https://www.faz.net/-gq5-74pj6

Große Mehrheit : UN erkennen Palästina als Beobachterstaat an

  • Aktualisiert am

Erfolg für Abbas: Als das Ergebnis der UN-Vollversammlung bekannt wurde, brach im Saal in New York Freude aus Bild: dapd

Mit Jubel haben Menschen in vielen arabischen Staaten auf die Anerkennung Palästinas als Beobachterstaat durch die Vereinten Nationen reagiert. Deutschland befürchtet, dass das Votum den Friedensprozess mit Israel belasten könnte.

          1 Min.

          Palästina gilt künftig bei den Vereinten Nationen als Staat. Die Vollversammlung der Weltorganisation beschloss am Donnerstagabend (Ortszeit) mit mehr als 70 Prozent der Länderstimmen, die Palästinenser von „Beobachtern“ zum „Beobachterstaat“ aufzuwerten. In den Palästinensergebieten reagierten die Menschen mit unbändigem Jubel, doch der UN-Vollmitgliedschaft ist ihr Staat damit nicht näher gekommen. Und Kritiker warnen vor Katerstimmung: Keines der Probleme in Nahost sei damit gelöst und das Votum könne den ohnehin kaum noch existenten Friedensprozess weiter belasten.

          138 der 193 UN-Mitglieder hatten für eine Aufwertung gestimmt, nur neun waren dagegen. 41 enthielten sich, darunter Deutschland. Das Ergebnis gilt als großer Erfolg für die Palästinenser, weil schon eine einfache Mehrheit von 97 Staaten genügt hätte. Die Anerkennung ist allerdings nur innerhalb der UN-Organisation wirksam. Und kein UN-Mitglied ist verpflichtet, einen Staat Palästina anzuerkennen. Das bleibt weiter den einzelnen Regierungen vorbehalten.

          Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte zuvor von der UN-Vollversammlung die Anerkennung eines Staates Palästina mit Ost- Jerusalem als Hauptstadt verlangt. „Wir werden nicht weniger akzeptieren als die Unabhängigkeit eines Staates Palästina mit Ost- Jerusalem als seiner Hauptstadt - auf dem gesamten Territorium, das 1967 besetzt wurde - um in Frieden und Sicherheit neben Israel zu leben.“

          Deutschland befürchtet schwierigere Friedensgespräche

          Israels UN-Botschafter Ron Prosor warf den Palästinensern hingegen vor, entgegen ihren Beteuerungen nicht den Frieden zu suchen. „Israel will Frieden. Wir haben immer wieder die Hand ausgestreckt. Die Antwort waren Zurückweisung, Gewalt und auch Terrorismus“, sagte der Diplomat. Die Palästinenser hätten jedes Zugeständnis für neue Aggressionen genutzt.

          Neben Israel hatten auch die Vereinigten Staaten und andere Länder  die Aufwertung abgelehnt, solange die Palästinenser keinen Frieden mit Israel schließen. „Diese Resolution etabliert keinen palästinensischen Staat“, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice. Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern seien weiter der einzige Weg zu einer Lösung des Nahost-Konflikts. „Es gibt keine Abkürzung.“

          Auch Deutschlands UN-Botschafter Peter Wittig äußerte Befürchtungen, dass das Votum die Friedensgespräche erschwere. „Das könnte uns weiter von einer friedlichen Lösung entfernen.“ Frankreich sah dagegen die Aufwertung Palästinas zum Beobachterstaat als einen möglichen Schritt auf dem Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt.

          Topmeldungen

          Zerknirscht in Hamburg: Olaf Scholz bittet in der Bürgerschaft um Entschuldigung für die G-20-Krawalle in Hamburg.

          Scholz in Hamburg : Führung bestellt, Führung bekommen

          Bevor es Olaf Scholz im Bund bis ganz nach oben schaffte, war er unter anderem Erster Bürgermeister in Hamburg. Aus dieser Zeit lässt sich viel für die künftige Ampelkoalition lernen.

          Transport von Corona-Patienten : Kleeblatt im Einsatz

          Immer mehr Corona-Intensivpatienten werden innerhalb Deutschlands verlegt, weil die Behandlungsplätze knapp sind. Rettungswagen, Busse und Flugzeuge müssen dafür speziell gerüstet sein.
          Stabwechsel: Ralf Kleber (rechts) ist alter,  Rocco Bräuniger wird neuer Deutschlandchef von Amazon.

          Neuer Deutschlandchef : Was wird jetzt aus Amazon?

          Der Internetkonzern Amazon bekommt einen neuen Chef hierzulande: Rocco Bräuniger folgt auf Ralf Kleber. Ein F.A.Z.-Gespräch über Karriere, deutsche Kaufgewohnheiten, Roboter – und die Zukunft des Handels.