https://www.faz.net/-gq5-xsvn

General Hussein Tantawi : Der Mächtige

  • -Aktualisiert am

Hussein Tantawi Bild:

Verteidigungsminister und Feldmarschall Muhammad Hussein Tantawi war der starke Mann hinter Mubarak. Ohne ihn läuft jetzt nichts in Ägypten. Er leitet bis auf Weiteres den mächtigen Militärrat, der nach Mubaraks Abgang die Macht im Land ausübt.

          2 Min.

          Ägypten, in dem viele Bürger jetzt aufbegehren, ist lange Zeit als Militärdiktatur mit etwas freundlicherem Gesicht beschrieben worden - im Unterschied etwa zu dem besonders repressiven Syrien unter General Hafez al Assad. Das gilt auch noch heute, wobei sich das Gesicht zunehmend verfinstert und hässlicher wird. Der greise, 82 Jahre alte Staatspräsident Husni Mubarak - der als ehemaliger General der Luftwaffe selbst aus dem Militär kommt - erlebt auf seine alten Tage die drastische Erosion seiner Autorität.

          Verteidigungsminister und Feldmarschall Muhammad Hussein Tantawi ist der starke Mann hinter Mubarak. Obwohl er Tantawi heißt, hat er mit der Familie des im vorigen Jahr verstorbenen, hochangesehenen Scheichs der Al Azhar-Moschee und Universität, Scheich Muhammad Tantawi, nichts zu tun. Die Familie, der er entstammt, kommt aus der Großstadt Tanta im Nildelta, wie auch diejenige des Theologen. Am 31. Oktober 1935 wurde er geboren.

          Soldat ist Tantawi seit 1956. Seine militärische Karriere machte er in der Infanterie. Als Soldat, Offizier und Befehlshaber nahm er an allen für Ägypten bedeutenden Kriegen teil: 1956 am Suez-Krieg gegen Großbritannien, Frankreich und Israel, 1967 am als „Schmach“ empfundenen Sechstagekrieg gegen Israel und 1973 am „Oktober-Krieg“, wie der Jom-Kippur-Krieg in Ägypten genannt wird. Bis heute zieht die ägyptische Armee aus den anfänglichen Erfolgen dieses Waffengangs gegen das als unbesiegbar geltende Israel einen Teil ihres Stolzes. Die ägyptische Armee sei „die beste des afrikanischen Kontinents“, wird Tantawi gerne zitiert. Kurzfristig war Tantawi zudem Militärattaché an der Botschaft in Pakistan.

          Verteidigungsminister Muhammad Hussein Tantawi spricht vergangene Woche mit Demonstranten auf dem Tahrir-Platz

          Als Verteidigungsminister war er am zweiten Golfkrieg beteiligt

          Im Jahre 1991 wurde er Verteidigungsminister, Minister für die Produktion militärischer Güter und Oberkommandierender der Streitkräfte. In dieser Position war er auch in der aus mehr als dreißig Staaten bestehenden arabisch-westlichen Koalition gegen Saddam Hussein im Jahre 1991 am zweiten Golfkrieg beteiligt.

          Feldmarschall Tantawi ist der Garant für die Herrschaft jener Militärkaste, die Ägypten im Grunde seit dem Mittelalter geprägt hat, zuerst unter den Mamelucken, das heißt aus dem Kaukasus stammenden „Militär-Sklaven“, deren endgültige Herrschaft erst durch Napoleons Invasion und dann durch den Khediven Mehmed Ali 1811 gebrochen wurde. Es folgte die britische Dominanz. Bis zum Sturz König Faruks 1952 stand die Armee stark unter britischem Einfluss.

          Gegen Tantawi, der auch schon 75 ist, läuft nichts in Ägypten. Und trotz seines hohen Alters ist sein Name schon öfter genannt worden, wenn es um die Nachfolge Präsident Mubaraks ging. Freilich wäre er dann nur Übergangspräsident eines Landes, dessen Staatsoberhäupter seit 1952 allesamt Armeeangehörige gewesen sind.

          Topmeldungen

          „Märsche für die Freiheit“ : Barcelona im Ausnahmezustand

          Die Proteste gegen das Urteil im Separatistenprozess legen die Stadt und weite Teile Kataloniens lahm. Die „Sagrada familia“ wurde geschlossen, dutzende Flüge abgesagt – und eines der wichtigsten Fußballspiele Spaniens verschoben.
          Juan Moreno, hier bei der Vorstellung seines Buchs „Tausend Zeilen Lüge“ Ende September in Berlin.

          Juan Moreno beim „Spiegel“ : Was für eine großartige Geschichte!

          Der Reporter Juan Moreno hat den Relotius-Skandal beim „Spiegel“ aufgedeckt. Davon handelt sein Buch „Tausend Zeilen Lüge“. Auf der Buchmesse spricht er auch am „Spiegel“-Stand. Wie er dort befragt wird, ist ziemlich bizarr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.