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Hassan al Banna : Der Gründer der Muslimbruderschaft

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Bild: FAZ

„Den Ideologien des Westens muss widerstanden werden!“ Als der arbeitslose Lehrer Hassan al Banna die Muslimbruderschaft gründete, hatte er drei Ziele: soziale Verbesserungen, eine Neuordnung Ägyptens nach den Gesetzen des Islam und die Vertreibung der Briten.

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          Damals herrschte in Ägypten noch ein König, zuerst Ahmad Fuad, später dann sein Sohn Faruk. Das Land galt formal zwar als unabhängig, doch in Wirklichkeit hatten die Briten, die sich seit 1882 dort festgesetzt hatten, in fast allen Belangen zu bestimmen. Nicht nur wegen des Suezkanals, sondern als territoriales Bindeglied ihres Empires zwischen den britischen Besitzungen auf dem afrikanischen Kontinent und der Kolonie Indien war das Land am Nil für sie strategisch besonders wichtig.

          Als im März des Jahres 1928 der 22 Jahre junge arbeitslose Lehrer Hassan al Banna in Ismailia am Suezkanal die Organisation der Muslimbrüder (Ikhwan al muslimin) ins Leben rief, hatte er drei Ziele: Er wollte soziale Verbesserungen für die Armen, eine politische und gesellschaftliche Neuordnung Ägyptens allein nach den Gesetzen und Lehren des Islam und die Vertreibung der Briten. Zunächst war die Muslimbruderschaft nur eine von vielen Bewegungen dieser Art, doch schon in den späten dreißiger Jahren hatte sie Zellen im ganzen Land.

          Ägypten stand zwar unter fremder Herrschaft, erlebte jedoch im Geistesleben einen ungeheuren Aufbruch: Die Literatur begann sich zu modernisieren, der ägyptische Film erlebte eine Blüte. Die Frauenrechtlerin Huda Sharabi hatte sich gegen den Schleier gewandt. In Alexandria lebten neben den Ägyptern auch Libanesen, Griechen, Italiener, Armenier und andere. Konstantinos Kavafis schrieb dort, in der Rue Lepsius Nummer 12, seine ebenso berückenden wie verstörenden Gedichte.

          Den Radikalismus ihres Gründers haben die Muslimbrüder abgelegt

          „Den Ideologien des Westens muss widerstanden werden!“ Dieses Credo setzte al Banna, Sohn des Imams Abdal Rahman al Banna, solchen Entwicklungen entgegen. Nach seiner Meinung sollte das Bildungswesen ganz von schädlichen fremden Einflüssen „gereinigt“ werden. Kulturkampf und politische Auflehnung gegen die Fremdherrschaft sowie der Kampf gegen die jüdische „Landnahme“ in Palästina und die Entstehung Israels kamen in seiner Ideologie zusammen. In den vierziger Jahren verschärfte sich der Gegensatz zwischen den „Brüdern“ und dem König, mittlerweile war dies Faruk, der ihnen als zu probritisch galt. Als im Jahre 1948 der Ministerpräsident Mahmud Nukraschi Pascha gegen die Brüder vorging, wurde er von einem Mitglied der Bruderschaft ermordet. Hassan al Banna verurteilte diesen Mord entschieden, wurde jedoch am 12. Februar 1949 in Kairo selbst Opfer eines Anschlags.

          Die „Freien Offiziere“, die 1952 König Faruk stürzten, arbeiteten lange mit den Muslimbrüdern zusammen. Nach einem Attentat auf Präsident Nasser wurden sie jedoch verfolgt, ihr bedeuitendster Anführer Sajjid Qutb 1966 hingerichtet. Bis heute gilt Qutb als einer der wichtigsten Theoretiker des Islamismus. Die „Ikhwan“ haben eine Anhängerschaft, die bis in die Türkei zu deren Islamistenführer Necmettin Erbakan reicht. In Ägypten sind sie nach wie vor verboten, wurden jedoch unter Mubarak geduldet. Den Radikalismus ihres Gründers haben sie abgelegt.

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