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Genozid an Armeniern : Es war einmal ein gutes Osmanisches Reich

Warum es zu den Aufständen und Überfällen kam, was die Forderungen der Täter waren, bleibt im Dunkeln. Ausführlich erläutert wird hingegen unter der Überschrift „Das Armenierproblem im Ersten Weltkrieg“, dass und wie „die Armenier“ nach 1914 mit „den Russen“ gegen „die türkische Nation“ gekämpft haben. Es habe Anweisungen von „den Armeniern“ (welchen, bleibt unklar) an „die Armenier“ (unklar) für zahlreiche Verbrechen gegeben. So kursorisch der Stoff zu den Deportationen der Armenier ist, so detailliert werden vermeintliche Anweisungen an „die Armenier“ geschildert: „Die bewaffneten Armenier sollen einen Weg finden,... sich den armenischen Banden anschließen... Hinter der Front werden alle Muslime im Alter von über zwei Jahren an dem Ort, an dem sie gesehen werden, umgebracht. Nahrungsmittel, Güter und Eigentum des muslimischen Volkes werden beschlagnahmt. Verlassene Häuser, Kirchen und Hilfsinstitutionen werden verbrannt und dafür die Muslime verantwortlich gemacht. Die von der Front zurückkehrenden verwundeten osmanischen Soldaten werden getötet. Für die Alliierten wird Spionage betrieben. Muslime werden für die von Armeniern begangenen Aufstände und Massaker beschuldigt, und dies wird der in- und ausländischen Öffentlichkeit mitgeteilt.“

Tötung Hunderttausender wird Schulkindern verschwiegen

Die Armenier, so lernen es Schulkinder in der Türkei, hätten „diese Anweisungen buchstabengetreu befolgt und dem türkischen Volk großen Schaden zugefügt“. Erst vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen habe der osmanische Staat das „Deportationsgesetz“ verabschiedet, das laut Schulbuchschilderung jedoch von geradezu rührender Harmlosigkeit war. Laut diesem Gesetz wurden nämlich nur Armenier, die an Aufständen teilnahmen, „von den Kriegsgebieten in sicherere Gebiete (im Süden Anatoliens und im Norden Syrien) umgesiedelt“. Das Ziel sei es gewesen, „die Sicherheit für das Leben der türkischen und armenischen Nationen zu sichern“. Darunter zeigt ein Foto Menschen in einem Eisenbahnwaggon. Die Bildzeile darunter lautet: „Umsiedelnde Armenier“. Dass im Zuge dieser „Umsiedlung“ Hunderttausende Menschen getötet wurden, erfahren die Schüler selbstredend nicht – schließlich haben sie ja schon gelernt, dass „ein Teil“ der Armenier die Umsiedlung nicht überlebte.

Wenn sie gut aufpassen und in der Geschichtsarbeit danach gefragt werden, wie sich die Behörden 1915 um das Wohlergehen der umgesiedelten Armenier kümmerten, können die Schulkinder die auswendig gelernten Sätze aus ihrer Geschichtsfibel hinschreiben: „Während der Umsiedlung hat der Osmanische Staat die Sache nicht sich selbst überlassen. Obwohl es während eines Krieges war, hat er jede Form der Vorkehrung getroffen. Mit diesem Ziel hat das Innenministerium 1915 verschiedene Male Direktiven veröffentlicht betreffend der Unterkunft und Verpflegung der Armenier, die wegen des Kriegszustandes und der außerordentlichen politischen Schwierigkeiten in andere Gebiete geschickt wurden.“ Beamte hätten den Auftrag erhalten, dafür zu sorgen, dass es den Deportierten während ihrer Reise an nichts fehle. (Tatsächlich verdursteten und verhungerten Zehntausende.) Es seien zudem „die nötigen Vorkehrungen“ getroffen worden, „dass die Umzusiedelnden... nicht angegriffen werden“. (Tatsächlich wurden ungezählte Armenier Opfer von Banden und den von Halil Berktay erwähnten „Todesschwadronen“, an denen sich oft auch kurdische Banden beteiligten.) Zudem heißt es: „Es wurde gewollt, dass die Orte der Verschickung fruchtbare Ackerböden enthalten und Wasser vorhanden ist, für die Garantie der Sicherheit des Lebens und Eigentums wurden Polizeistationen errichtet. Alte, Schwache, Blinde, Witwen und Waisen wurden nicht Teil der Deportationen.“

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