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Krieg in Syrien : Eine neue Front auf dem Golan

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Eine Pufferzone, um das Chaos fernzuhalten: Israelische Panzer während einer Militärübung auf den Golanhöhen Anfang März Bild: AP

Vier Jahre nach Beginn des Syrien-Konflikts stehen sich auf den Golanhöhen iranische Generäle und Soldaten aus Israel unmittelbar gegenüber – mit unabsehbaren Folgen.

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          Seine Familie habe es schon vor fast zwei Jahrzehnten nicht mehr an der Grenze zu Israel ausgehalten, sagt Muhammad Ashaab. Aus Schebaa, einer kleinen libanesischen Gemeinde im Dreiländereck mit Syrien und Israel, brach er in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern auf, um am Rande der Hauptstadt Beirut ein Leben fernab von Bombenanschlägen und Raketenangriffen zu führen. Zehn Jahre alt war er damals, doch eines hat sich aus Sicht des heute 28 Jahre alten Ingenieurs seitdem nicht geändert: „Der Krieg wird immer weitergehen, mal hier, mal dort“, sagt er. „Ab und an wird er stoppen, nur um an anderer Stelle weiterzugehen.“

          Ashaab ist Mitglied der Syrischen Sozialistischen Nationalpartei (SSNP), die in dem südlich Beiruts gelegenen Vorort Schweifat, wo Ashaab arbeitet, über viele Anhänger verfügt. Seine Sichtweise auf den Konflikt bewahrheitet sich dieser Tage einmal mehr: Vergangene Woche rückten israelische Soldaten über die von den Vereinten Nationen markierte Blaue Linie auf das Gebiet der Schebaa-Farmen vor und feuerten auf libanesische Soldaten. Nur wenige Stunden später wurde ein paar Kilometer weiter südöstlich, auf den Golanhöhen, ein israelischer Soldat durch Schüsse verletzt.

          Eine neue Front im syrischen Bürgerkrieg machen Angehörige westlicher Sicherheitsdienste in Beirut aus. Neue Angriffe der libanesischen Hizbullah von der Nordgrenze Israels fürchten auch Politiker und Militärs in Jerusalem und Tel Aviv. Vier Jahre nach Beginn des Aufstands gegen Syriens Diktator Baschar al Assad ist im Südwesten Syriens ein weiterer Kriegsschauplatz entstanden, der das Potential birgt, sowohl den Libanon wie Israel noch stärker als bislang in den Konflikt im Nachbarland hineinzuziehen – mit unabsehbaren Folgen.

          Freie Syrische Armee wird in Jordanien ausgebildet

          Anders als in den kurdischen Gebieten an der Grenze zur Türkei und zu Irak, wo sich die Selbstverteidigungseinheiten (YPG) des syrischen Ablegers der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) seit Ende 2013 Gefechte mit der sunnitischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) liefern, ist der Konflikt im Südwesten Syriens einer mit geopolitischen Dimensionen: Iranische Generäle sind hier Seite an Seite mit Kommandeuren der Hizbullah präsent, um die Auseinandersetzung mit Israel auf eine neue Stufe zu treiben. Rund 3000 syrische Soldaten und etwa 200 Kämpfer der schiitischen „Partei Gottes“ unter Generalsekretär Hassan Nasrallah seien an der Offensive beteiligt, heißt es in Sicherheitskreisen in Beirut und Damaskus. Sie sollen die Gegend zwischen Daraa, wo der Aufstand gegen Assad 2011 begann, Quneitra auf den Golanhöhen und den syrischen Gemeinden südöstlich von Schebaa unter ihre Kontrolle bringen.

          Ziel der Offensive, die im Februar begann, ist es, die Nachschubwege für Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA), aber auch der Nusra-Front abzuschneiden. Neben dem Libanon und der Türkei, die eine direkte Linie zu den Aufständischen in Aleppo und Idlib im Nordwesten Syrien unterhält, bildet Jordanien das wichtigste Rückzugsgebiet der Assad-Gegner. Auch die Ausbildung von Tausenden FSA-Kämpfern, die Amerikas Präsident Barack Obama im vergangenen Herbst verkündete, soll in dem haschemitischen Königreich stattfinden.

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