzeug dort unterwegs war, „Lichtblitze“ registriert. Es könne eine Bombe oder ein Treibstofftank explodiert sein.

          Der Abschuss einer Rakete sei unwahrscheinlich, da der Satellit keine „Spur“ festgestellt habe. Die Messungen müssten nicht unbedingt etwas mit dem Absturz zu tun haben, da zur fraglichen Zeit „militärische Aktivität in der Gegend war“, hieß es. Das amerikanische Beratungsunternehmen Stratfor schrieb in einer Analyse, derzeit sei die wahrscheinlichste Erklärung für den Absturz ein „explosives Objekt“ an Bord. Erinnert wurde daran, dass Dschihadisten in Ägypten in den vergangenen Monaten recht komplizierte Sprengvorrichtungen eingesetzt hätten.

          Unterwegs im Trümmerfeld: Russische Ermittler untersuchen die Absturzstelle des Airbus um anhand der Flugzeugreste mehr über den Absturzgrund zu erfahren. Bilderstrecke

          Eine Anordnung von Putin

          Der Sicherheitsniveau am Flughafen des Badeorts Scharm al Scheich, von wo Flug 9268 in Richtung Sankt Petersburg gestartet war, sei „besonders schlecht“. Auch die Gepäckkontrollen seien nicht mit denen „in den Vereinigten Staaten oder Europa“ zu vergleichen. Europäische und israelische Fluglinien beständen daher oft auf zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, russische hingegen „üblicherweise nicht“. Die bisherigen Bezichtigungen von Islamisten, einschließlich eines im Internet grassierenden Videos, welches das Ende von Flug 9268 zeigen soll, seien allerdings „nicht glaubhafte Beweise“ für die Behauptungen der Islamisten.

          Der russische Präsident Wladimir Putin ordnete am Dienstag an, alles zu tun, damit sich die Angehörigen der Opfer nicht allein gelassen fühlten. Putins Sprecher Dmitrij Peskow hatte am Montag „keine Version“ ausgeschlossen, auch nicht einen Terroranschlag. Der Staatsnachrichtensender Rossija 24 berichtete am Dienstag auch über Anzeichen, die auf einen Anschlag hindeuten könnten, auch über die angeblichen amerikanischen Satellitenmessungen und den Stratfor-Bericht. Ägyptens Machthaber Abd al Fattah al Sisi sagte derweil der BBC, „Propaganda“, das Flugzeug sei „wegen des IS abgestürzt“, diene dazu, „Stabilität und Sicherheit Ägyptens“ sowie dessen Image zu beschädigen.

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