https://www.faz.net/-gq5-74j2d
 

Hamas : Opfer und Diplomatie

  • -Aktualisiert am

Die Hamas hat die Opfer unter palästinensischen Zivilisten in Kauf genommen, um diplomatisch an Boden zu gewinnen. Israel seinerseits hat auf einen Einmarsch verzichtet, bei dem es nur Boden hätte verlieren können - und zwar ebenfalls im diplomatischen Sinne.

          1 Min.

          Dass die Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen bisher hält, zeigt zumindest eines: die Hamas, mag sie auch kein monolithischer Block sein, sondern mehr oder weniger militante Flügel haben, ist durchaus in der Lage, die Raketenangriffe auf Israel zu unterbinden. Sie hat offenbar auch die Fähigkeit, radikale Organisationen wie den Islamischen Dschihad zu kontrollieren - selbst wenn das mit den brutalen Methoden geschieht, die bei innerarabischen Auseinandersetzungen eher die Regel als die Ausnahme sind.

          Anders gesagt: die Hamas trägt selbst einen Großteil der Verantwortung dafür, dass in den vergangenen acht Tagen in Gaza mehr als hundert Palästinenser ums Leben gekommen sind, die meisten davon vermutlich Zivilisten. Die Opfer wurden in Kauf genommen, weil die Hamas aus diesem Konflikt mit einem diplomatischen Erfolg hervorgeht: Im internationalen Konfliktmanagement ist sie nicht mehr zu umgehen. Der bisher als einzig legitimierter Vertreter der Palästinenser anerkannte Mahmud Abbas im Westjordanland ist stark abgewertet.

          Mit einem Einmarsch nichts zu gewinnen

          Israel hat sich - trotz des Anschlags auf einen Bus in Tel Aviv - auf eine Waffenruhe eingelassen, weil der angedrohte Einmarsch in den Gaza-Streifen keine Lösung des Problems gewesen wäre: das hat die Entwicklung seit der Aktion „Gegossenes Blei“ im Jahr 2008 erwiesen. Trotz massiver Zerstörungen ist die Hamas damals in den Augen der arabischen Bevölkerung nicht delegitimiert, ist ihre Organisation nicht zerbrochen worden. Dafür hat das Bild Israels in der internationalen Öffentlichkeit seither schweren Schaden genommen. Die Regierung in Jerusalem konnte damals wie heute nur den schwachen Trost mitnehmen, dass sie ihre militärische Überlegenheit wieder einmal demonstriert hat, allerdings ohne dass sich diese gleichzeitig als Abschreckungsfähigkeit erwiesen hätte.

          Was das Krisenmanagement im Nahen Osten angeht, hat es zwei „Rückkehrer“ gegeben. Ägypten hat gezeigt, dass es auch unter einem Präsidenten aus den Reihen der Muslimbrüder eine zentrale Rolle spielen kann und will. Präsident Obama (mit seiner Noch-Außenministerin Clinton) hat bewiesen, dass Amerika trotz seiner Wendung nach Asien und trotz neuer Mitspieler wie Qatar im Nahostkonflikt ein engagierter Akteur bleibt, der nach wie vor unersetzlich ist.

          Topmeldungen

          Traute Runde (von links): Heinz Göldner, Helmut Thümmel, Elisabet Thümmel, Dieter (Dietrich) Klos, Ursula Pischmann und Brigitta Lehmann-John.

          Serie „Besuch beim Wähler“ (5) : Hart am Wasser

          Die Senioren des Dresdner Kanusportvereins haben ihre Leidenschaft über die Zeitenwende gerettet – über Politik reden sie lieber nicht, denn da fliegen schnell die Fetzen.
          Rain Man: Robert Habeck gibt im Wahlkampf alles

          Fraktur : Und ewig währt das Kämpfen

          Das Leben ist ein ewiger Kampf, ob um Olympiagold gekämpft wird oder gegen den inneren Schweinehund. Robert Habeck kämpft sogar im durchnässten Outfit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.