https://www.faz.net/-gq5-yjdy

General wechselt die Seiten : Militärputsch gegen Jemens Präsidenten

Bild: reuters

Im Jemen haben sich die Kommandeure der wichtigsten Armeeeinheiten gegen Staatspräsident Salih gestellt und damit einen Militärputsch eingeleitet. In den Straßen von Sanaa kam es bereits zu Verbrüderungsszenen von Soldaten und Demonstranten wie beim Sturz Husni Mubarak in Kairo.

          2 Min.

          Führende Generäle habe sich im Jemen gegen Staatspräsident Ali Abdullah Salih gestellt und damit einen Militärputsch eingeleitet. Am Montag hat Generalmajor Ali Muhsin al Ahmar, ein Halbbruder des Präsidenten und Kommandeur der wichtigen Ersten Division, erklärt, seine Truppen schützten nun die Demonstranten gegen die Angriffe der Einheiten den Präsidenten. Er kenne die Emotionen der Offiziere und unterstütze daher die Revolution der Jugend, sagte er.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Ihm schlossen sich die Kommandanten von drei Regionen des Landes und ein General im Generalstab an. Einer von ihnen, Muhammad Ali Muhsin, ist ebenfalls mit Saleh verwandt. In den Straßen von Sanaa und anderen Städtenkam es darauf zu Verbrüderungsszenen von Soldaten und Demonstranten wie beim Sturz von Husni Mubarak in Kairo. Allerdings ist nicht zu erkennen, ob sich Ali Muhsin al Ahmar, sollte er sich gegen Salih durchsetzen, ebenso wie die ägyptische Armee der Einrichtung einer Übergangsregierung und einem Übergang zu einem demokratisch gewählten Ordnung zustimmen wird. Möglicherweise wird das Regime unter Salih, das seine Legitimation verloren hat, lediglich durch ein Regime unter dem Hardliner al Ahmar ersetzt, dessen Ziele nicht klar sind. Ali Muhsin al Ahmar gilt als korrupt mit engen Beziehungen zu den Stämmen und mit Kontakten zu Al Qaida. Er entspricht damit nicht den Erwartungen, die demonstrierende Jugend an einen Mann der Zukunft hat.

          Noch am Sonntagabend hatte Salih mit der Entlassung seines gesamten Kabinetts einen Befreiungsschlag versucht, der allerdings wirkungslos verpuffte. Salih war nicht bereit, die Verantwortung für das Blutbad vom vergangenen Freitag zu übernehmen, bei dem 52 Demonstranten getötet worden waren. Auch am Montag hielten als Folge des Vorfalls die Rücktritte an. Mindestens sieben weitere jemenitische Botschafter, unter ihnen der in Saudi-Arabien, der Generalkonsul in Dubai sowie der Gouverneur der Provinz Aden traten von ihren Posten zurück. Panzer gingen um den Präsidentenpalast in Sanaa in Stellung, ebenso sichern sie seit Montag das Verteidigungsministerium und die Zentralbank. Salih soll nach Aussage eines Sprechers erklärt haben, er bereite sich nun auf eine militärische Auseinandersetzung vor.

          Familienfest in Sanaa: Demonstranten am Montag in der jemenitischen Hauptstadt

          Hakim al Masmari, der Chefredakteur der Zeitung „Yemen Post“, sagtedem Sender Al Dschazira, 60 Prozent der Armee folgten schon Ali Muhsin, und die Zahl steige ständig. Für Salih sei das Spiel damit aus. Zwei Szenarien werden im Jemen für möglich gehalten. Sollten sich die Kommandeure um Ali Muhsin al Ahmar mit Präsident Salih auf einen freiwilligen Rückzug des Präsidenten einigen, wäre eine friedliche Lösung möglich. Nicht ausgeschlossen wird hingegen, dass sich die Teile der Armee, die sich gegen Saleh stellen, mit den Republikanischen Garden und anderen Eliteeinheiten um Saleh einen blutigen Kampf liefern werden. An der Spitze der Republikanischen Garden steht der Präsidentensohn Ahmad Ali Abdullah Salih, dem selbst Ambitionen auf das höchste Staatsamt nachgesagt werden und der seit langem Rivale zu Ali Muhsin al Ahmar ist.

          Die schiitischen Houthi-Rebellen im Nordjemen haben am Montag die Schwäche der Staatsgewalt ausgenutzt und eine Stellung der Armee in der Provinz Dschauf erobert, in der Panzer stationiert waren. Dabei sind mindestens 20 Menschen getötet worden. Die Rebellen behaupteten, sie hätten dabei ein Ausbildungsflugzeug abgeschossen, das von der angegriffenen Kaserne zur Hilfe gerufen worden war.

          Topmeldungen

          Schwäche der Parteien : Mehr Macht den Parlamenten

          Situationen wie in Thüringen wird es künftig öfter geben: Es findet sich keine Koalition mit einer Mehrheit im Parlament. Dadurch wird die Politik unübersichtlicher. Aber das muss nicht schaden – im Gegenteil.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.