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Gazastreifen : Neun Tote durch israelische Luftangriffe

  • Aktualisiert am

Rauch über Gaza-Stadt in der Nacht zum Montag nach gezielten israelischen Luftschlägen Bild: AFP

Die Sorge vor einem neuen Gaza-Krieg wächst. Durch israelische Luftangriffe sind neun mutmaßliche Mitglieder der Hamas getötet worden. Unterdessen soll nach dem Mord an einem 16 Jahre alten Palästinenser einer der Verdächtigen die Tat gestanden haben.

          Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben neun Menschen getötet worden. Die Nachrichtenagentur Maan berichtete am Montag, sieben von ihnen seien Mitglieder des bewaffneten Flügels der radikalislamischen Hamas.

          Sechs der Hamas-Mitglieder seien bei dem Bombardement eines Tunnels im Grenzgebiet zu Ägypten ums Leben gekommen. Bei den Angriffen in dem Küstengebiet am Mittelmeer seien auch sechs Zivilisten verletzt worden, hieß es. Die Luftschläge sind eine Reaktion Israels auf Dutzende Raketen, die militante Palästinenser seit Tagen auf israelische Ortschaften abfeuern.

          Zwei weitere militante Palästinenser wurden bei Attacken am Eingang des Flüchtlingslagers Al Bureidsch getroffen worden, berichteten palästinensische Augenzeugen und Ärzte. Die militante Palästinensergruppe Islamischer Dschihad teilte mit, es handle sich um zwei Mitglieder des bewaffneten Arms ihrer Organisation.

          „Schwerwiegende Eskalation“

          Angesichts der Gewalt wächst die Sorge vor einem neuen Gaza-Krieg sowie einem neuen Palästinenseraufstand. Der Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri beschrieb die israelischen Luftangriffe als „schwerwiegende Eskalation“. Suhri drohte: „Der Feind wird den Preis zahlen.“ Hamas hat bereits gedroht, man werde „neue Ziele“ in Israel angreifen. Bei dem letzten großen Schlagabtausch im November 2012 hatte Hamas auch die israelischen Großstädte Tel Aviv und Jerusalem angegriffen.

          Peter Lerner, Sprecher der israelischen Streitkräfte, bezeichnete den fortwährenden Beschuss aus dem Gazastreifen als inakzeptabel. Kampfflugzeuge hätten während der Nacht neun Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen, teilte er am frühen Montagmorgen mit. Nach palästinensischen Angaben flogen Kampfflugzeuge am Sonntag mehr als 20 Angriffe. Mehr als 40 Geschosse wurden auf Israel abgefeuert.

          Ein Verwundeter wird in ein Krankenhaus in Rafah gebracht

          Auslöser für die neuen Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern sowie der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen. In letzterem Fall hatte die israelische Polizei am Sonntag sechs Tatverdächtige festgenommen.

          Israelischen Presseberichten zufolge soll einer von ihnen ein Geständnis abgelegt haben. Der am Mittwoch tot aufgefundene 16 Jahre alte Mohammed Abu Khedeir soll nach einem vorläufigen Autopsiebericht bei lebendigem Leibe verbrannt worden, nachdem er einen heftigen Schlag auf den Kopf erhalten hatte. In Luftröhre und Lunge seien Spuren von Rauch gefunden worden, teilte der palästinensische Generalstaatsanwalt nach der Obduktion mit. Von israelischer Seite gab es dafür keine Bestätigung. Zudem sollen die Verdächtigen zuvor erfolglos versucht haben, einen neun Jahre alten palästinensischen Jungen zu entführen.

          Polizeisprecher Mickey Rosenfeld bestätigte, die Ermittler gingen von einem „nationalistischen Motiv“ für die Tat aus. Einige der festgenommenen Verdächtigen seien dem Gericht vorgeführt worden, um die Dauer der Untersuchungshaft zu verlängern, berichtete die Zeitung „Haaretz“. Familienangehörige des ermordeten 16-Jährigen hätten erklärt, sie seien bislang nicht über die Festnahmen informiert worden, obwohl ihnen die Polizei versprochen habe, sie würden als erste über jede Entwicklung unterrichtet.

          Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eine internationale Untersuchung des Mordes. Radikale jüdische Siedlergruppen müssten als Terrororganisationen eingestuft werden, sagte er bei einem Treffen mit dem UN-Gesandten Robert Serry in Ramallah.

          Israel leitete unterdessen eine Untersuchung von Vorwürfen ein, Grenzpolizisten hätten einen aus Palästina stammenden Staatsbürger der Vereinigten Staaten verprügelt. Bei dem Prügelopfer handelte sich nach den Berichten um den Cousin des ermordeten 16-jährigen Palästinensers. Israelische Medien zeigten am Wochenende ein Video, auf dem zu sehen ist, wie Polizisten auf eine auf dem Boden liegende Person einschlagen und -treten.

          In sozialen Netzwerken kursierten Bilder des 15 Jahren alten Cousins mit geschwollenem Gesicht. Nach seiner Festnahme am Donnerstag wurde er am Sonntag zwar auf freien Fuß, aber unter Hausarrest gesetzt. Das Washingtoner Außenministerium verlangte eine rasche Untersuchung des Vorfalls. Israelische Medien zitierten Vertreter der Grenzpolizei mit dem Vorwurf, das Video sei „manipuliert“ worden.

          Sorge vor neuem Palästinenseraufstand

          Auch an mehreren Brennpunkten in Israel kam es am Wochenende zu Ausschreitungen wütender arabischer Bürger. In arabischen Ortschaften im Norden Israels, darunter Nazareth, bewarfen Demonstranten Polizisten mit Steinen und Brandflaschen. Sie versuchten, Straßen zu blockieren und es gab Berichte über Angriffe auf jüdische Autofahrer. Die Szenen erinnerten an gewaltsame Proteste zu Beginn des Palästinenseraufstands im Herbst 2000. Damals waren 13 israelische Araber von der Polizei getötet worden.

          Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu

          Die jüngste Welle der Gewalt nährt die Sorge vor einem neuen Palästinenseraufstand. „Die Erfahrung lehrt, dass man in solchen Momenten mit Selbstkontrolle und Verantwortung vorgehen muss, ohne Hetze und übertriebene Hast“, sagte Netanjahu am Sonntag bei einer Regierungssitzung in Jerusalem zu der Lage in der Region. Er rief arabische Würdenträger dazu auf, sich für eine Mäßigung einzusetzen. „Wer gegen das Gesetz verstößt, wird festgenommen und hart bestraft“, drohte Netanjahu gleichzeitig.

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