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Gazastreifen : „Islamischer Dschihad“ feuert auf Israel

Nächtlicher Alarm in Sderot in Südisrael: Einwohner fliehen in Luftschutzkeller. Bild: AFP

Mehr als 40 Raketen sind in der Nacht zum Donnerstag vom Gazastreifen aus nach Israel geschossen worden – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Verantwortlich war die Gruppe „Islamischer Dschihad“. Mit ihr macht sich eine neue Kraft im Konflikt breit.

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          Die israelische Armee hat in der Nacht zum Donnerstag mehr als 30 Ziele im Gazastreifen angegriffen, nachdem die Terrorgruppe „Islamischer Dschihad“ am frühen Mittwochabend mehr als 40 Raketen aus Gaza auf israelisches Gebiet geschossen hatte. Auf den israelischen Vergeltungsangriff folgten nur noch zwei Raketen aus Gaza. Sie richteten in Israel keine nennenswerten Schäden an. Seit dieser jüngsten Runde der Gewalt herrscht nun wieder gespannte Ruhe in Südisrael.

          Nach dem Angriff: Einschlagloch in Sderot
          Nach dem Angriff: Einschlagloch in Sderot : Bild: AFP
          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Vergeltungsschläge seien „präzise und prompt“ ausgeführt worden und hätten sich ausschließlich gegen terroristische Ziele gerichtet, sagte ein Armeesprecher. Wenn in Gaza keine Ruhe einkehre, werde es dort „viel Lärm“ geben, hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zuvor gedroht.

          Alle halten still

          So viele Raketen wie am Mittwochabend hatten Terroristen seit dem Ende der Gaza-Offensive im November 2012 nicht mehr an einem Tag abgefeuert. In Israel wurde dabei eine Frau verletzt, als sie auf dem Weg in einen Schutzraum stolperte. Hätten die Raketen eine Schule getroffen oder wäre jemand gestorben, hätte die israelische Reaktion anders ausgesehen.

          Doch weder Israel noch die im Gazastreifen herrschende Hamas wollen sich derzeit in einen neuen offenen Konflikt hineinziehen lassen. Selbst die Terrorgruppe „Islamischer Dschihad“ stellte klar, dass sie die geltende Waffenruhe nicht beenden, sondern nur drei ihrer Kämpfer habe rächen wollen. Diese waren am Dienstag von der israelischen Armee getötet worden, als sie Granaten abfeuern wollten.

          Neue, kompromisslose Kraft

          Dennoch arbeitet die von Iran unterstützte Gruppe „Islamischer Dschihad“ schon seit einiger Zeit daran, sich gegenüber den Palästinensergruppen Hamas und Fatah als die kompromisslose Kraft im Kampf gegen Israel zu profilieren. Die Hamas ist geschwächt – besonders seitdem sie in Ägypten mit dem islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi  im Juni 2013 ihren wichtigsten Verbündeten verloren hat. Die in Gaza herrschenden Islamisten fühlen sich derzeit nicht für eine neue Konfrontation mit Israel vorbereitet.

          Und Israel zieht es vor, die geschwächte Hamas an der Macht zu lassen, anstatt einzumarschieren und selbst die Kontrolle zu übernehmen, wie es Außenminister Avigdor Lieberman am Mittwochabend ein weiteres Mal forderte. Bisher ließ Israel lieber die Hamas in Gaza für Ruhe sorgen.

          Das wird schwieriger, denn Iran versucht, den „Islamischen Dschihad“ massiv aufzurüsten. Nach israelischen Erkenntnissen waren auch die 40 Raketen auf einem Frachtschiff, das die Armee in der vergangenen Woche im Roten Meer aufgebracht hatte, für diese Terrorgruppe in Gaza bestimmt gewesen. Mit diesen Raketen könnten die Terroristen sogar Ziele nördlich von Tel Aviv erreichen.

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