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Saudi-Arabien : Im Land der letzten Dinge

Zwischen Wüste und Moderne: Rasantes Wachstum auf der einen Seite, Fahrverbote für Frauen auf der anderen. Bild: Bloomberg

Außenminister Steinmeier besucht ein gespaltenes Land, Saudi-Arabien: Dem Königshaus fällt es immer schwerer, sich die Gefolgschaft der Bevölkerung zu sichern. Und in der Herrscherfamilie ist die Einhelligkeit bedroht.

          Brigadier Zari ist ein frommer Mann. Wenn er eine Reise antritt und das Abendgebet zu verpassen droht, dann betet er im Voraus. Er stammt aus einer Soldatenfamilie. Sein greiser Vater diente schon in der Garde des ersten saudischen Königs und Staatsgründers Abd al Aziz Ibn Saud. Auch Zaris Brüder sind in der Armee. Er liebt seine Familie, wie er sagt. Die sei das Wichtigste für ihn. Er nehme sie manchmal sogar mit, wenn er zu längeren Fortbildungen ausrücken muss. Er pflegt seinen Vater, der ans Bett gefesselt ist, und hofft, dass sein Sohn es ihm dereinst gleichtun wird. Brigadier Zari ist ein traditionsbewusster Mann. In der Brusttasche seines sorgsam gebügelten und gestärkten Gewands steckt neben einer eleganten Lesebrille ein Miswak-Hölzchen, ein Zweig des Zahnbürstenbaums, mit dem sich schon der Prophet Mohammed das Gebiss gereinigt haben soll. Brigadier Zari ist ein gastfreundlicher und hilfsbereiter Mann, der überzeugt ist, dass Gott die Gütigen belohnt und sich ihrer annehmen wird.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Und er ist ein stolzer Patriot. Zuletzt habe er die Ehre gehabt, im Inneren der Kaaba zu beten, dem „Haus Gottes“ im Innenhof der heiligen Moschee von Mekka. Er hat ein Bild vom Hüter des Schlüssels auf seinem Smartphone, mit dem er gerne Selfies schießt. Auch eine Aufnahme des türkischen Regierungschefs Ahmet Davutoglu im weißen Pilgergewand ist in seinem Telefon. Davutoglu war gerade zu Besuch in Saudi-Arabien, und Brigadier Zari hofft, dass die Türkei fest zu Saudi-Arabien stehen wird. Denn sein Land sieht er bedroht. Bald, kündigt er an, soll es ein großes Manöver mit vielen Verbündeten geben. Es soll eine Botschaft der Entschlossenheit und der Stärke werden. „Wir werden von allen Seiten angegriffen“, sagt er. Iran werde nicht aufhören, bis die Region unter seiner Knute darbe. „Aber mit Gottes Hilfe werden wir siegreich sein.“ Zari lebt so, wie viele seiner Landsleute leben, und er sieht die Welt, wie viele von ihnen die Welt sehen.

          Saudi-Arabien kämpft in diesen Tagen an vielen Fronten. Viele jahrzehntealte Gewissheiten sind dem Königreich abhandengekommen. Staaten in der Region zerfallen nach den Massenaufständen des Jahres 2011, es herrschen Chaos und Gewalt; ein Albtraum für die Stabilität liebende Monarchie. Mehr denn je sieht sie sich durch den Erzrivalen Iran bedroht, der sich selbstbewusst in seinem üblichen Werkzeugkasten bedient: Iran lenkt Aufwiegler, Waffenschmuggler, Stellvertreter - in Syrien, im Irak, im Jemen, in Bahrein. Die Saudis sehen sich von Amerika im Stich gelassen, ihrem langjährigen Verbündeten, der sich von der Region abwende und das Teheraner Regime durch den Atomdeal und die Aufhebung der Sanktionen auch noch entfessle.

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