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Gipfeltreffen in Mekka : Einsamer Ahmadineschad

Der saudische König Abdullah wies dem iranischen Staatspräsidenten den Platz zu seiner Linken zu - viele Freunde hat Ahmadineschad in der islamischen Welt aber anscheinend nicht mehr Bild: dapd

Ein Gipfeltreffen in Mekka sollte der islamischen Einheit dienen - so forderte es der saudische Gastgeber, König Abdullah. Aber es wurden nur die Gräben sichtbar.

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          An Symbolkraft waren Zeit, Ort und auch Sitzordnung kaum zu überbieten. Der saudische König Abdullah hatte zum Auftakt des außerordentlichen Gipfeltreffens der Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) die Staatsoberhäupter und Regierungschefs in jener Nacht zu einem Kamingespräch geladen, in der die Muslime der Herabsendung der ersten Sure des Korans gedenken. Er empfing sie zur „lailat al qadr“ in seinem Palast in Mekka, der heiligen Stadt des Islams, und wies dem iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadineschad großmütig den Platz zu seiner Linken zu.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der saudische König wirkt mit seinen geschätzten 87 Jahren gebrechlich. Er, der den Titel „Hüter der beiden heiligen Stätten“ Mekka und Medina trägt, ist aber unbestritten der wichtigste Staatsmann in der islamischen Welt. Nach dem früheren islamischem Staatsverständnis sollte es in der islamischen Welt keine Staaten geben, sondern nur die „Umma“, die Gemeinschaft aller Muslime, an deren Spitze der Kalif steht. Ein politischer Zusammenschluss der Nationalstaaten mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ist aus diesem Grund erst spät entstanden.

          Mit der Gründung der Organisation der islamischen Konferenz, wie die OIC zunächst hieß und die ihren Sitz in der saudischen Hafenstadt Dschidda bezog, erkannten die Muslime 1969 formal den Nationalstaat an. Noch 1981 kursierten jedoch Gerüchte, dass der damalige saudische König Chalid zum Kalif ausgerufen werden solle.

          Drei Jahrzehnte später ist eine solche Diskussion nicht mehr denkbar. König Abdullah, der Gastgeber in Mekka, genießt im Kreis der Staatsoberhäupter aber die größte politische und auch moralische Autorität. So führte er in seinem Palast als Primus inter pares die Gespräche, mit dem Iraner Ahmadineschad, dem er erstmals vor fünf Jahren, aber ohne Erfolg, die Hand zur Versöhnung ausgestreckt hatte, an seiner Seite. Ahmadineschad blickte von dort in den Saal und sah, wie wenig Freunde er in der islamischen Welt heute noch hat.

          Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül und der Pakistaner Asif Ali Zardari saßen in der Runde, der Tunesier Moncef Marzouki und der Malaysier Nadschib Razak und mehr als vier Dutzend andere Staats- und Regierungschefs.

          Bei der Abstimmung über die Syrien-Resolution bekamen Ahmadineschad und Außenminister Salehi lediglich Unterstützung von algerischer Seite
          Bei der Abstimmung über die Syrien-Resolution bekamen Ahmadineschad und Außenminister Salehi lediglich Unterstützung von algerischer Seite : Bild: AFP

          Kurz vor dem Austausch zu sehr später Stunde hatten nur Ahmadineschads Außenminister Ali Akbar Salehi und der algerische Außenminister gegen eine Resolution gestimmt, welche die Suspendierung der Mitgliedschaft Syriens empfiehlt. Salehi hatte vorgebracht, es bedürfe anderer Mittel, um den Krieg in Syrien beizulegen. Das syrische Regime war schon gar nicht mehr eingeladen gewesen. Ein Novum war das in der Geschichte der OIC nicht. Das Außenministertreffen der OIC vom Mai 1979 im marokkanischen Fes hatte die Suspendierung der Mitgliedschaft Ägyptens beschlossen, das gerade einen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnet hatte.

          Heute wirft der Generalsekretär der OIC, der Türke Ekemeleddin Ihsanoglu, dem syrischen Machthaber Baschar al Assad eine „Politik der verbrannten Erde“ vor. Das syrische Regime habe einen dunklen Tunnel ohne Ausgang betreten, indem es die legitimen Forderungen und Wünsche des Volkes ignoriert habe, sagte Ihsanoglu.

          Innerislamische Gegensätze

          König Abdullah führte seinem iranischen Gast indes nicht nur vor Augen, wie einsam dieser in der islamischen Welt geworden ist. Er drang auch auf iranisches Territorium vor. „Wie Donner“ sei der Beifall gewesen, berichtet die saudische Presse, als König Abdullah der Konklave der Staatsoberhäupter ein Dialogzentrum vorgeschlagen habe, das die innerislamischen Gegensätze überwinden und seinen Sitz in der saudischen Hauptstadt Riad nehmen solle. „Denn die Spaltungen sorgen für Blutvergießen unter den Söhnen der islamischen Gemeinschaft“, sagte der saudische König.

          Neben einem theologischen Zentrum in Kairo, das sich die Annäherung von Sunniten und Schiiten zum Ziel gesetzt hat, aber kaum aktiv ist, betreiben die schiitischen Iraner in Teheran schon ein „Weltforum für die Annäherung der islamischen Schulen“. Nun beansprucht König Abdullah auch noch die Schirmherrschaft über eine Annäherung von Sunniten und Schiiten und drängt Iran damit weiter an den Rand.

          Syrien wird suspendiert

          Mutig aber recht erfolglos hatte sich Ahmadineschad in die Höhle des Löwen begeben. Eine Mehrheit von zwei Dritteln genügt, um Syriens Mitgliedschaft zu suspendieren, und die ist gesichert. Der Resolutionsentwurf, den die Staats- und Regierungschefs in der Nacht zum Donnerstag billigen wollten, bezeichnet das syrische Regime, das von Iran unterstützt wird, als „illegitim“. Es müsse die Anwendung von Gewalt und die Verletzung der Menschenrechte „unverzüglich stoppen“, heißt es in dem Text weiter.

          Begründet wird die Suspendierung mit dem gescheiterten Friedensplan des inzwischen zurückgetretenen UN-Sondergesandten Kofi Annan. Die syrische Führung setze auf die „militärische Option“, hieß es weiter. Die „islamische Einheit“, die König Abdullah in Mekka beschwor, ist dort jedoch nicht geschaffen worden. Denn sein einsamer, iranischer Gast glaubt sich immer noch in der Rolle des David, den auch eine Allianz ein mächtiger Goliaths nicht erschüttert.

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