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Giftgas-Verdacht : Russland warnt vor Militäreinsatz in Syrien

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Hilfsorganisationen zufolge war in den vergangenen Wochen jeder zehnte syrische Kriegstote ein Kind. Bild: obs

Russland hat nach Berichten über den Chemiewaffen-Einsatz des Assad-Regimes vor einem Militäreinsatz in Syrien gewarnt. Der amerikanische Präsident Obama kündigte eine eingehende Prüfung aller Informationen an.

          Nach Berichten über den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien warnt die russische Regierung vor einem Militäreinsatz in dem Land. Die Informationen dürften nicht als „Vorwand“ für eine Intervention in Syrien genutzt werden, sagte der stellvertretende Außenminister Michail Bogdanow am Samstag. Der amerikanische Präsident Barack Obama kündigte eine „eingehende Prüfung“ der Informationen an und mahnte zur Besonnenheit.

          Ranghohe amerikanische Regierungsmitglieder hatten es am Donnerstag als wahrscheinlich bezeichnet, dass in Syrien Chemiewaffen „in geringen Mengen“ eingesetzt worden seien. Auch der britische Geheimdienst sprach von „begrenzten, aber überzeugenden Hinweisen“. Als möglicher eingesetzter Kampfstoff wurde in den amerikanischen Quellen das Nervengas Sarin genannt. Obama hatte einen Chemiewaffenangriff in der Vergangenheit als „rote Linie“ für ein mögliches Eingreifen in den Bürgerkrieg bezeichnet.

          Syrien: Schamlose Lüge

          Der syrische Informationsminister Omran Ahed al-Suabi wies die Berichte am Samstag scharf zurück. Es handele sich um eine „schamlose Lüge“, sagte er dem russischen Fernsehsender RT. Damaskus würde „niemals“ Chemiewaffen einsetzen.

          Der russische stellvertretende Minister Bogdanow warnte, die britischen und amerikanischen Informationen dürften nicht „als Vorwand für eine Intervention in Syrien“ genutzt werden. Er forderte eine Offenlegung aller Hinweise: „Wenn es ernstzunehmende Beweise für die Verwendung von chemischen Waffen in Syrien gibt, sollten sie sofort vorgelegt und nicht unter Verschluss gehalten werden“, sagte Bogdanow bei einem Besuch in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Die russische Regierung ist einer der letzten Unterstützer der syrischen Führung um Präsident Baschar al Assad. Bogdanow verglich die derzeitige Situation mit den Diskussionen vor Beginn des amerikanischen Militäreinsatzes im Irak im Jahr 2003. Damals habe es „unter dem Vorwand, es seien Atomwaffen vorhanden“, einen „gewaltsamen Eingriff in irakische Angelegenheiten“ gegeben. Am Ende habe sich aber herausgestellt, dass es dort keine Atomwaffen gab, sagte er im Fernsehsender Al-Manar, der der schiitischen Hisbollah-Miliz gehört.

          Obama hatte am Freitag eine „eingehende Prüfung“ der Berichte über den Chemiewaffeneinsatz angekündigt. „Wir müssen mit Bedacht handeln“, sagte er. Zugleich sagte der Obama, Beweise für die Verwendung solcher Waffen würden „die Spielregeln“ verändern. „Wir können nicht tatenlos zusehen und den systematischen Einsatz von Chemiewaffen gegen Zivilisten erlauben“, mahnte Obama.

          Nach Bekanntwerden der Geheimdiensterkenntnisse wurden die Rufe nach einem militärischen Eingreifen in Syrien lauter. „Der UN-Sicherheitsrat muss jetzt handeln“, sagte ein Vertreter der Oppositionsbewegung Nationale Koalition. Die UN müsse die Hinweise umgehend überprüfen und bei einer Bestätigung „mindestens eine Flugverbotszone einrichten“.

          Bislang verwehrt Syrien UN-Ermittlern den Zugang zu Gebieten, in denen möglicherweise Chemiewaffen verwendet wurden. Die Experten sammelten nun außerhalb des Landes Hinweise, sagte ein UN-Sprecher.

          Der Aufstand gegen Assad hatte im März 2011 begonnen und entwickelte sich inzwischen zu einem Bürgerkrieg. Dabei wurden nach UN-Schätzungen bereits mehr als 70.000 Menschen getötet. Am Samstag wurden unterdessen ein Kind und neun Erwachsene bei einem Luftangriff der Regierungsarmee auf die Stadt Duma nahe Damaskus getötet, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete.

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