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Gazastreifen : Israel setzt seine Militäroffensive fort

  • Aktualisiert am

Trotz mehr als 1000 Toten gehen die Kämpfe im Gazastreifen weiter. Bild: AFP

Die Hamas hatte erst gar nicht zugestimmt, nun beendet auch Israel die einseitig versprochene Waffenruhe. Die Armee werde ihre Angriffe aus der Luft, vom Meer und vom Boden aus fortsetzen, sagte ein Militärsprecher. Schuld sei die Hamas.

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          Nach dem Scheitern einer humanitären Waffenruhe in Nahost setzen Israel und die Hamas im Gazastreifen ihre gegenseitigen Angriffe fort. Militante Palästinenser feuerten am Sonntag abermals Raketen auf israelische Ortschaften. Daraufhin teilte das israelische Militär mit, Luftwaffe, Marine und Bodentruppen würden ihre Angriffe auf den Gazastreifen ebenfalls wieder aufnehmen.

          Die palästinensische Hamas-Bewegung hatte die von Israel auf Drängen der Vereinten Nationen verkündete 24-stündige Waffenruhe am Samstagabend zurückgewiesen.

          „Angesichts des ununterbrochenen Raketenbeschusses der Hamas während des humanitären Fensters, das zum Wohl der Zivilbevölkerung von Gaza vereinbart wurde, werden die Streitkräfte nun ihre Luft- See- und Bodeneinsätze im Gazastreifen wieder aufnehmen“, teilte die Armee mit. In Gaza und im Osten des Küstengebiets war der Einschlag von Geschossen zu vernehmen. Laut palästinensischen Rettungskräften wurden unmittelbar nach Wiederaufnahme der Angriffe drei Menschen getötet.

          Israel und die radikal-islamische Hamas hatten zunächst beide einer zwölfstündigen Feuerpause bis Samstagabend zugestimmt. Israel verlängerte diese anschließend um vier und dann um weitere 24 Stunden. Die Hamas hatte eine Verlängerung ihrerseits offiziell abgelehnt. Zuerst müsse Israel seine Bodentruppen aus dem Gazastreifen abziehen und es den Menschen dort ermöglichen, in ihre Häuser zurückzukehren, und sich um die Verletzten zu kümmern, erklärte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri. Eine Feuerpause, die diese Punkte nicht berücksichtige, sei nicht akzeptabel.

          Israelische Soldaten treffen in der Feuerpause ihre Familien

          Israel und die Palästinenser-Fraktionen hatten sich am Freitag darauf geeinigt, aus humanitären Gründen die Waffen schweigen zu lassen. Nach tagelangen Luftangriffen und Bodenoperationen des israelischen Militärs nutzten viele Palästinenser in dem dicht besiedelten Gebiet die Möglichkeit, sich mit Nahrung und Medikamenten einzudecken. Die Straßen füllten sich wieder mit Menschen, in den Lebensmittelmärkten herrschte Andrang.

          Wieder mehr als hundert Tote geborgen

          Während der Feuerpause im Gazastreifen war das ganze Ausmaß der Gewalt sichtbar geworden: Mehr als hundert Tote wurden binnen weniger Stunden laut palästinensischen Rettungsdiensten aus den Trümmern geborgen. Damit kamen seit Beginn der israelischen Offensive mehr als tausend Palästinenser ums Leben, der Großteil von ihnen Zivilisten, darunter auch viele Kinder. Auf israelischer Seite starben bei Kämpfen oder durch Raketenbeschuss 40 Soldaten und drei Zivilisten.

          In Paris hatten die Außenminister aus den Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Qatar, der Türkei sowie ein Vertreter der EU-Außenbeauftragten am Samstag zu einer Verlängerung der Waffenruhe aufgerufen. Die so gewonnene Zeit müsse für die Versorgung der Zivilbevölkerung genutzt werden, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Wir müssen zudem die Zeit nutzen, um Verhandlungen für einen dauerhaften Frieden vorzubereiten.“

          Helfer bergen während der Feuerpause Leichen aus Häusern in Gaza

          Rettungskräfte und Reporter erreichten am Samstag erstmals das zuvor schwer umkämpfte Stadtviertel Sadschaija im Osten der Stadt Gaza. Helfer bargen dort und in anderen bisherigen „Todeszonen“ 130 Leichen, wie der Chef der palästinensischen Rettungsdienste, Aschraf al Kidra, mitteilte. In den umkämpften Gebieten wurden ganze Häuserreihen durch Bombardements dem Erdboden gleichgemacht. Helfer und zurückkehrende Bewohner bahnten sich einen Weg durch Trümmerfelder und suchten nach Habseligkeiten. Einzelne Menschen begannen damit, ihre toten Angehörigen auf freien Flächen zwischen den Häusern zu begraben.

          Demonstration in Marseille, Frankreich

          In Deutschland demonstrierten mehr als 1000 Menschen in mehreren Städten abermals gegen das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen und für eine andauernde Waffenruhe. Die Teilnehmerzahlen waren teilweise deutlich geringer als erwartet. Antisemitische Parolen wie in den vergangenen Tagen oder andere Zwischenfälle wurden zunächst nicht bekannt. Kundgebungen gab es unter anderem in München, Frankfurt, Gießen, Hamburg und Kiel. Auch in Paris und London gingen Menschen auf die Straße.

          Lufthansa, Air Berlin und Air France bieten inzwischen wieder Flüge nach Tel Aviv an. Viele Fluggesellschaften hatten den Ben-Gurion-Airport wegen Raketengefahr im israelisch- palästinensischen Konflikt mehrere Tage lang nicht angeflogen.

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