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Golanhöhen : Islamisten bringen 43 UN-Soldaten in ihre Gewalt

  • -Aktualisiert am

Militärfahrzeuge der UN-Beobachtermission mit irischen Soldaten warten in den Golanhöhen an der Grenze nach Syrien. Bild: AFP

Islamisten der Nusra-Front haben an den Golanhöhen im Süden Syriens 43 Mitglieder einer UN-Beobachtermission in ihre Gewalt gebracht. Die Vereinten Nationen bestätigten entsprechende Berichte.

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          Bewaffnete Gruppen haben an den Golanhöhen im Süden Syriens 43 UN-Blauhelmsoldaten in ihre Gewalt gebracht. Wie die Vereinten Nationen in New York mitteilten, wurden die Soldaten am Morgen auf der syrischen Seite der Golanhöhen gefangen genommen. Sie gehören demnach der UN-Beobachtertruppe für Truppenentflechtung (Undof) an. Die UN bemühe sich darum, die Freilassung der Blauhelmsoldaten zu erreichen, hieß es weiter.

          Derzeit sind nach UN-Angaben 1223 Blauhelmsoldaten an der Mission beteiligt. Sie stammen aus Indien, Irland, Nepal, den Niederlanden, den Fidschi-Inseln und von den Philippinen. Die Undof-Mission war 1974 ins Leben gerufen worden, um den
          Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien zu überwachen.

          Golanhöhen : UN-Sicherheitsrat verurteilt Entführung von Blauhelmen

          Die Blauhelmsoldaten wurden laut UN in der Nähe der Stadt Qoneitra überfallen, die im Südwesten von Syrien liegt. Dort hatte es nach Angaben von UN-Sprecher Stéphane Dujarric zuvor heftige Kämpfe zwischen der syrischen Armee und bewaffneten syrischen Oppositionsgruppen gegeben.

          81 weitere Undof-Soldaten konnten sich am Donnerstag nicht frei bewegen, wie die Vereinten Nationen weiter mitteilten. Sie könnten ihre Stellungen in der Umgebung von Ruwahinah und Buraikah nicht verlassen. Israel riegelte die Umgebung von Qoneitra am Mittwoch auf der israelisch kontrollierten Seite ab, nachdem ein israelischer Offizier durch Schüsse verletzt worden war, die offenbar von syrischen Rebellen abgefeuert worden waren.

          Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Entführung scharf. Die 15 Mitglieder des Gremiums forderten in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung die sofortige und bedingungslose Freilassung der Soldaten.

          Während der Kämpfe am Grenzübergang Qonaitra steigt Rauch auf.
          Während der Kämpfe am Grenzübergang Qonaitra steigt Rauch auf. : Bild: REUTERS

          Arabische Nachrichtensender hatten schon am Donnerstagmittag berichtet, dass Angehörige der Undof als Geiseln genommen worden seien. Dem qatarischen Sender Al Dschazira zufolge sind die UN-Mitarbeiter in die Gewalt der Nusra-Front, des syrischen Ablegers Al Qaidas, geraten.

          Am Mittwoch hatte die Nusra-Front den Grenzübergang Qoneitra erobert. Mit schweren Angriffen versuchte die syrische Luftwaffe am Donnerstag, den Grenzübergang zu Israel zurückzuerobern. Mehrere Dörfer in der Nähe des Übergangs zu den von Israel besetzten Golanhöhen seien aus der Luft beschossen worden, berichteten Augenzeugen.

          Die Kontrolle über die Gegend um Qoneitra ist deshalb bedeutsam, weil sie nur 65 Kilometer von der Hauptstadt Damaskus entfernt liegt. Die Propaganda des Regimes Baschar al Assads hatte zuletzt behauptet, dieser stehe kurz vor dem Sieg über seine Gegner. Der Sprecher der gemäßigten Freien Syrischen Armee (FSA), Hussam al Marie, forderte am Donnerstag eine stärkere Bewaffnung durch den Westen, um wirksamer gegen die Truppen Assads vorzugehen.

          Anders als im den nordsyrischen Provinzen Raqqa, Hasaka und Deir al Zor, wo die aus der Nusra-Front hervorgegangene Terrorgruppe „Islamischer Staat“ große Territorien kontrolliert, bildet in Südsyrien ein Bündnis islamistischer Milizen die stärkste Oppositionskraft. Rund um die Stadt Nawa nahmen sie Anfang des Jahres mehrere syrische Militärbasen ein. Hunderte Kämpfer waren zuvor aus Deir al Zor nahe der irakischen Grenze geflohen, nachdem der „Islamische Staat“ Abu Bakr al Bagdadis dort zur führenden Kraft wurde.

          In Jordanien unter anderem von amerikanischen Militärberatern ausgebildete Milizen hatten im Frühjahr angekündigt, von Süden Richtung Damaskus zu marschieren, um das Assad-Regime zu stürzen. Das ist ihnen nicht gelungen. Durch den Verlust Qoneitras sowie des Luftwaffenstützpunkt Tabqa in der Provinz Raqqa am Wochenende musste Assad zuletzt jedoch militärische Niederlagen einstecken.

          Im März 2013 waren hier schon einmal 21 Blauhelme von syrischen Aufständischen entführt, später aber wieder freigelassen worden.

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